Die Liftkaiser. In Sachen Pisten- und Skiliftanlagen genießen die Salzburger Skigebiete Weltruf. Wo einst Wintersportpioniere mit viel persönlichem Risiko in Lifte investierten, hat sich heute eine Winterfreizeitindustrie etabliert. Jedes Jahr werden Millionen in die neue Technik gepumpt.
Saalbach-Hinterglemm, Obertauern, Gastein, Zauchensee, Zell am See, Leogang und viele andere Skigebiete mehr sind die Visitenkarte des Salzburger Wintertourismus. Wenn es um Skisport geht, spielt das Bundesland im gesamten Alpenraum eine bedeutende Rolle. Moderne Liftanlagen und gepflegte Pisten sind für viele Touristen eine Motivation dafür, hier ihren Urlaub zu verbringen. Das war nicht immer so. Wo heute Liftmasten die Hänge erklimmen, lagen vor über 50 Jahren die einsamen Almböden der Zauchenseer Bauern, erzählt uns Veronika Scheffer, Geschäftsführerin der Zauchenseer Bergbahnen und Tochter von Liftpionier Balthasar Scheffer. Dieser baute Holzseilbahnen. „Am Anfang hat es keine Infrastruktur in Zauchensee gegeben, das war reines Weidegebiet“, erzählt Scheffer weiter.
1954 trat dann Balthasar „Dikt“ Scheffer auf den Plan, um mit Peter Kuchelberg und Adam Gloner das erste Liftprojekt für Zauchensee durchzuziehen. In diesem Jahr nahm der „Stemaglift“ als erster Lift in Zauchensee den Betrieb auf. Zu dieser Zeit wurde in Zauchensee auch die erste Liftkarte erfunden. Nämlich aus eine Beilagscheibe. Ein Prägestempel machte dieses Stück Metall zur Liftkarte, für die jeder einen Schilling bezahlte. Einen Hunderterblock gab es auch. Der sah aus wie eine mittelalterliche Halskette für Herren in Rüstung, wie es in einer Zauchenseer Festschrift heißt. Später hat man auch selbst eine Pistenwalze konstruiert und gebaut. Zehn geschäftlich erfolglose Jahre später setzten die Liftpioniere Benedikt Scheffer, Peter Walchhofer, Rudolf Patrias und Franz Unterlaß alles auf eine Karte und fassten den Entschluss, den ganzen Betrieb auf eine breitere Basis zu stellen. Um 1964, kurz vor Weihnachten, wurde der „Unterberglift“ eröffnet. 1965 folgte ein 300 Meter langer Übungslift, bis 1967 der 1929 Meter hohe Roßkopf mittels Lift erschlossen wurde. Diese 1700 Meter lange Anlage konnte 1000 Personen pro Stunde befördern und brachte Schwung in das bis dahin eher mäßige Wintersportgeschehen. Der große Erfolg des Roßkopfliftes war die Basis für den Bau der Doppelsesselliftanlage Gamskogel 1 und 2. 10 Millionen Schilling wurden 1971 dafür investiert. Auch die gastronomische Weiterentwicklung verlief Hand in Hand mit der Erschließung für den Wintersport. Die Übernachtungen stiegen von 25.000 im Jahr 1964 auf 350.000 im Jahr 1984. Die 80er Jahre waren auch die Goldenen Jahre, weiß Veronika Scheffer, die selbst seit 1973 im Geschäft ist. Heute ist man nicht mehr Liftunternehmer, sondern Touristiker. Neben den Liften wird Gastronomie und eine Rodelbahn betrieben. Enorme Kosten verursachen die Beschneiungsanlagen, und gegenüber Skigebieten in Oberösterreich, der Steiermark oder Kärnten bekomme man in Salzburg keine Förderung. Das Skigeschäft ist kein Selbstläufer mehr. Die Tagesgäste kommen nur mehr bei Schönwetter.
2009 investierte man 22 Millionen in das Skigebiet. 220 Mitarbeiter erwirtschaften zirka 17 Millionen Euro Nettoumsatz.
