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30.01.2014

Tirol: Kampf um die Flugrettung; Foto: istockphoto.com

Luftkrieg über Tirol

Sollte das Land eine Lösung weiter hinauszögern, wird der Luftkrieg der Flugretter ungehemmt eskalieren. Bald könnten schon 20 Helikopter um Notfallpatienten auf den Tiroler Pisten „rittern“. Flugrettung ist eine Gelddruckmaschine, es geht um viele Millionen, enorme Egoismen und ein folgenschweres Versagen der Politik.

Zuletzt wurde es derart kindisch, dass es schon wieder eine Offenbarung war. Die Flugrettungsunternehmen ÖAMTC, Wucher und Schider Helicopter verfügten ein unbefristetes Hausverbot für die Mitarbeiter der Heli-Unternehmen von Roy Knaus. Die dürfen seither nicht mehr auf den Zivilflugplätzen der Konkurrenz-Unternehmen gesichtet werden bzw. diese nicht mehr betreten. „Das Ganze ist so wichtig, wie wenn in China ein Reissack umfällt“, meint Roy Knaus dazu. „Ich habe dazu auf meiner privaten Facebook-Seite gepostet, dass man sich Neid und Hausverbot erarbeiten muss und das nicht geschenkt bekommt – das Feedback sind 220 Likes innerhalb von 24 Stunden.“ Diese jüngste Episode zeigt recht anschaulich, wie die Gegner im seit Ende 2013 eskalierenden Flugretter-Streit zu ticken scheinen. Die einen, die vermeintlichen Platzhirschen rund um den ÖAMTC, wirken schwer überzeugt von sich selbst, bewegen sich behäbig und agieren beleidigt, weil einer ihr Revier aufmischt. 

Roy Knaus fährt indes andere Geschütze auf. Er reagiert blitzschnell, gebärdet sich ein wenig wie der Robin Hood der Lüfte und polarisiert durch seine öffentlichkeitswirksamen Dreistigkeiten. Kurz nach Weihnachten wurden die Mitarbeiter des ÖAMTC-Stützpunkts in Tux im Zillertal von Knaus mit Kuchen verwöhnt. Es war eine Art süßer Fehdehandschuh, den er damit warf, denn am nächsten Tag schon meldete er seinen zuvor in Mayrhofen stationierten Hubschrauber „Martin 7“ bei der Landesleitstelle als einsatzbereit. Das war dann die Kriegserklärung an die Flugretterkollegen des ÖAMTC in Tux sowie an das in Kaltenbach stationierte Unternehmen Rudolf Schiders. Das Hausverbot ist nur eine Folge davon.

Im Zusammenhang mit dem Kuchengeschenk an die ÖAMTC-Mitarbeiter wurde Knaus nicht nur mit „ohne Mampf kein Kampf“ zitiert, sondern auch damit, dass es bei all dem „um das Wohl des Patienten“ gehe. Dabei könnte selbst der smarte Salzburger rot geworden sein, denn das Wohl des Patienten ist wohl das Letzte, um das es im Streit der Tiroler Flugretter geht. Worum es wirklich geht, ist Geld. „Das ist die einzige Motivation, das ist die primäre Motivation“, betont der ehemalige Direktor des Landesrechnungshofs, Klaus Mayramhof. Die Verdoppelung macht Sinn. „Flugrettung ist eine Gelddruckmaschine, da geht es ausschließlich um Kohle“, sagt auch ein Insider, der die Entwicklung der Tiroler Flugrettung von Anfang an, also seit Mitte der 1980er Jahre, beobachtet hat und weiß, warum sich die Flugrettungs-Unternehmen derzeit die Augen auskratzen: „Vor ein paar Jahren hieß das Land den Wettbewerb in der Flugrettung willkommen, man hat zugeschaut, wie ein Stützpunkt nach dem anderen eröffnet wurde und jetzt sind sie zu feige, das rückgängig zu machen und das selbst verschuldete Chaos zu beenden.“ 

 

