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Politik
08.05.2013

Josef Kreuzer, langjähriges TVBO-Aufsichtsratsmitglied, Foto: Brunner

Dunkle Schatten

Krasse Widersprüche bringen Franz Theurl, Obmann des TVB Osttirol, in Bedrängnis. Die Fragwürdigkeiten am TVB-Flugplatz bedürfen längst eines kreativen Umgangs mit der Wahrheit. Doch, das System kollabiert.

Es gab sie, die Zeiten, in denen politische Machthaber mit den Fingern schnippten – und schon passierte, was sie wollten. „Das machen wir schon“ oder „Wir regeln das unter uns“ oder „Um die Genehmigung kümmern wir uns später“ sind Aussagen, mit denen über Jahrzehnte Politik gemacht wurde, Steuergelder in rauen Mengen flossen, Freunde bevorzugt wurden und Feinde gleichsam geköpft. Allerorts im aufgeklärteren, sich demokratisch schimpfenden Europa fand diesbezüglich in den vergangenen Jahrzehnten eine Art Götter-dämmerung statt. Unter Worten wie Vergabe-richtlinien, Ausschreibungen, Kontrolle und Transparenz stöhnten die politischen Netzwerke im Großen wie im Kleinen, schmerzerfüllt war das Wehklagen und ein ganz unangenehmer Spießrutenlauf die Folge. Plötzlich wurde ein „Das machen wir schon“ nicht mehr so leicht möglich, beim „Wir regeln das unter uns“ winkte der Strafrichter und ein „Um die Genehmigung kümmern wir uns später“ konnte böse Folgen für alle Beteiligten mit sich bringen. Transparenzhungrige oder Demokratieutopisten wurden jedoch rasch auf den Boden der politischen Alltags-Tatsachen geschleudert, denn der Abschied von den guten alten Zeiten des Fingerschnippens gestaltet sich mühsam. Allerorts in Europa. Besonders in Tirol. Und nicht zuletzt in Osttirol.

Der entlegene Bezirk galt stets als gelobtes Land für die VP-orientierten Netzwerker. Ämtermultis und ihre Familienmitglieder besetzten die entscheidenden Positionen in politischen Gremien, Aufsichtsräten und Chefetagen der regionalen Banken. Und so wurde fern von Innsbruck in einer allmächtigen Herrlichkeit gewerkelt, dass es eine Freude war. Freudvoll und herrlich wird das Spiel zwar immer noch gespielt, doch wird der Vorhang, hinter dem das Spiel stattfindet, immer wieder mal löchrig und dann kommt ein Bild zum Vorschein, das zeigt, wie zaghaft die Götterdämmerung hinterm Felbertauern stattfindet. Eines dieser Löcher wird seit ein paar Jahren immer größer, es lenkt das Auge auf den Tourismusverband Osttirol (TVBO), zeigt, welche Auswirkungen das alte, familiäre Spiel haben kann und auch, wie arg sich die Verantwortlichen beim Versuch verbiegen, es in einem korrekten Licht darzustellen. 

Seit einiger Zeit berichtet ECHO in regelmäßigen Abständen über den Flugplatz des Tourismusverbandes Osttirol, den Flugplatz Lienz/Nikolsdorf. Die Sicherheitsmängel waren dabei Thema, die ominöse und zigfach fragwürdige Tankstelle am Platz oder die Tatsache, dass es sich bei der Landepiste um einen Schwarzbau handelt. Neben diesen handfesten Skandalsachen stand stets die Verantwortung des TVBO im Mittelpunkt, unter dessen Ägide möglicherweise unkontrollierte Geldflüsse und ein noch unkontrollierteres Herrschaftssystem am Platz selbst stattfinden durfte. Nicht selten sprachen Beobachter davon, dass der TVBO in Nikolsdorf mit öffentlichen Mitteln einen privaten Spielplatz für gute Freunde unterhält. Das kleine Flugplatznetzwerk könnte als Teil fürs Ganze stehen. Die Ungereimtheiten am Platz könnten Rückschlüsse auf sonstige Ungereimtheiten im Verband zulassen. Auf die nie von unabhängigen Prüfern kontrollierte Osttirol Werbung beispielsweise, die ungeklärten Hochstein-Millionen oder die aktuell debattierten Unsummen im Zusammenhang mit dem Speichersee im Lienzer Skigebiet Zettersfeld. Darum sind die jüngsten Episoden so spannend. Die Episoden und vor allem, wie der alte und neue Obmann des TVBO, Franz Theurl, damit umgeht.

Ende 2012 schwappte das Flugplatz-Süppchen gleichsam in die Tiroler Landeshauptstadt. Die Flugplatzverantwortlichen Hubert Moser, dessen Tochter Andrea Moser und deren Onkel Klaus Blätterbauer mussten sich vor Gericht wegen des Verdachtes verantworten, in einem den Flugplatz und ihr dort ins Visier geratenes Tun behandelnden Gerichtsverfahren falsch ausgesagt beziehungsweise Beweismittel gefälscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hatte in dem Zusammenhang die Landespolizeidirektion Tirol mit Ermittlungen beauftragt und auch den Obmann des TVBO, Franz Theurl, als Zeuge einvernommen. 

