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12.02.2013

STRABAG-Chef Hans Peter Haselsteiner, Foto: Friedle

„Hackenstad alle“

Hans Peter Haselsteiner, Chef des Baukonzerns Strabag, ­Philanthrop sowie Präsident und Mäzen der Tiroler Festspiele Erl, spricht über den Mangel an Werten, politische Eintagsfliegen und das grassierende „Tittytainment“.

ECHO: Nächstes Jahr planen Sie, sich von der Spitze der STRABAG zurückzuziehen. In über 40 Jahren haben Sie das Unternehmen geformt und zum größten Baukonzern Österreichs gemacht. Haben sich in diesen Jahren so etwas wie eherne Regeln, Weisheiten oder Gebote herauskristallisiert?

Hans Peter Haselsteiner: Wie es die Zehn Gebote schon ziemlich lange gibt, so gibt es auch die Tugenden schon ziemlich lange. Wenn sich die Gesellschaft von den Tugenden wegbewegt oder andere in den Vordergrund rücken, wird irgendwann wieder eine Gegenbewegung fällig. Ich erinnere mich natürlich an meine Jugend. Da war ein ethisches Grundgerüst eine Selbstverständlichkeit. Heute müssen wir darüber diskutieren, dass das wieder eingeführt wird. Die ehernen Regeln sind, glaube ich, so alt wie die Menschheit. Sie geraten manchmal mehr in Vergessenheit, als in anderen Zeiten. Aber die Pendel schwingen hin und her. Jedes Extrem ist suboptimal. Wenn das Pendel in der Mitte steht, gibt es keine Dynamik mehr. Ich glaube, damit müssen wir leben – dass es einmal so und einmal so ist. 

ECHO: War es für Sie schwierig, dem ethischen Grundgerüst über die Jahre treu zu bleiben?

Haselsteiner: Es ist durchaus schwierig, das entsprechend wach im Bewusstsein zu halten. Heute diskutieren wir über Korruption oder darüber, was noch vereinbar ist. Österreich ist ein Land geworden, wo Unvereinbarkeit eigentlich nicht bekannt ist, da geniert sich keiner mehr. Das ist erstaunlich, und sich das bewusst zu machen oder lebendig im Bewusstsein zu halten, ist sicher nicht immer leicht.

ECHO: Wie können diese Regeln oder dieses Bewusstsein wieder eingeführt werden?

Haselsteiner: Ich glaube, dass wir erst noch eine Antwort auf die große Herausforderung finden müssen, die es erst seit dem Zweiten Weltkrieg gibt – das sind die neuen Formen von Familien. Ich rede nicht nur über Patchwork. Dazu gehören alleinerziehende Mütter und so weiter und so weiter. In meiner Kindheit oder Jugendzeit war ein lediges Kind noch so etwas wie eine Sensation – da ist das ganze Dorf zusammengerannt. Heute sagt man: Ja und? Wie man für das Kind Vater- und Mutterrolle trotzdem definiert und wer verantwortlich ist für die Weitergabe des Wertekatalogs – das sind Fragen, die zwar diskutiert werden, wo es aber noch keine endgültige Antwort gibt. Eltern schieben es auf die Schule. Schulen sagen, wir sind dazu nicht da und werden dafür auch nicht bezahlt. Eltern, Mütter oder Väter, und insbesondere Alleinerziehende sind nicht mehr in der Lage, das zu leisten. Das sind lauter Probleme, die noch verhältnismäßig jung sind, doch ergeben sie ein anderes Gesellschaftsbild. Hinzu kommt, dass unsere Zeit viel schnelllebiger geworden ist, weil der technologische Fortschritt so dramatisch ist. Das treibt uns vor uns her. Früher haben solche Prozesse Generationen gedauert. Heute sind diese Abläufe zehnjährig. Vor zehn Jahren gab es noch keine Smartphones oder Tablets – wie sehr hat das unser Leben verändert. Durch den ständigen Internetzugang kann heute niemand mehr Recht haben, man kann nichts mehr behaupten, ohne dass gleich jemand kommt und sagt: Falsch! Wir nehmen das so hin. Aber die Auswirkungen auf die Gesellschaft und damit auf unsere Grundwerte – wie eben Religion, Familie, Ethikstandards, Liberalismus –, das sind Fragen, die quasi jeden Tag neu beantwortet werden müssten. 

