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Blondes Chaos

fohlenFohlenhof Ebbs. Gespannt warten die Tiroler Haflinger-Bauern, ob Haflingerkönig Hannes Schweisgut bleibt oder geht. Für LAbg. Bernhard Ernst ist Schweisgut gar ein Krimineller ...
Es rumort gewaltig in der Tiroler Haflingerwelt. Die teils unglaublichen Geschichten, die Peter und Paul Eiter über die Gebarung im rund 1.500 Züchter umfassenden Tiroler Haflingerpferdezuchtverband (HPT) erzählten (ECHO 12/09), machen immer mehr Züchtern Mut, zu ihrem Unmut zu stehen und weitere haarsträubende Episoden preis zu geben. Nachdem sie im Herbst erneut von Schweisgut ausgetrickst worden war, wandte sich beispielsweise eine der renommiertesten Tiroler Züchterinnen von Schweisguts Verband ab. Bei der Stutfohlenauktion in Ebbs war offenbar zum Nachteil der finanziell potenten Käuferin „geschummelt“ worden. „Bei diesen Versteigerungen wird der Preis künstlich raufgeputscht“, weiß sogar der Landtagsabgeordnete Bernhard Ernst (Liste Fritz). Das Wissen um die Ungereimtheiten in Ebbs ist längst nicht mehr auf die Pferdewelt reduziert. Längst ist es ein Politikum. Denn immer weniger Züchter wollen unter Schweisguts Herrschaft weiter die robusten blonden Pferde züchten, immer heftiger werden die Vorwürfe. „Es scheint ihm an den Kragen zu gehen“, sagt etwa Professor Gert Ewald. „Es gibt das Gerücht, dass er selbst das Handtuch werfen will.“
Ewald selbst durfte nie Haflinger züchten. Als der ehemals Noriker züchtende Bayer auch mit diesem Ansinnen nach Tirol zog und es als sein selbstverständliches Recht empfand, dafür einen Deckhengst zu halten, wurde er rasch mit den Tiroler Realitäten konfrontiert. Realitäten, die gelinde gesagt außergewöhnlich sind in der Tierzuchtwelt, denn, so Ewald: „Alle Zuchthengste sind im Besitz des Haflinger Pferdezuchtverbandes Tirol“.
Dieser Umstand verhinderte bislang, dass die Tiroler Züchter nennenswert Geld verdienen und ihr Zuchtgeschick wirklich unter Beweis stellen konnten. Der Verband zahlt nur rund 1.500 Euro für von Schweisgut ausgesuchte Hengste, verkauft werden sie dann um 20.000 bis 60.000 Euro. Davon hat der zum Verkauf genötigte Züchter aber nichts mehr. Allein der Gedanke, dass Hundezüchtern die Haltung von Rüden verboten würde, ist absurd. Beim HPT ist das Absurde normal. Gert Ewald wollte sich damit jedoch nicht abfinden, machte auf Gesetze aufmerksam, gegen die der HPT mit seinem Hengstmonopol verstößt und musste erneut Tiroler Lehrgeld zahlen. Denn Schweisguts Gesetzesverstöße waren für Politik wie Landwirtschaftkammer nicht der Rede wert und Ewald wurde geschwind aus dem Verband geworfen. Ohne Mitgliedschaft darf niemand züchten, und der Rauswurf ist – bei Züchter Paul Eiter war es nicht anders – die gängigste Methode, um Kritiker los zu werden.
Bezüglich der privaten Hengsthaltung war Ewald der erste, der den Missstand laut anprangerte. Seit Anfang 2010 gelten diesbezüglich noch strengere Regeln. „Die Frage ist, ob die im Januar 2010 geborenen Hengste volltaugliche Papiere bekommen“, sagt er. Damit endlich auch Private Hengsthalter sein dürfen, wenn die Tiere vielversprechende Anlagen mitbringen und damit Hengstfohlen nicht gezwungenermaßen rasch kastriert werden müssen oder automatisch „in der Wurst“ landen.