Die Liftgesellschaft ist auch heute noch im Besitz der Gründerpioniere beziehungsweise deren Nachfahren. Aus den Liftlern wurden moderne Unternehmer, die heute auch die Skischaukel Radstadt-Altenmarkt managen. 20 Millionen Euro wurden im Vorjahr in den Bau einer Achter-Kabinenbahn und eines Sesselliftes sowie in den Umbau eines Restaurant investiert.
Porsche-Lift. Auch die Schmittenhöhebahn in Zell am See zählt zu Salzburgs Traditionsbetrieben, wenn es um Liftanlagen geht. 2009 wurden auch hier wieder 20 Millionen Euro in die Qualitätsverbesserung, in die neue Kettingbahn und in zwei neue Schmittenkabinen investiert. Hier versteht man sich auch als Impulsgeber für die ganze Region, heißt es aus der Firmenzentrale. 110 Ganzjahresjobs und 265 Mitarbeiter im Winter beschäftigen die Liftbetreiber. Apropos Liftbetreiber: Rund 400 Aktionäre teilen sich die Schmittenhöhebahn mit ihren 29 Bergbahnen und Skiliften. Davon gehören 47,8 Prozent der Porsche GmbH, 18,1 Prozent dem Salzburger Bankhaus Spängler, 12,7 Prozent hält die Zellinvest Anlagenberatung GmbH, 7,5 Prozent die Landeshypothekenbank Salzburg und 13,9 Prozent der Anteile schwirren im Streubesitz umher. Das Aktienkapital beträgt 5.047.620 Euro. Die Schmittenhöhebahn, die quasi den Porsches gehört, betreibt auch die Schifffahrt samt Bootshaus für das Flaggschiff MS Schmittenhöhe. Hans-Michel Piëch, Porsche-Clan-Mitglied, ist auch an der Pinzgau-Milch beteiligt. Zum Besitz gehören Land- und Forstwirtschaftsbetriebe ebenso wie der Flughafen in Zell am See. Neben den prominenten Betreibern kann die Schmittenhöhebahn auf eine spannende Geschichte zurückblicken. 1873 baut Rudolf Riemann den ersten Weg auf die Schmittenhöhe. Vier Jahre später errichtet man die erste meteorologische Station auf dem Gipfel und gründet den Verschönerungsverein, den späteren Fremdenverkehrsverein. Am 1. Juli 1893 besucht Kaiser Franz Joseph I. die Schmittenhöhe und übernachtet im inzwischen errichteten Berghotel. Am 4. Mai 1927 war es dann soweit; der erste Spatenstich für die Talstation der Schmittenhöhebahn erfolgte. Bereits am 31. Dezember ging die offizielle Inbetriebnahme der Schmittenhöhebahn als erste Seilbahn im Lande Salzburg und als fünfte in Österreich über die Bühne.
