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27.03.2013

Otto Thaler, Agrar-Profiteur in Mieming, Foto: Ritsch

Gier und Terror

Darf´s ein bisserl mehr sein? Die Geschichten aus den Tiroler Gemeinden klingen haarsträubend, sind kaum zu glauben und doch traurige Wahrheit. ECHO zeigt einige der Fälle, wie die Schicht der Machtagrarier sich das Land aufteilte und wie sie bis heute das geschehene Unrecht verteidigen.


DER FALL ISCHGL. DIE MEGA-ENTEIGNUNGEN

Das österreichische Wirtschaftsmagazin CONTAKT widmete dem großen Tiroler Landraub im Jahr 1981 eine ausführliche Reportage mit dem Titel „Der Milliardencoup der Bauern“. Im Rahmen dieses Berichts wurde auch der damalige Bürgermeister der Gemeinde Ischgl, Erwin Aloys, zitiert. Offen berichtete der kantige Paznauner Tourismus-Pionier über die Enteignung seiner Gemeinde und sagte: „Zwischen 1968 und 1974 war durch ein sogenanntes Regulierungsverfahren der gesamte Grundbesitz der Gemeinde Ischgl, das waren 23 Millionen Quadratmeter, sang- und klanglos an die Agrargemeinschaft übertragen worden. 1974, als ich Bürgermeister wurde, hat die Gemeinde absolut nichts mehr besessen. Null, nicht einmal mehr eine Straße. Sogar die Bauten, wie Schwimmbad oder Musikpavillon, die von Gemeinde und Fremdenverkehrsverband finanziert und gebaut worden waren, sind ebenfalls mit dem Grund und Boden, auf dem sie standen, an die Agrargemeinschaft gefallen. Nicht die Ischgler Bürger, sondern die Mitglieder der Agrargemeinschaft, rund zehn Prozent der Bevölkerung, waren die Besitzer unseres Dorfes geworden. Ein ungeheuerlicher Vorgang in einem Rechtsstaat im 20. Jahrhundert. Beim Studieren der Protokolle und Beschlüsse des Gemeinderates in den fraglichen Jahren fand ich lediglich zwei Zeilen Text, womit angeregt wurde, eine Agrargemeinschaft zu bilden, wofür die Gemeinde eine Waldfläche überlassen sollte. Darüber hinaus wurde keine Zeile geschrieben, kein Beschluss gefasst.“ Aloys hatte das Unrecht erkannt und öffentlich darauf aufmerksam gemacht. Seine Hilferufe wurden ignoriert und selbst nachdem der Verfassungsgerichtshof 1982 die Verfassungswidrigkeit der Enteignungen festgestellt hatte, wurde in Tirol weitergearbeitet wie bisher. Ischgl blieb in Geiselhaft der privilegierten Bauern-Clique und ihrer Erben.

 

DER FALL MIEMING. DIE GESCHÄFTE DER FAMILIE THALER

Mieming war und ist ein Prachtbeispiel der antidemokratischen agrarischen Machtstrukturen, mit denen der berühmteste Sohn der Gemeinde, Eduard Wallnöfer, Tirol überzogen hat. Höchstpersönlich hatte sich Wallnöfer dafür eingesetzt, dass seine Heimatgemeinde eine der ersten war, die zugunsten seiner bäuerlichen Freunde und Verwandten komplett enteignet wurde. „Es gibt Gleiche und Gleichere. Es tut mir im Herzen weh, aber es ist so“, hatte der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde, Siegfried Gapp, im Sommer 2007 gegenüber ECHO festgestellt. Zu den großen „Gleicheren“ der Gemeinde zählt Otto Thaler. Thaler war 18 Jahre lang Obmann der Agrargemeinschaft Obermieming, deren größter „Aktionär“ er ist. Als königlich durch das verfassungswidrige Unrecht Beglückte durfte sich die Familie Thaler von Beginn an sattsam am öffentlichen Grundvermögen bedienen. Als Otto Thaler 1991 die Thaler’schen Besitztümer von seiner Mutter übertragen bekam, wurde ein weiterer Höhepunkt in der Gaunergeschichte geschrieben. Im Übergabevertrag wurde festgehalten, dass Otto Thaler seine beiden Schwestern mit 8000 Quadratmetern Bauland aus dem Gemeindegut „auszahlen“ solle. Sowohl der Übergabevertrag als auch die darauf fußenden Kaufverträge wurden von der Aufsichtsbehörde im Land ohne mit der Wimper zu zucken genehmigt. Für eine Fläche, die schon damals – bei einem Bauland-Quadratmeterpreis von 94,5 Euro – rund 756.000 Euro wert war, mussten die Schwestern einen Alibipreis in Höhe von 34.880 Euro zahlen. Heute hat eine Baulandfläche dieser Größe in Mieming einen Wert von rund zwei Millionen Euro. Die Thaler-Schwestern hatten nie etwas mit Landwirtschaft am Hut. Und Otto Thaler wurde 2007 von Herwig van Staa mit dem Landes-Verdienstkreuz ausgezeichnet. 