Ein Chaos, das die verantwortlichen Politiker wegen ihrer jahrelangen Untätigkeit alt aussehen und Erinnerungen an die Skandale rund um das bodengebundene Rettungssystem aufkommen lässt. Nicht zuletzt der Umstand, dass die Leitstelle des Landes im Jänner 2014 angewiesen wurde, die in der Luft kreisenden Rettungshubschrauber nicht mehr zu alarmieren, selbst wenn diese eventuell dem Notfallort näher sind und den in Not Geratenen rascher geholfen werden könnte, klingt wie eine Parallele zum damaligen Verhalten der Leitstelle gegenüber den Rettungsprofis des Arbeitersamariterbunds im Bezirk Kufstein. Im Jahr 2006 war der damals für Katastrophen und die Leitstelle zuständige Landesrat Anton Steixner sogar so weit gegangen, Tote in Kauf zu nehmen, nur um neben dem Roten Kreuz keine weitere Rettungsorganisation in das System einbinden zu müssen. „Der ÖAMTC ist in dem Fall so etwas wie das Rote Kreuz in der Luft“, sieht auch Markus Sint, Sprecher der Liste Fritz (Bürgerforum) Ähnlichkeiten. Die Nähe zur ÖVP verbindet die beiden Organisationen genauso wie der Genuss einer gewissen Monopolstellung. In schwarzen Regionen herrscht der ÖAMTC, in roten Regionen der ARBÖ. Der Sinn parteipolitischer Ausrichtung bei der Kfz-Pannenhilfe mag zwar auf den schnellen Blick verschlossen bleiben, doch handelt es sich bei all diesen Organisationen um riesige Apparate, die auch aufgrund ihrer Nähe zur Politik florieren. Unantastbar sind sie schon lange nicht mehr. Beim Roten Kreuz bröckelte der Gutmenschen-Nimbus in den vergangenen Jahren massiv. Und dass auch Autofahrerclubs erhebliches Skandalpotenzial haben, wird gerade in Deutschland gezeigt, wo das Vertrauen in den ADAC aufgrund von gefälschten Umfragen extrem leidet. Dass das offizielle Land Tirol den ÖAMTC gegenüber dem privaten Heliunternehmen von Roy Knaus bevorzugt, mag seine Gründe haben. Damit, durch die Weisung an die Leitstelle, anlassbezogen tief in das Selbstverständnis des Rettungswesens einzugreifen, könnte man aber zu weit gegangen sein. So meint SPÖ-Klubobmann Gerhard Reheis: „Die Anweisung der Landesregierung an die Landesleitstelle, kreisende Hubschrauber bei Notfällen nicht mehr einzusetzen, ist skandalös. Denn damit werden unter Umständen auch Menschenleben aufs Spiel gesetzt. Die Regierung will damit nur davon ablenken, dass sie mit der gesetzeskonformen Ausschreibung der Flugrettung vier Jahre in Verzug ist und daher das Hubschrauberchaos in Tirol zu verantworten hat.“ Druck auf die Regierung übt auch die Liste Fritz aus. Und das nicht erst seit ein paar Wochen. Der im Dezember 2012 verstorbene Bernhard Ernst war einer der vehementesten Kämpfer für eine Lösung der sich zuspitzenden Flugrettungsmisere gewesen. Seine sachdienlichen Hinweise und Vorschläge wurden jedoch konsequent ignoriert. Vor dem Hintergrund stellt heute Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider klar: „Die fehlende Führungskraft, die die Tiroler seit Jahren vom bodengebundenen Rettungswesen mit steigenden Kosten und verschlechterter Versorgung erleben müssen, zeigt sich jetzt wieder im Bereich der Flugrettung. Wo Rettung draufsteht, ist Chaos und Verunsicherung durch die Landesregierung drin.“

