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Max Bair (li.), Egon Erwin Kisch, Foto: DÖW

Die Kühe verkauft

Max Bair war einer der wenigen Tiroler, die im Spanischen Bürgerkrieg kämpften, er war im Widerstand gegen Nazi-Deutschland und im Visier des US-Geheimdienstes. Zudem setzte ihm Egon Erwin Kisch ein literarisches Denkmal – und das wegen drei Kühen.

H

eiß flimmert die Luft über Quinto, staubtrocken ist der Boden. Von zwei Seiten haben sich die Einheiten der spanischen Stadt am Ebro genähert, ihre Einnahme soll der Beginn der Aragón-Offensive sein, um in der Folge Belchite, Fuentes de Ebro und Zaragoza aus der Hand der Faschisten zu befreien. Die Männer des Bataillons „12. Februar“ verschanzen sich am Stadtrand, ducken sich hinter die zweistöckigen Steinhäuser, blicken hinauf zum mächtigen „El Piquete“, der Kirche von Quinto, mit ihrem alles beherrschenden Kirchturm. Fünf Mann werden losgeschickt, sollen die Lage klären, tasten sich durch die Straßen. Durch zwei Gassen kommen sie unbehelligt, als sie um die dritte Ecke biegen, geraten sie ins Visier der am Kirchturm postierten Scharfschützen. Vier Mann sind sofort tot, den fünften trifft eine Kugel an der Hüfte, zerschmettert sie. Zuvor hat sie die am Gürtel befestigte Handgranate durchschlagen, treibt dem 19-jährigen Soldaten den Holzstil der Granate ins Fleisch. Wehrlos und blutend bleibt er liegen, ist schutzlos der glühenden Sonne ausgesetzt, abgeschnitten von seinem Bataillon. Für Max Bair, Tiroler Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg, beginnen am Vormittag des 25. August 1937 die längsten Stunden seines Lebens.

Anfang des 20. Jahrhunderts verlief die spanische Geschichte mehr als turbulent. 1898 verliert Spanien im Spanisch-Amerikanischen Krieg die meisten seiner Kolonien, die ehemalige Weltmacht stürzt in eine tiefe Identitätskrise. Der Erste Weltkrieg, in dem sich Spanien neutral verhält, bringt zwar einen wirtschaftlichen Aufschwung, doch das Land ist zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen Kirche, Militär und Großgrundbesitzer, auf der anderen progressive und liberale Parteien, die Arbeiterschaft sowie die katalanische und baskische Autonomiebewegung. 1923 kommt es schließlich zu einer von König Alfonso XIII. geduldeten Militärdiktatur unter General Miguel Primo de Rivera. Sein Nachfolger lässt im April 1931 Wahlen abhalten. Dabei gewinnen die republikanischen Parteien, was zur Ausrufung der 2. Republik und zur Abdankung Alfonsos führt. Die Regierung geht umfassende Schul-, Wahl- und Sozialreformen an, die von Kirche, Militär und Unternehmern boykottiert und von einem rechts-konservativen Wahlbündnis, das 1935 die Wahlen für sich entscheiden kann, wieder rückgängig gemacht werden. Doch die Arbeiterschaft bekämpft die neue Regierung mit Streiks, Ende 1935 ist diese am Ende. 

Die Neuwahlen im Februar 1936 enden mit einem Sieg eines Bündnisses aus Republikanern, Sozialisten und Kommunisten, unterstützt von den Anarchisten. Diese Volksfrontregierung versucht erneut, Sozial- und Kulturreformen umzusetzen, Reformen, die dem Militär zu weit gehen – am 17. Juli putscht der pro-faschistisch eingestellte General Franco in Spanisch-Marokko. Der Aufstand greift auf das spanische Festland über und führt zum Bürgerkrieg. Die internationale Staatengemeinschaft reagiert mit einem Nichteinmischungsausschuss, doch Nazi-Deutschland und das faschistische Italien – beide Mitglieder des Ausschusses – unterstützen Franco weiter. Daraufhin liefert auch Moskau Waffen und Militärspezialisten. Zuhilfe kommen der Republik aber auch die „Internationalen Brigaden“: rund 40.000 Freiwillige aus der ganzen Welt, darunter – vor allem im Bataillon „12. Februar“ – etwa 1400 Österreicher. Ein paar Dutzend von ihnen kamen aus Tirol – unter ihnen auch Max Bair, ein Kleinbauer aus Steinach am Brenner, der seine drei Kühe verkaufte, um für Spaniens Freiheit zu kämpfen.