Die Nr. 1. Mit viel unternehmerischem Geist und vor allem auch mit viel Mut seitens einiger weniger Pioniere ist in Saalbach und Hinterglemm der Sprung vom armen Bauerndorf zu einer international renommierten Tourismusdestination gelungen. Schon kurz nach Kriegsende wurde die Vorkriegsidee, ein Skigebiet zu eröffnen, wieder aufgegriffen. Johann Dschulnigg wandte sich an die in Saalbach infrage kommenden Personen, um sie für die Finanzierung des Unternehmens zu gewinnen, was auch glückte. Am 17. September 1945 wurd die „Skilift Gesellschaft Saalbach, Erwerbsgesellschaft bürgerlichen Rechts“ gegründet. Grundbesitzer und einige andere Bürger waren die ersten Gesellschafter. Die Saalbacher Bergbahnen Ges.m.b.H. gibt es folglich schon seit 1945. Zum ersten Obmann wurde Johann Breitfuss gewählt. Nach viermonatiger Bauzeit wurde der Lift am 17. Februar 1946 seiner Bestimmung übergeben: der Anfang einer großen Erfolgsgeschichte. Die Hinterglemmer Bergbahnen Ges.m.b.H. gibt es seit 1950 und die BBSH, die Bergbahnen Saalbach Hinterglemm Ges.m.b.H., seit 1998 (Tochtergesellschaft der Saalbacher Bergbahnen und Hinterglemmer Bergbahnen – entstanden aus den früheren Gesellschaften Reiterkogel Lift Ges.m.b.H., Schönleiten Lifte Ges.m.b.H., Westgipfel Bahnen Ges.m.b.H.) Noch heute sind alle Gesellschafter der drei Liftgesellschaften aus den beiden Orten. Das Geschäft der einstigen Pioniere wurde von den Nachkommen übernommen. Pressesprecherin Kathrin Mitterer: „Grundsätzlich ist zu sagen, dass alle Familien auch heute noch in zweiter und dritter Generation als Gesellschafter, Aufsichts- u. Verwaltungsräte und Geschäftsführer im Unternehmen tätig sind.“ Diese Tatsache garantiere, dass alle an einem Strang ziehen und auch in Zukunft versuchen, die Entwicklung des Ortes zu fördern, heißt es weiter. Die heutigen Geschäftsführer der Saalbacher Bergbahnen GmbH zum Beispiel sind: Hannes Dschulnigg, dessen Vater Johann Dschulnigg gemeinsam mit weiteren Gesellschaftern den ersten Lift in Saalbach, den Kohlmais-Schlepplift, gebaut hat; Fritz Breitfuss, der Sohn des beinahe 90-jährigen Pioniers Johann Breitfuss, der 1947 den ersten Sessellift am Fuße des Schattbergs gebaut hat und auch heute noch als Gesellschafter beratend im Unternehmen tätig ist; und Helmuth Thomas, dessen Mutter Friederike Thomas ebenfalls Gründungsmitglied der Liftgesellschaft war.
In den vergangenen zehn Jahren wurden über 190 Millionen Euro in den Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang investiert. In den nächsten Jahren soll es weitere Umbauprojekte und Investitionen geben. Der Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang erzielte im vergangenen Winter 2008/09 einen Umsatz von zirka 55 Millionen Euro, was den zweitbesten Umsatz aller Zeiten darstellt. Als einer der größten Arbeitgeber im Pinzgau beschäftigt man insgesamt 428 Leute im Winter, davon zählen 172 zum ganzjährigen Stammpersonal. Ziel ist es, den Gästen im Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang auch weiterhin die beste Qualität und höchstmöglichen Komfort zu bieten und sich den Ruf als eines der besten Skigebiete der Alpen auch in Zukunft zu sichern. Saalbach Hinterglemm ist mit 1.454.809 Nächtigungen im Winter 2008/09 österreichweit in der Nächtigungsstatistik auf Platz drei (nach Wien und Sölden) – diese Position soll auch in den nächsten Jahren gehalten und der Sommertourismus (zirka 500.000 Nächtigungen im Sommer) forciert werden.
Aus ehemaligen Innergebirgslandwirten wurden im Laufe der Zeit wohlhabende Unternehmer. Mancher Grundstücksbesitzer oder Gewerbetreibende mit Mut zum Risiko stieg als Investor in die Liftbranche ein. Die Probleme der ersten Stunde, genügend Geld für neue Liftanlagen aufzutreiben, sind Schnee von gestern. Heute müssen Skigebiete mit massiven Marketinganstrengungen um jeden Gast kämpfen. Die Beschneiung der immer größer werdenden Skigebiete verschlingt viel Geld. Und dass der typische Österreicher automatisch Schifahrer sei, widerlegen Statistiken. Nur fünf Prozent der Bevölkerung steht noch regelmäßig auf den Skiern oder auf dem Snowboard. Für die Liftkaiser stehen die kommenden Jahre ganz im Zeichen von Strategieentwicklung und Konzepten für die Zukunft.
Christoph Archet







