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10.12.2013

Andrea Haselwanter-Schneider: „Osttiroler werden frech getäuscht“; Foto: Friedle

Freche Täuschung

Die 200.000-Euro-Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen eines Aktivurlaubes in Osttirol bleibt umstritten, der Geruch der Freunderlwirtschaft bleibt erhalten.

Die Ergebnisse könnten echt sensationell sein. Ein Aktivurlaub in der Osttiroler Bergwelt ist gut für die Gesundheit. Ach, so ist das. Wer sich eine Woche in Osttirol aufhält und dabei mit Stöcken wandert oder teils motorunterstützt Radl fährt, könnte seinen Stoffwechsel auf Trab bringen, sein Herz-Kreislauf-System nicht minder, und es ist gut möglich, dass dadurch sowohl die Lebens- als auch die Schlafqualität gesteigert wird. Echt jetzt? Echt jetzt! Datiert mit 19. März 2013 wurde ein Antrag formuliert, der den Titel „Osttiroler Gesundheits-Tourismus-Studie (OGTS) – 1wöchiger Aktivurlaub in Osttirol – Auswirkungen auf verschiedene Körpersysteme“ trägt und Grundlage dafür sein soll, dass Osttirol im Zusammenhang mit Gesundheitstourismus unverwechselbar positioniert wird. Im Anhang des neun Seiten umfassenden Papiers werden zahlreiche Literaturhinweise angeführt, die durchaus dazu geeignet scheinen, die beantragte Studie trotz des vordergründig ehrenwerten Ziels ein wenig ad absurdum zu führen. „Auswirkungen eines einwöchigen Aktivurlaubs in mittleren Höhen auf bio-psychologische Parameter“ lautet ein Titel, „Increased levels of circulating progenitor cells after 1-week sojourn at moderate altitude“ ein anderer. Renommierte Wissenschaftlerteams haben sich längst mit den Fragestellungen auseinandergesetzt, weswegen die Standortagentur des Landes auch zum „Osttiroler Begehr“ feststellte: „Es ist hinreichend belegt, dass die vorgeschlagenen Sportarten gesundheitsfördernd sind. […] Die Frage ist nur, ob es dazu eine Studie dieser Art bedarf, oder ob es nicht vielmehr einer guten Aufarbeitung der vorhandenen Literatur bedarf. […] Der vorliegende Ansatz entspricht nicht den üblichen Kriterien einer wissenschaftlichen oder klinischen Studie. Über den gewählten Ansatz ist nur ein geringer Zugewinn an (publizierbarer) wissenschaftlicher Erkenntnis zu erwarten.“ 

 

Zwar hält die Standortagentur das Projekt aus regionalwirtschaftlicher Sicht für förderwürdig, doch empfiehlt sie, einige Eckpfeiler aus wissenschaftlicher Sicht zu überarbeiten und weist in ihrer mit 18. Juni 2013 datierten Stellungnahme auch darauf hin, dass die Ethikkommission eingebunden werden müsse. Das ist so, wenn angewandte medizinische Forschung betrieben wird, wo Menschen nicht nur vom Fitnesstrainer auf Tretmühlen gestellt, sondern etwa auch zur Blutabnahme „gepiekst“ werden. Allein der Umstand, dass die Ethikkommission nicht eingebunden wurde, raubt der Studie ein Stück weit die Glaubwürdigkeit und insgesamt erweckt der Antrag wie auch die Stellungnahme der Standort-agentur den Eindruck, dass es sich hier mehr um einen netten Versuch handelt als um ein Projekt mit wissenschaftlichem oder öffentlichem Interesse. Umso erstaunlicher scheint, dass die Tiroler Landesregierung am 25. Juni 2013 den Antrag angenommen und damit den Weg für 150.000 Euro aus dem Landesbudget frei gemacht hat. Ethikkommission hin, Wissenschaft her, zapfte die Regierung den Topf „Zuwendung Maßnahmen Wissenschaft und Hochschulen“ an, erfreute damit eine Handvoll Osttiroler und weckte Neugier bei Andrea Haselwanter-Schneider und Markus Sint. Die Landtagsabgeordnete und der Osttirol-Sprecher der Liste Fritz durchforsteten die Hintergründe der Studie wie des Geldflusses und mussten feststellen, dass die Regierung die Vergabe der Studie freihändig und ohne Ausschreibung vorgenommen hat, die Nutznießer im Dunkeln bleiben, die wissenschaftlichen Bedenken nicht ernst genommen wurden und dem Deal der „intensive Geruch nach Freunderlwirtschaft“ innewohnt. 

„Der Studienautor ist der Leiter der Abteilung Innere Medizin am öffentlichen BKH Lienz und gleichzeitig ist er der Leiter des privaten medizinischen Zentrums im 5-Sterne-Grand Hotel Lienz (wo die Studie hauptsächlich durchgeführt werden soll, Anm.). Seine Frau managt das Luxushotel, sein Schwager hat es errichtet“, sagen die Politiker der Liste Fritz. Schöner verwandt und verschwägert geht es kaum, doch sind für die „Aufdecker“ weniger die Verwandschaften interessant als vielmehr die Art und Weise, wie die Regierung hier mit öffentlichem Geld umgeht. 

Insgesamt stammen schließlich 177.000 Euro der 200.000-Euro-Studie aus öffentlichen Töpfen. „Es schaut so aus, dass das Grand Hotel in Lienz wohl der größte Nutznießer der Studie sein dürfte“, mutmaßen sie. Die Anfragebeantwortung des zuständigen VP-Gesundheitslandesrats Bernhard Tilg brachte keinerlei erhellende Einsichten. Außer die, dass sich viele Osttiroler ein wenig veräppelt fühlen dürfen, sagen doch Haselwanter-Schneider und Sint: „Eine freche und absichtliche Täuschung der Osttiroler durch die Landesregierung ist es, diese Studie auch noch als Teil eines Hilfspakets für Osttirol und als breite Unterstützungsmaßnahme zu verkaufen.“ Stimmt. 
Alexandra Keller

 

 

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