Stundenlang liegt der schwer verwundete Max Bair am 27. August 1937 auf der staubigen Straße, krümmt sich vor Schmerzen. Er ist außer Sicht- und Hörweite seines Bataillons. Nur langsam vergeht die Zeit, die Sonne wandert schleppend Richtung Westen. Als es dämmert, hört er plötzlich eine Stimme. Einer seiner Kameraden ist herangekrochen, merkt, dass Bair noch lebt, holt Hilfe. Zu dritt ziehen sie den Verwundeten in Deckung, verpflegen ihn notdürftig, bringen ihn hinter die Hauptkampflinie. 

Von dort wird er abtransportiert. Im Feldlazarett von Hijar rettet ihm eine Operation das Leben, nach ein paar Tagen kommt er ins Militärkrankenhaus von Benicàssim. Dort wird er noch einmal operiert, von Friedrich Kisch, dem Bruder von Egon Erwin Kisch. Auch der „rasende Reporter“ ist in Benicàssim – er leitet die Kulturarbeit für verwundete Spanienkämpfer. Im Herbst 1937 kommt Kisch mit Bair ins Gespräch, muss ihm mühsam Antworten entlocken. Bair beginnt zu erzählen, Kisch zückt den Notizblock, schreibt mit. 

Kisch: „Und wie bist Du hergekommen?“

Bair: „Ich?“ 

Kisch: „Ja, Du.“

Bair: „Ich bin einfach mit der Bahn nach Paris gefahren und von dort hergekommen wie alle anderen.“

Kisch: „Warst du Arbeiter?“

Bair: „Ich war Bauer.“

Kisch: „Bauer? Du meinst wohl Landarbeiter.“

Bair: „Nein, ich hab’ ein kleines Anwesen gehabt in Tirol.“

Kisch: „Da hattest Du also Geld?“

Bair: „Geld hab’ ich keins gehabt, ich hab’ meine Küh’ verkauft, um herzufahren.“

 

So hält der in Prag geborene Schriftsteller Kisch die erste Begegnung mit Max Bair in der Erzählung „Die drei Kühe“ fest, eine Erzählung, die er selbst eine Bauerngeschichte der „anderen Art“ nennt. 

Max Bair kommt am 28. August 1917 in Steinach am Brenner, Fraktion Puig, zur Welt. Die Eltern bewirtschaften einen kleinen Hof, bei der Geburt der Schwester stirbt die Mutter – Bair ist drei Jahre alt. Schon früh muss er zuhause aushelfen, trägt Holz, melkt die Kühe, verrichtet ab dem sechsten Jahr Arbeiten, „die Kinder erst mit zwölf machen sollen, Holz sägen, kochen, waschen, buttern“. In der Schule zählt er zu den Besten, doch zu mehr als der Volksschule reicht es nicht. Erstens fehlt das Geld, zweitens wird er am Hof gebraucht. Als Bair 16 ist, stirbt der Vater Ludwig, seine zweite Frau steht mit drei Kindern allein da. Wenige Wochen führt sie den Hof, dann wird ein Onkel von Max Bair als Vormund auf den Hof gesetzt. Er selbst arbeitet als Holzknecht, seine Stiefmutter, die Schwester Lina und der Bruder Franz verdingen sich auf anderen Höfen. 

Doch der Onkel wirtschaftet schlecht, macht Schulden, trinkt, verkauft Hab und Gut. 1935, mit 18, wird Bair für volljährig erklärt, übernimmt den Hof, drei Kühe vertragen die steilen Wiesen der Landwirtschaft. Er verkauft Milch und Butter, deckt sich selbst mit Margarine ein, die Stiefmutter und die Geschwister müssen dazuverdienen, damit die Familie überleben kann. Doch die Schulden, die sich in den letzten Jahren angehäuft haben, sind nicht abzubezahlen, die Gläubiger stehen schon vor der Tür.

Bair: „Da hab’ i halt die Küh’ verkauft und bin nach Spanien gefahren, über Paris, wie alle Anderen hier. Das ist die ganze G’schicht.“

Kisch: „Schön Max, aber wie bist Du auf die Idee gekommen, gerade nach Spanien in den Krieg zu gehen?“

 