Harte Bandagen, doch der Strudel, in den sich das Land durch seine Untätigkeit manöv-riert hat, wird immer schlimmer. Logisch nachvollziehbar wurde bislang noch nie beantwortet, warum es nicht zu einer Ausschreibung des Flugrettungssystems kam, obwohl dies im seit 2009 gültigen Rettungsgesetz so vorgesehen ist. „Die Flugrettung in Tirol ist geregelt, die Versorgungssicherheit gewährleistet“, stellt der verantwortliche Gesundheitslandesrat gegenüber ECHO fest. „Das Land hat für die Grundversorgung (Verkehrsunfälle, sonstige Unfälle, medizinisch Notfälle ausgenommen Unfälle in Ausübung von Sport und Touristik am Berg und Fälle von Bergnot) mit den Hubschrauberunternehmen eine Tarif- und Abrechnungsvereinbarung, die seit 1. 1. 2012 in Kraft ist.“ Gesetzeskonform ist das nicht, doch für Tilg schien die Flugrettungsangelegenheit mit der erwähnten Vereinbarung erledigt, hielt er doch im Oktober 2012 in einer diesbezüglichen Anfragebeantwortung fest, dass aufgrund der Vereinbarung „kein Bedarf für eine Ausschreibung gesehen wird.“ Nur blöd, dass sowohl ÖAMTC als auch die Schider Helicopter Service im Jänner 2014 mehrfach angedeutet haben, den Vertrag auflösen zu wollen, sofern Tilg Roy Knaus nicht in den Griff bekommt. Was dann? Doch eine Ausschreibung? Europaweit womöglich – mit der Gefahr, dass Rettungsprofis wie Falck oder der ADAC sich den Tiroler Flugrettungsmarkt schnappen und die Landesregierung wie beim bodengebundenen Rettungssystem gezwungen ist, krumm anmutende Wege zu gehen, um das System in Tiroler Hand zu halten? Die Vereinbarung, auf welche sich Tilg stützt, war eine vergleichsweise kleine Konsequenz des Landes aus einigen Flugrettungs-skandalen zuvor und aus einem Rechnungshofbericht mit teils vernichtendem Inhalt. „Die Verrechnung von Rettungseinsätzen mit Hubschraubern war unterschiedlich“, leitete der Rechnungshof seinen Bericht (Bund 2012/2) zur Flugrettung mit Schwerpunkten in den Ländern Salzburg und Tirol ein. „Flog den Einsatz ein vom Land gefördertes Unternehmen, erhielt der Transportierte, ausgenommen alpine Sport- und Freizeitunfälle, keine Rechnung, bei anderen Unternehmen hingegen schon. Rechnungshöhen von bis zu rund 7000 Euro konnten in Einzelfällen gravierende bis existenzgefährdende finanzielle Belastungen für den Transportierten nach sich ziehen.“ Die Prüfer durchleuchteten die Systeme und kamen zu teils peinlichen Schlüssen. So stellten sie beispielsweise fest: „Weiters kam lediglich eins von sieben Flugrettungsunternehmen der Bescheidauflage nach, jährlich Besatzungslisten und Betriebszeiten an das Land Tirol zu übermitteln. Das Land Tirol reagierte auf Verletzungen des Tiroler Flugrettungsgesetzes nicht mit der vorgesehenen Sanktion und verabsäumte es, die zu übermittelnden Unterlagen vom Flugrettungsunternehmen einzufordern.“ 

Dass im Zusammenhang mit der Flugrettung Tirol von einem Wildwuchs gesprochen wurde, könnte durchaus auch daran liegen, dass das Land den Wildwuchs dadurch förderte, die Unternehmen weder zu kontrollieren noch zu sanktionieren. Angesichts dessen verwundert es kaum, dass Beobachter im Verhältnis zwischen den Behörden und den Unternehmen eine Art Freunderlwirtschaft vermuten. Was auch immer hinter den blinden Augen der Beamten steckt, so ist nicht nur die vom Rechnungshof festgestellte Nonchalance im Zusammenhang mit Bescheidauflagen und anderen lästigen Regeln eine höchst fragwürdige Tatsache. Im Zusammenhang mit den Hubschrauberstützpunkten und wie diese so betrieben werden, scheinen die zuständigen Beamten im Land oder den Bezirkshauptmannschaften ebenso viele Augen zuzudrücken. So werfen beispielsweise die Anrainer des Heli-Stützpunkts in Karres (Bezirk Imst) längst die Nerven weg. Der Stützpunkt wurde als Rettungsheliport errichtet, was mit sich bringt, dass die Anrainer kein Recht auf Stellungnahme oder sonst was haben, weil der Stützpunkt ja gleichsam dem hohen Gut der Rettung von Menschenleben gewidmet ist. „Gesetzwidrig ist aber, dass der Stützpunkt auch für Lastentransporte verwendet wird. Dafür wäre eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig, doch das interessiert in der BH Imst offenkundig niemanden“, weiß ein Beobachter. 