ECHO: Geht es dabei auch um die Eigenverantwortlichkeit?

Haselsteiner: Wenn Sie einen Menschen fragen, ob er mehr Eigenverantwortung will, sagt er brüllend laut: Ja! Wenn sie ihm dann Verantwortung geben, dann sagt er: Ja um Gottes Willen! Zwischen dem verbalen Bekenntnis, dass ich ein liberaler, eigenverantwortlicher Mensch bin und dem, was sich die Menschen tatsächlich wünschen oder womit sie fertig werden, ist ein riesiger Unterschied. Der Bürger will ja nicht liberal und eigenverantwortlich sein. Er will, dass er versorgt wird, will keine Sorgen haben. Das erklärt diese unglaubliche Stärke des politischen oder staatlichen Einflusses. Im Amerikanischen heißt es „Tittytainment“, was bedeutet, dass der Bürger an die große Brust des Staates gedrückt wird, und da darf er dann saugen. 

ECHO: Gibt es Ihrer Meinung nach so etwas, wie eine moralische Instanz?

Haselsteiner: Die Religion ist es jedenfalls nicht mehr. Die Zehn Gebote gibt es zwar noch, aber es gibt niemanden mehr, der das mit dem Eifer verfolgt, wie es in meiner Kindheit war. Man kann nicht sagen, ob das gut oder schlecht ist. Die Kirche hat auch sehr viel Schuld auf sich geladen, weil sie’s immer nur mit dem erhobenen Zeigefinger gemacht hat – auch mit dieser Schreckensvision „Wenn du nicht brav bist, kommst du in die Hölle“. Die Struwwelpeter-Zeit wird heute mit Recht als gestrig bezeichnet und eingestuft. Die Familie ist die zweite Instanz. Die beiden wichtigsten Instanzen funktionieren diesbezüglich nur noch unzureichend. Dafür gibt es eine längere und bessere Schulbildung. Aber die Schulen sind noch nicht ausreichend gerüstet. 

ECHO: Und die Gesellschaft?

Haselsteiner: Sie muss es vorleben. Es ist gut, dass wir gegenwärtig diese Debatte haben, und dass ein paar Politiker auf der Anklagebank gelandet sind, dass der KHG (Anm. d. Redaktion: Karl Heinz Grasser) beispielsweise nicht mehr der Superstar ist und der beliebteste Schwiegersohn aller österreichischen Schwiegermütter, sondern als schlitzohriges Wasimmer wahrgenommen wird. Ob er jetzt schuldig ist oder nicht, ist wurscht. Es ist ausreichend definiert, dass er kein Vorbild mehr ist. Durch diese Art von Vorleben bewirkt man am meisten. Oder umgekehrt, durch schlechtes Vorleben zerstört man so viel, dass es eigentlich nicht tragbar ist. Wenn das wegfällt und diese Dinge nicht mehr schick sind, sondern wenn es wieder schick ist, die Tugenden in den Vordergrund zu stellen, dann erreicht man am meisten. Es ist eben nicht uncool pünktlich, fleißig und gewaschen zu sein. Erfreulicherweise ist – zumindest in meiner Wahrnehmung – diese schlimme Zeit vorbei. 

ECHO: Sehen Sie derzeit Vorbilder oder vorbildhafte Haltungen in der Politik?

Haselsteiner: Ich glaube, dass wir sehr unbescheiden geworden sind, was die Ansprüche an die Politiker und die Personen betrifft. Das liegt natürlich auch daran, dass wir sie hautnah transportiert bekommen und wir sehen jeden Fehler, jede Falte, jedes Wimmerl. Wir sehen sie entblößt. Damit kommen die wenigsten zurecht. 