 

DER FALL LANGKAMPFEN. DIE GIER DER BESITZENDEN

Die Unrechts-Nutznießer rund um die Langkampfener Agrar-Könige Georg Karrer senior und Georg Karrer junior (Ersterer ist Bürgermeister der Gemeinde, Zweiterer ist sein Sohn, Erbe des großen Familienanteils an der Agrargemeinschaft Unterlangkampfen und zudem Obmann derselben) nehmen im Ranking der offenkundigen Gier der Gemeindeguts-Ausbeuter einen Spitzenplatz ein. Nachdem die Agrarbehörde festgestellt hatte, dass auch die Agrargemeinschaft Unterlangkampfen zu den Gemeindeguts-Agrargemeinschaften zählt, wollten sich die Agrarier noch geschwind einen Teil der Beute beiseiteschaffen. Obwohl sie davor gewarnt wurden und obwohl es ihnen auch dezidiert verboten worden war, zahlte die „ehrenwerte Gemeinschaft“ im Dezember 2010 ihren Mitgliedern 1.360.000 Euro in Form von fantasievollen Darlehen aus, 40.000 Euro pro Anteilsrecht. Das Bekanntwerden dieser getarnten Auszahlung führte dazu, dass der Agrargemeinschaft mehrfach das Messer angesetzt wurde. Allen war klar, dass dieses Geld der Gemeinde zusteht, stammte es doch aus dem Verkauf eines Gemeindegrundstücks. Doch erst nachdem den einzelnen Mitgliedern – zu denen pikanterweise auch die Kirche zählt, die 80.000 Euro „eingesackt“ hatte – klar wurde, dass ihnen Teufels Küche droht, zahlten sie das Geld widerwillig zurück. In Teufels Küche kamen sie trotzdem, weil die Staatsanwaltschaft Innsbruck die Verantwortlichen wegen des Verdachts der Untreue zum Nachteil der Gemeinde anklagte. Der Prozess, der im Dezember 2012 am Landesgericht Innsbruck stattfand, war mehrfach ernüchternd bzw. erhellend. Weil eine Schöffin sich für befangen erklären musste, da ihr Gatte Obmann einer Agrargemeinschaft ist. Weil dem Richter ein familiäres Nahverhältnis zur Agrargemeinschaft Mieming nachgesagt wurde. Und weil die Agrarier am Ende freigesprochen wurden. 

 

DER FALL JERZENS. DAS TERROR-REGIME

Zimperlich sind sie nirgendwo. Ihr teils gewaltbereites Verhalten ist verantwortlich für Hass und Zwietracht in den betroffenen Gemeinden. Das Verhalten einiger Agrargemeinschafts-Mitglieder ist verantwortlich dafür, dass jene Gemeindepolitiker, die sich für das Recht der Allgemeinheit einsetzen, Angst haben müssen. Angst um Leib und Leben. In der Pitztaler Gemeinde Jerzens werden diesbezüglich seit Jahren an Terror grenzende Zeichen gesetzt. Schon der ehemalige Bürgermeister, Sepp Reinstadler, ein überzeugter Kämpfer gegen das Agrar-Unrecht, war bedroht und bedrängt worden. Seit nach der Gemeinderatswahl 2010 mit Karl Raich ein Mitglied zweier Jerzener Agrargemeinschaften Bürgermeister wurde, eskaliert die Situation im Dorf immer mehr. Nicht nur, weil der Bürgermeister alle höchstgerichtlichen Erkenntnisse ignoriert und durch sein Verhalten der Gemeinde schadet. Nicht nur, weil er sich trotz seiner Befangenheit über alle Verbote hinweg setzte, um kraft seines Amtes seinen Agrariern Gutes zu tun. Nein, Raich macht sich schuldig, weil er seine agrarischen Gesinnungsgenossen durch sein Verhalten anstachelt, sie nicht zurück pfeift, zulässt, dass der Ton immer rauer und die Gemeinde zunehmend zu einem Pulverfass wird. Gegenüber ECHO berichtete der Jerzener Gemeinderat Markus Rottensteiner Ende 2012, welch bedrohlichen Situationen er ausgesetzt ist, nur weil er sich für die Gemeinde einsetzt. Drohungen, wie „Dir gehört ein Sack über den Kopf und drauf geschlagen“ lassen ihn nicht mehr ruhig schlafen oder unbeschwert am Abend durch seinen Heimatort gehen. Demselben Druck war Stefanie Heidrich ausgesetzt. Die für Agrarfragen zuständige Vizebürgermeisterin wurde gemobbt und offen angegriffen. Ende Februar 2013 legte sie ihr Amt zurück.

 

 

 

 

MEHR ZUM THEMA SOWIE ÜBER DIE URSPRÜNGE DER AGRARGEMEINSCHAFTEN IN DER NS-ZEIT BIS HIN ZUR PERFEKTIONIERUNG DER ÜBERTRAGUNGEN WIE IM FALL DER OSTTIROLER GEMEINDE AINET LESEN SIE IN DER AKTUELLEN AUSGABE VON ECHO.

 

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