1927 zerstört ein verheerendes Hochwasser Straßen, Brücken und Häuser im Gschnitztal, die Wiederaufbauarbeiten dauern Jahre. Um noch ein paar Schilling für die Familie zu verdienen, nimmt Max Bair Arbeiter als Untermieter. Einer davon ist Johann Winkler, Mineur und Steinmaurer aus Linz. Und politisch aktiver Arbeiter. Er erzählt von der Sowjetunion, von den Februarkämpfen der heimischen Arbeiter im österreichischen Bürgerkrieg 1934 und was in Spanien vor sich geht. Zwei Gleichgesinnte stoßen dazu, Stefan Zlatinger aus Matrei und Ludwig Geir aus Staatz, zu viert wird diskutiert und irgendwann spricht es einer aus: „Nach Spanien müsst’ man! Nach Spanien müsst’ man, um mitzutun, mitzuhelfen. Zu den Internationalen Brigaden.“ Doch es fehlt das Geld. Bis Bair seine Kühe verkauft. Die „Schwarze“, die „Graue“ und die „Moltl“ bringen 1110 Schilling, 170 Schilling gibt er der Schwester, der Rest ist Fahrgeld für Spanien.

Die heimliche Abfahrt der vier bleibt nicht unentdeckt. Selbst der Linzer Volksbote berichtet am 14. Juni 1937 über die vier Verschwundenen und dass der Verdacht besteht, dass sie sich nach Spanien abgesetzt hätten. Zu diesem Zeitpunkt war Bair schon längst in Paris, am 4. Juni ist er dort angekommen. Irrwege sind es für die vier aus dem Wipptal, ehe sie das Büro finden, in dem Spanienkämpfer rekrutiert werden. Lange werden sie ausgefragt, ehe es heißt: „Am Montag geht’s nach Spanien.“ Bair schickt sein restliches Geld seiner Schwester, danach heißt’s drei Tage Großstadt. Pflichttermin: Die Weltausstellung mit „Guernica“, dem Mahnmal Picassos gegen den Krieg. Am 8. Juni verlassen sie Paris, zuerst mit dem Zug, dann mit Autobussen, in Kleingruppen geht’s über die Pyrenäen. Und dann: Albacete, 13 Tage Ausbildung, ab zum Bataillon „12. Februar“, erste Gefechte bei Quijorna und Brunete, am 25. August Quinto.

Bair: „Damit ist die G’schicht aus. Das war eine verflucht lange G’schicht.“

Kisch: „Sag’ noch, wie’s bei Quinto war.“

Bair: „Das wissen ja hier alle, wie’s bei Quinto war.“

Kisch: „Ist das alles, Max?“

Bair: „Das ist alles, glaub’ ich. Ja richtig: Von meiner Schwester hab’ ich einen Brief. Sie haben das Haus nicht verkauft, trotzdem ich es ihnen geraten hab’.“

So endet die Geschichte „Die drei Kühe“ – aber nicht die Geschichte von Max Bair. Während seinem Aufenthalt in Benicàssim beginnt er zu lesen, politische Literatur, tritt der Kommunistischen Partei bei – an die Front kann er wegen seiner Verletzung nicht mehr. 1938 geht er nach Paris, präsentiert mit Egon Erwin Kisch das Buch „Die drei Kühe“, wird unter Spanienkämpfern eine kleine Berühmtheit. 

Seine drei Weggefährten haben weniger Glück. Johann Winkler stirbt am 26. Juli 1938 bei Ascó am Ebro, Stefan Zlatinger wird zwar nicht verwundet und kann nach Ende des Bürgerkriegs nach England emigrieren, wo er aber schon 1945 an Krebs stirbt. Abenteuerlich ist das Leben von Ludwig Geir. Am Ebro schwer verwundet, bleibt er nach dem Krieg in Frankreich, wo er in einem Rüstungsbetrieb Zwangsarbeit leisten muss, ehe er sich dem französischen Widerstand anschließt. Im Frühjahr 1945 meldet er sich freiwillig nach Jugoslawien zu den österreichischen Freiheitsbataillonen, obwohl er mehrmals verwundet worden war – eine Knieverletzung durch ein Explosivgeschoss, Granatensplitter in der Herzgegend, eine Explosion hatte ihm einen Teil des Unterkiefers weggerissen. 1945 kommt er nach Innsbruck zurück, Frau und Kind folgen ihm nach. Der Kriegsinvalide wird Redaktionsbote bei der KPÖ-Parteizeitung und wohnt mit Frau und Kind in der Redaktion, auf elf Quadratmetern. 1947 geht er nach Wien und kommt bei der SMV, der Sowjetischen Mineralölverwaltung, unter. Ludwig Geir stirbt am 2. 7. 1962 in Wien. 