Die Antworten. „Der Umgang mit den Tieren ist erschreckend“, sagt Bernhard Ernst. „Für mich ist der Herr Geschäftsführer ein Krimineller. Schweisgut hat sich da eine Organisation aufgebaut, um private Geschäfte zu machen. Das geht schon seit Jahren so.“ Das System ist simpel. Schweisgut ist Geschäftsführer des HPT und als solcher bei der Tiroler Landwirtschaftskammer angestellt. Vor vielen Jahren hat er den Sitz nach Ebbs verlegt, womit auch der direkte Zugang der Kammer in die Computer des HPT gekappt wurden. Als Haflingerzuchtdirektor hat Schweisgut das letzte Wort, wenn es darum geht, die Stuten zu bewerten und damit zu bestimmen, wie viel Geld der Züchter verdient. Legendär ist schon der Umstand, dass der Name des Züchters oft wichtiger ist, als das vorgeführte Tier. Dabei wird Schweisgut sogar die Befähigung abgesprochen, über Tiere richten zu dürfen. „Herr Schweisgut besitzt die Befähigung“, widerspricht Tierzuchtdirektor Hussl. „Der HPT hat keine eigenen Ausbildungsrichtlinien erlassen, sondern richtet sich nach den Bestimmungen der Welthaflingervereinigung.“ Präsident dieser Vereinigung ist Schweisgut selbst. Wie praktisch.
Damit nicht genug, ist Schweisgut auch Geschäftsführer der privaten Haflinger Im- und Export GesmbH (IMEX). Die ist derart verquickt mit dem Verband und dem verbandseigenen Fohlenhof in Ebbs, dass keiner weiß, ob es da überhaupt eine Grenze gibt. Bekannt ist, dass über die IMEX auch die Pferde des Verbandes verkauft werden. Nicht bekannt ist, ob die Gelder dann auch auf das Konto des Verbandes fließen. Bekannt ist, dass Schweisguts IMEX rund 30 Stuten am Fohlenhof stehen hat. Nicht bekannt ist, ob er dafür die rund 180 Euro Einstellgebühr pro Stute und Monat zahlt. Laut Landesrat Steixner obliegt alle Gebarung des HPT dem HPT und damit Schweisgut, der dazu traditionell jegliche Stellungnahme verweigert. Vielleicht, weil trotz all der himmlischen Erwerbsmöglichkeiten Schweisguts finanzielle Situation von Insidern als erbärmlich dargestellt wird. „Schweisgut ist nicht zu beneiden“, soll Steixner jüngst gesagt haben. Denn nicht nur der HPT hat dem Vernehmen nach erhebliche Schulden, der IMEX wird ein Minus von rund 680.000 Euro nachgesagt. Das könnte der Grund dafür sein, dass der HPT nun die IMEX übernehmen soll. „Die wirtschaftlichen Verhältnisse müssen vor Übernahme eingehend geprüft werden“, meint dazu Tierzuchtdirektor Hussl. „Ich stehe grundsätzlich positiv zu dieser Idee, da eine Übernahme zu mehr Transparenz und Klarheit für die Mitglieder führen würde.“ Auch Schweisguts Chef scheint zu wissen, dass Transparenz und Klarheit Mangelware sind in Ebbs. Schließlich werden die Mitglieder zur Kasse gebeten, wenn’s dem Verband schlecht geht. Die Mitglieder und das Land Tirol, das schon mehrmals einspringen musste, wenn Schweisguts Verbandsgeschäfte rote Zahlen zeitigten. 2005 erst soll dafür eine erhebliche Summe geflossen sein.
In Anfragen an die Landesräte Anton Steixner und Christian Switak hat Bernhard Ernst versucht, dem Blonden Chaos auf die Spur zu kommen. Dabei kam unter anderem heraus, dass der HPT im vergangenen Jahr 326.152 Euro vom Land erhielt und im Kostenvoranschlag förderbare Aufwendungen in Höhe von 744.000 Euro angegeben hatte. In der Differenz liegt die Crux und es ist zu bezweifeln, dass der jüngste „Abverkauf“ zweier Klasse-Stuten – eine davon ging an Dietrich Mateschitz – das Kraut noch fett macht. Der einst prächtige Fohlenhof droht ähnlich den Verbandssitten zu verlottern und dabei steht 2010 die Haflingerweltausstellung an, weswegen Steixner ankündigt, dass der förderfähige Aufwand im laufenden Jahr „deutlich höher liegen wird“. Dem Vernehmen nach wollen die Verantwortlichen in Politik und Kammer vor der großen Show den großen Skandal verhindern. Dabei wird der Skandal lediglich verlängert.
Alexandra Keller
Montag, den 01. Februar 2010 um 14:21 Uhr

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