Seine Einvernahme fand am 6. Dezember 2012 statt, ECHO liegt das Protokoll dieser Zeugenvernehmung vor und einige seiner Aussagen halten bei genauerer Betrachtung den Realitäten nicht so richtig stand. So sagte Theurl – auf die Hintergründe der Flugplatzverwaltung angesprochen – beispielsweise, dass Klaus Blätterbauer vom Aufsichtsrat des -TVBO als Flugplatzverwalter bestellt worden und dabei beauftragt worden sei, den Flugplatz selbstständig zu führen und zu verwalten. Daran kann sich Josef Kreuzer, langjähriges TVBO-Aufsichtsratsmitglied, jedoch nicht erinnern. Kreuzer sagt: „Der Aufsichtsrat des TVB Lienzer Dolomiten hat in den Jahren 2001 und 2002, entgegen der Aussage Herrn Theurls sowie laut vorliegender Protokolle, Herrn Blätterbauer keinesfalls zum ‚Flugplatzverwalter ausgestattet mit allen Vollmachten‘ bestellt. Dies weil auch nie ein entsprechender Antrag von Herrn Theurl an den Aufsichtsrat gestellt wurde. Auch im Nachfolgeverband ‚TVB Osttirol‘ (seit 2008 – Anm.) wurde der Aufsichtsrat nie mit einer Bestellung Herrn Blätterbauers befasst. Auch Wichtigkeiten wie Pachtverträge oder Benützungsverträge mit den drei Flugvereinen wurden dem Aufsichtsrat nie zur Kenntnis gebracht.“ 

Noch heikler ist jene Passage des Vernehmungsprotokolls, in der Theurls Darstellung der Freiheiten des Flugplatzverwalters mit TVBO-Geldern wiedergegeben wird. „Es hat meines Wissens keine Subventionszahlungen von Herrn Blätterbauer an die Vereine gegeben. Dies ist auch aus den Büchern ersichtlich“, sagte Theurl am 6. Dezember 2012 aus. Dem widerspricht Blätterbauer selber, der am 16. April 2012, laut diesbezüglichem Protokoll, vor Gericht aussagte: „Die Subventionszahlungen waren meine Entscheidungen. Im Innenverhältnis mit dem TVB konnte ich auch darüber entscheiden, ob ein Verein bzw. wie viel ein Verein bekommt.“ 

Am 8. März 2013, am 3. April 2013 und neuerlich am 13. April 2013 konfrontierte ECHO den TVBO-Obmann mit den Widersprüchlichkeiten, doch Franz Theurl antwortete nicht darauf. Vielleicht, weil sich in den letzten Wochen die Ereignisse am Flugplatz überschlagen und das längst marode System endgültig zu kollabieren scheint. Und das in einer Phase, in welcher der Platz auf den bescheidmäßigen Ausbau bzw. das Beenden des Schwarzbau-Zustandes wartet und aufgrund der ausstehenden Geldflüsse aus dem Land gar keine Negativ-Meldungen mehr brauchen kann. 

Das jüngste Gerücht besagt, dass sowohl Klaus Blätterbauer als auch Hubert Moser nicht mehr am Flugplatz beschäftigt seien und vom Dreigespann nur noch Andrea Moser „übrig“ geblieben sei. Zuvor machten Hiobsbotschaften zum Fliegerclub Lienzer Dolomiten die Runde. Das ist der Verein der eingeschworenen Flugplatzfamilie, der Platzhirsch, bei dem auch Theurl eingeschrieben war und dessen Mitglieder sich bislang über permanenten Rückenwind aus den oberen Reihen des TVBO freuen durften beziehungsweise dürfen. Letzter Beweis dieses Wohlwollens könnte sein, dass Theurl dem Fliegerclub jüngst erlaubt haben soll, die Pacht für die Platzbenützung (rund 24.000 Euro) erst Ende des Jahres zu bezahlen. Darauf angesprochen halten sich sowohl Theurl als auch die Vereinsverantwortlichen bedeckt, wodurch auch unklar bleibt, ob Theurl für die mutmaßliche Pacht-Stundung den Beschluss eines Gremiums vorweisen kann oder ob dies eine eigenmächtige „Fingerschnipp-Entscheidung“ war. Wie auch immer deuten auch andere Zeichen darauf hin, dass der Fliegerclub in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Etwa die Tatsache, dass der Club jenes Flugzeug, welches er sich vor nicht allzu langer Zeit um rund 120.000 Euro leistete, seit 10. April 2013 zum Verkauf anbietet. Dieses Ultralight-Flugzeug hatte 2010 durch einen spektakulären Totalschaden-Crash für Aufsehen gesorgt. Sollte die Anzeige auf planecheck.com auf einen Verkauf des Familiensilbers verweisen und die finanzielle Situation des Vereines wirklich prekär sein, dann wären die weiteren Szenarien nicht nur für eventuell haftende Vereinsmitglieder bedrohlich. Unangenehm könnte ein finanzielles Club-Desaster auch werden, wenn der Verein den Gegenwert für die noch nicht eingelösten Flug-Gutscheine nicht mehr erbringen oder für Flugzeuge zwingend nötige Wartungs- und Versicherungskosten nicht mehr bezahlen kann. 

Vieles deutet darauf hin, dass die „alten Zeiten“ im und um den TVBO noch nicht zu Ende gegangen sind. Ins Auge sticht dabei wieder einmal der Umgang mit öffentlichen Geldern. Denn während bei den Pachteinnahmen aus dem Freundes-Club allerlei Augen zugedrückt werden könnten, werden Zahlungswillige und Zahlungsfähige daran gehindert, den Platz gewinnbringend für den TVBO zu nutzen. Dem Verein Lienz Flyers, der trotz der existenzbedrohlichen Angriffe vonseiten der eingeschworenen Osttiroler Flugplatzfamilie erfolgreich fliegt und arbeitet (www.lienzflyers.at), wird die professionelle Nutzung des Flugplatzes nach wie vor unmöglich gemacht. Professionalität ist am Flugplatz zwischenzeitlich das explosivste Reizwort geworden. Die Druckwelle dieser anstehenden Explosion trifft den TVBO mitten ins Herz.
Alexandra Keller

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