ECHO: Was ist die Folge? 

Haselsteiner: Jene machen steile Karriere, die telegen, fotogen, nicht auf den Mund gefallen sind und ein gewisses Charisma haben. Die Guttenbergs, Grassers und so weiter. Dann kommt irgendein kleinerer oder auch größerer Fehler und patsch, es folgt die volle Verurteilung. Es ist ja vollkommen egal, wen es trifft. Es gibt kein Maß mehr. Aber ich glaube, Frau Merkel ist eine anständige Politikerin, ich habe sogar immer gesagt, dass Herr Schüssel ein anständiger Politiker war, auch wenn er bei Weitem nicht meine politische Richtung vertreten hat und ich glaube, dass er maßgeblich Verantwortung auf sich geladen hat mit dem, was wir jetzt erleben. Er persönlich ist sicher ein integrer und anständiger Mann. Aber das sehen wir natürlich nicht: Der hat das zu verantworten, abgehakt, in die Mottenkiste, erledigt. Karlheinz Töchterle ist für mich ein untadeliger Politiker, auch Heinz Fischer, wenn er auch nicht mein Typ oder meine Kragenweite ist. Aber er kann durchaus als Vorbild gelten. 100-Prozent-Vorbilder gibt es nicht. Der liebe Gott von mir aus, der fehlerfrei ist. Aber ein Mensch, der in allem und jedem Vorbild ist? Ich kenne ihn nicht.

ECHO: Sie haben hohe moralische Ansprüche. Fühlen Sie sich als Vorbild?

Haselsteiner: Nein, nein, um Gottes Willen. Ich habe so viel damit zu tun, meinen eigenen Ansprüchen einigermaßen gerecht zu werden. Meine Mutter wäre absolut nicht zufrieden mit mir und mit meinem Leben.

ECHO: Was würde sie aussetzen?

Haselsteiner: Vieles. Vieles. Vieles.

ECHO: In einem FORMAT-Artikel vom August 2012 wurden unter dem Titel „Milliardäre und Politik“ die Beweggründe superreicher Männer beleuchtet, die in die Politik gegangen sind. Eitelkeit wurde im Artikel als eine wichtige Triebfeder genannt. Spielte Eitelkeit eine Rolle, als Sie sich im und für das Liberale Forum engagierten?

Haselsteiner: Nein, es war eher Langeweile. Ich hatte damals die erste Phase, dass in der Firma alles in Ordnung war und ich hatte Energie übrig. Das war die Triebfeder und Heide Schmidt mit ihrem Programm, ihrem Auftreten und so weiter. Ausschlag gab auch die Tatsache, dass wir immer nur über die Politik geschimpft haben und keiner in die Politik gegangen ist. Es war eine Mixtur davon. Ich habe viele Eitelkeiten, aber diese Art von Eitelkeit habe ich nicht.

ECHO: Wollen Sie sich überhaupt in einem Satz erwähnen lassen mit den anderen „politischen Reichen“, wie Silvio Berlusconi oder Frank Stronach?

Haselsteiner: Gott sei Dank gibt es nicht nur die zwei. Es gib viele andere Vermögende, die durchaus herzeigbar sind. An den beiden muss man das ja nicht unbedingt aufhängen. Der eine ist ein Wahnsinniger und der andere ist auf jeden Fall im Begriffe, wahnsinnig zu werden.

ECHO: Und trotzdem wählbar, glaubt man den Umfragen.

Haselsteiner: Für mich nicht. Warum ist die Demokratie trotz ihrer vielen Nachteile die beste Staatsform? Einer der vielen Nachteile ist, dass die Lemminge – Rattenfänger von Hameln hat das berühmte Stück geheißen – hinterherrennen.

ECHO: 2013 ist das Superwahljahr. Was befürchten und was hoffen Sie?