Max Bair hingegen macht „Karriere“. Als „Medienstar“ kann er nach Ende des Spanischen Bürgerkriegs in die Sowjetunion emigrieren. Allerdings nicht ohne eine sogenannte „Caracteristica“, die die österreichischen Genossen den Russen übermitteln. Darin heißt es: „verlässlich, entwicklungsfähig, noch wenig geschult, kommt vor allem für die Arbeit unter Bauern in Frage.“ Bair arbeitet als Schlosser in Moskau, Ende 1941 wird sein Betrieb in den Ural verlegt. Ab 1942 erhält Bair von der KPdSU eine politische Schulung. Ziel: Untergrundarbeit in Tirol. Doch der Plan fliegt auf. 

Im Herbst 1944 kommt Bair nach Slowenien, er soll bei den jugoslawischen Partisanen mitkämpfen. Im November 1944 bildet sich aus ehemaligen Spanienkämpfern, gefangenen Österreichern und übergelaufenen Soldaten der Deutschen Wehrmacht das 1. Österreichische Freiheitsbataillon, das im Rahmen der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee aktiv gegen Hitler-Deutschland kämpft, um „die Gewaltherrschaft der nationalsozialistischen Partei in Österreich zu vernichten und für ein freies, unabhängiges, demokratisches Österreich zu kämpfen.“ Vereidigt werden die 167 Männer auf die Rot-Weiß-Rote Fahne, der Kommandant des Bataillons heißt Max Bair. Doch an die Front kommt er nicht. Ein 18-jähriger deutscher Überläufer fällt durch seine neugierigen Fragen über Pläne und Frontverlauf auf. Als man ihn verhören will, schnappt er sich eine Maschinenpistole, schießt um sich, trifft Max Bair am Oberschenkel, dann erschießt er sich. Beim Toten findet man Papiere – er ist Mitglied der deutschen Spezialeinheit „Brandenburg“. Im Lazarett erkrankt Bair an Typhus, heiratet eine Partisanin – sie ist schwanger. Doch die Ehe wird später wieder annuliert.

Im Mai 1945 kommt Bair wieder ins befreite Österreich, geht nach Wien, wird für kurze Zeit Leibwächter von Johann Koplenig, dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Österreichs. Dann wird er nach Tirol geschickt, als lokaler KP-Chef soll er die Arbeit der Partei in seiner Heimat organisieren. Zum ersten Mal seit 1937 trifft er seinen Bruder Franz wieder – er ist erblindet aus dem Krieg zurückgekommen, Schwester Lina ist an Typhus gestorben. 1947 verkauft er seinen Hof in Matrei und geht nach Wien, lernt, legt mit 32 Jahren die Abendmatura ab. Doch dem US-Geheimdienst CIC (Counter Intelligence Corps) ist er suspekt. Er wird verdächtigt, russische Zivilisten in die sowjetische Besatzungszone zu verschleppen. Er wird bespitzelt, abgehört und schließlich im Frühjahr 1949 an der Zonengrenze von den Amerikanern verhaftet, unter dem falschem Namen Josef Maier in einem geheimen Militärgefängnis in Hallein eingesperrt. Stunden-, tage-, wochenlange Verhöre. Nach Monaten gelingt es ihm, eine Botschaft nach draußen zu schmuggeln. Der Wirbel ist perfekt. Der Held aus Kischs „Die drei Kühe“ wird von den Amerikanern gefangen gehalten. Medien berichten, die KPÖ-Männer Kopelnig und Ernst Fischer bringen die Angelegenheit ins Parlament. Der US-Geheimdienst muss klein beigeben. Im März 1950 kommt es zu einem Vorverfahren, Bair kommt gegen Kaution frei. Von den Anschuldigungen bleibt nichts übrig, es kommt nie zu einem Prozess.

Danach wird es ruhig um Max Bair, er verschwindet quasi von der Bildfläche, nimmt das Angebot wahr, in der DDR Volkswirtschaft zu studieren. 1957 dissertiert er, Titel seiner Arbeit: „Die wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu Österreich 1918 – 1945“. In der Zwischenzeit hat Bair wieder geheiratet und einen anderen Namen angenommen – Martin Jäger. Als solcher arbeitet er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1977. 

Danach kommt er immer wieder nach Österreich, besucht Tirol, ist oft in Wien. Bair sammelt Material über die vier österreichischen Freiheitsbataillone, die in Slowenien für die Befreiung Österreichs gekämpft haben, führt Gespräche mit Zeitzeugen – er will nicht, dass dieses einzigartige Kapitel des österreichischen Widerstandes in Vergessenheit gerät. 1983 ist er mit seiner Arbeit fertig, übergibt die maschinengeschriebenen Seiten dem Dokumentationsarchiv. Am 25. Juli 2000 stirbt der 83-Jährige, unerwartet, beim Zeitunglesen. Ein sanfter Tod nach einem bewegten Leben.
Andreas Hauser

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