Haselsteiner: Ich hoffe, dass wir regierbar bleiben. Ich befürchte, dass die Populisten überdurchschnittlichen Zulauf haben, was für das Land nicht gut sein wird. So lange wir aber regierbar bleiben, soll uns nichts Schlimmeres passieren. Ich bin überzeugt, dass das alles Eintagsfliegen sind. Die Piraten werden nichts mehr reißen. Der Stronach wird nichts mehr reißen. Das ist alles klar. Politische Parteien ohne jegliches politische Programm funktionieren auf Dauer nicht. Das geht ein-, vielleicht auch zweimal aber dann brauchen sie ein politisches Programm. Und wenn der Herr Stronach sein politisches Programm vorlegen würde oder vorlegen müsste, dann würde er nicht mehr gewählt werden. Das weiß er natürlich auch und darum legt er keines vor. 

ECHO: Gibt es noch so etwas wie einen liberalen Geist in der österreichischen Politik?

Haselsteiner: Die Frage ist, ob es ihn je gegeben hat.

ECHO: Na ja, im Liberalen Forum …

Haselsteiner: … das war halt ein Minderheitenprogramm. Ich habe Heide Schmidt gesagt, dass das Schlimmste sein wird, zu sehen, wie man politischen Erfolg haben kann und dann vergleichen zu müssen, dass man trotz Mühe und konkreter politischer Arbeit das nicht erreicht hat. Diese Truppe von Stronach-Anhängern – das sind ja, abgesehen von ihm, hackenstade Männer, die das nur machen, damit sie fünf Jahre ein Einkommen haben. Ohne Ausnahme.

ECHO: Untergräbt das die Politik an sich?

Haselsteiner: Ich glaube, dass Figuren wie Frank Stronach oder Chaostruppen wie die Piraten und auch andere Populisten und Extremisten – alle Eiferer – keinen Erfolg haben sollten. Doch, warum ist die Demokratie trotz ihrer vielen Nachteile die beste Staatsform, etc. etc…

ECHO: Reizt Sie die Politik noch?

Haselsteiner: Nein. Für mich ist das Kapitel abgeschlossen. Ich sitze wieder erste Reihe fußfrei und bin natürlich anders legitimiert, bin viel schärfer geworden und muss mir das Argument – „Sie können nicht mitreden, weil Sie nicht wissen, wovon wir reden“ – nicht mehr anhören. Ich weiß, wovon sie reden.

ECHO: Sie haben den Großteil des Festspielhauses Erl finanziert. Hat es Sie geärgert, dass sich die öffentliche Hand so lange bitten ließ?

Haselsteiner: Nein. Wichtig war für mich das Land. Mit dem Land war das gut ausdiskutiert und dann sagte ich, jawoll, das machen wir. Nicht nur, weil ich ein Tiroler bin. Ich wollte so etwas nicht machen, ohne Rückhalt im Land. Dazu gehören natürlich in allererster Linie unser Publikum und die Erler – aber auch die Politik. Wenn das Land nicht gewollt hätte, hätte ich es nicht gemacht. Wenn es die Erler nicht gewollt hätten, hätte ich es auch nicht gemacht. 

ECHO: Was war Ihre innerste Motivation, dieses Projekt umzusetzen?

Haselsteiner: Das ist ganz einfach – jetzt, wo es so über alle Maßen erfolgreich begonnen hat und wo es so eingeschlagen hat. Das haben wir so gar nicht erwartet. Wir haben eine ganz pragmatische Lösung gebraucht. Das Passionsspielhaus ist nicht nur nicht heizbar, es hat auch Null Infrastruktur. Du kannst dort nicht proben, kein Instrument aufbewahren, geschweige denn ein Klavier abstellen. Es hat die Infrastruktur nicht, die ein moderner Theaterbetrieb braucht. Die Menschen, die dort mit Kuhn gearbeitet haben, haben darüber hinweggesehen bis zu einem unzumutbaren Ausmaß. Auf längere Sicht wäre das nicht durchzuhalten gewesen. Wenn man die Tiroler Festspiele Erl erhalten wollte, brauchte man etwas dazu. Jetzt ist halt aus dem Etwas dazu ein Festspielhaus geworden. Das kam schrittweise. Auch das Künstlerische war entscheidend. Ein Festspielorchester, das sich nur einmal im Jahr für maximal zwei Monate am Stück trifft, ist natürlich ein anderes Orchester als ein solches, das sich zweimal zwei Monate trifft – im Sommer und im Winter und vielleicht dazwischen auch noch einmal. Da gibt es eine andere künstlerische Entwicklung, eine andere Kontinuität. Das war ein großes Anliegen von Gustav Kuhn. Das ist die schönste Lösung. Es motiviert natürlich auch die Künstler. Die kommen noch lieber nach Erl, als sie früher ohnehin schon, Kuhns wegen, gekommen sind.

ECHO: Das Festspielhaus wird ewig mit Ihrem Namen in Verbindung bleiben. Was bedeutet das für Sie persönlich?

Haselsteiner: Ich freue mich daran. 

ECHO: Werden Sie jetzt öfter nach Tirol kommen?

Haselsteiner: In Zukunft werde ich mehr Zeit für die Kunst aufbringen, als ich jetzt habe. 

ECHO: Haben Sie schon Pläne, wie Sie nach Ihrem Strabag-Rückzug die Zeit verbringen?

Haselsteiner: Wie gesagt, ich werde ein bisschen mehr Kunst machen, mehr Soziales. Ich habe meine Concordia, meine Kinder in Moldawien, in Rumänien, in Bulgarien, dann habe ich noch Ute Bock. Ich habe also ein großes Betätigungsfeld auf dieser Seite. Ich habe die Komödienspiele in Spittal, die Tiroler Festspiele in Erl, mein Kunstforum und meine Sammlung. Da wird mir auch nicht langweilig. 

ECHO: Sie bekommen sicher viele Anfragen um Unterstützung und Förderung. Wie suchen Sie aus?

Haselsteiner: An und für sich lehne ich fast alles ab, weil ich meine Schwerpunkte definiert habe. Auf diese Schwerpunkte konzentriere ich sowohl meine materiellen als auch meine persönlichen Ressourcen. Geld geben ist eine Sache, aber Verantwortung zu übernehmen ist das, was eigentlich gefragt ist. Das muss man begrenzen. Wenn jetzt sehr überzeugende Bettelbriefe kommen, dann mache ich auch mal eine Ausnahme. Sonst bin ich aber ziemlich strikt.

ECHO: Sehen Sie sich als Mäzen, als jemand, der gestalterisch tätig ist und etwas bewirken will?

Haselsteiner: Na ja. Ein Mäzen ist definiert und ich muss sagen, das trifft zu, weil ich ja keine Gegenleistung erwarte. Das andere ist ein Sponsor und das ist Geschäft. Die Strabag macht das, weil wir es sonst nicht von der Steuer absetzen könnten. Doch für uns machen wir es nicht. Die Strabag bekommt deswegen keinen Auftrag mehr und auch sonst nichts. Das Einzige ist, dass die Mitarbeiter bis zu einem gewissen Grad stolz sind. Alle sind es nicht. Es gibt auch solche, die lieber Tuttelschauen oder Misswahlen oder etwas Ähnliches hätten. Aber fein. Ich habe die Möglichkeiten, ich habe sie so eingesetzt, und ich freue mich, dass es so funktioniert.

ECHO: Sie feiern demnächst Ihren 69. Geburtstag. Wie feiern Sie ihn?

Haselsteiner: Ich feiere meinen Geburtstag im Bestattungsmuseum in Wien. Da war ich noch nie und das muss ich kennenlernen. Ich plane so, als würde ich ewig leben. Ich sage mir nicht, dass ich bald 70 werde und das und das noch unterbringen muss, weil ich sonst nicht mehr dazu komme. 

ECHO: Sie wollen also nicht auf den Mount Everest?

Haselsteiner: Nein, nein. Aber, ich gehe im Himalaya Ski fahren. Ich habe eine Baustelle in Nordindien und da fliege ich hin. 

Interview: Susanne Gurschler, Alexandra Keller 

 

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