Spätestens seit der Hubschrauberposse in Mayr-hofen wurde klar, wie zahnlos die Behörden reagieren und wie reizvoll es daher für Heli-Unternehmer sein darf, die Möglichkeiten auszureizen. In Matrei in Osttirol leiden Anrainer unter einem karres-ähnlichen Schicksal. „Wir kämpfen seit Jahren gegen den zweiten Landeplatz“, berichtet eine Bewohnerin des Matreier Ortsteils Seblas, von wo Roy Knaus gern abhebt. „Gegen Rettungsflüge haben wir alle nichts, doch ist unseren Informationen nach eine Werkstatt geplant und eine Tankstelle und alle Hütten sollen von hier angeflogen werden.“ Während des Telefonats hält die Matreierin den Hörer aus dem Fenster und der penetrante Knatterlärm macht nachvollziehbar, warum fast 100 Prozent der Anrainer sich mit einer Unterschriftenaktion gegen den Landeplatz ausgesprochen haben. 

Dass Matrei ein guter Standort zum Geldverdienen ist, ist klar. Zahlreiche Hütten, die über die Luft beliefert werden wollen, unzählige Festmeter Holz, die ins Tal gebracht werden sollen und dann noch die weiten Pistenwelten der Matreier Bergbahnen, auf denen sich unglücklichere Schneesportler eben auch oft verletzen und gerettet werden müssen. Matrei in Osttirol ist ein Eldorado für Hubschrauberunternehmer. Roy Knaus scheint sich bestens mit dem Matreier Bürgermeister zu verstehen und nicht minder gut mit dem Tiroler Liftkaiser Heinz Schultz, der hier wie auch im Zillertal enormen Einfluss hat. Schultz ist nicht irgendwer, in gewisser Weise lebt der gewiefte Liftkaiser auch vor, wie man allerbestes und umsatzförderliches Einvernehmen mit der Politik herstellt und in Osttirol vermuten manche, dass es auch sein Schutzmantel ist, unter dem Knaus vor eventuellen Unannehmlichkeiten vonseiten der Behörden geschützt wird. Von Nachteil ist eine derartige Freundschaft sicher nicht. Nicht in Osttirol und in keinem anderen Tourismus-Tal des Landes – denn es sind die Seilbahnunternehmer und Hoteliers, die ein enormes Interesse daran haben, dass sich ihre Gäste sicher fühlen und im Fall der Fälle rasch von einem Hubschrauber ins nächstgelegene Spital gebracht werden. 

Es gibt einen guten Grund dafür, dass sich nur Salzburg, Vorarlberg und Tirol mit den Begehrlichkeiten von Heli-Unternehmen auseinandersetzen mussten bzw. müssen, denn nur in diesen Bundesländern spielt der Wintersport eine herausragende Rolle und bedingt die teils unwegsame Topografie, dass bodengebundene Fahrzeuge keine Chance haben, in erträglicher Zeit ein Ziel zu erreichen. Zwischen November 2011 und Februar 2012 verzeichnete Tirol rund 3,7 Millionen Gäste und die Gastgeber sind genauso an deren Sicherheit interessiert wie die Seilbahnunternehmer. Ein den Pisten naher Hubschrauberlandeplatz ist nicht nur ein tolles Verkaufsargument für ein „sicheres Skigebiet“, mit einem einsatzbereiten Hubschrauber in der Nähe lassen sich auch die Kosten für die Pistenrettung dezimieren. Vor dem Hintergrund ist klar, dass sich die Seilbahner über jeden neuen Stützpunkt freuen. Welchen Einfluss diese starke Lobby darauf hat, dass das Land dem Stützpunktreigen nur ungern Einhalt gebieten möchte, ist nicht ganz klar, doch unterschätzt darf dieser Einfluss nie werden. Rund um den Hotspot Mayrhofen waren es denn auch die Tourismusverantwortlichen, die den Knaus’schen Vorstoß mit Wohlwollen beobachteten und einen dritten Heli-Standort im Zillertal befürworteten. 

„Er muss gute Kontakte zur Politik haben. Diese Kontakte müssen bis Wien reichen. Er verstößt tagelang gegen das Luftfahrtgesetz und niemand tut was“, ist hingegen Rudolf Schider, Chef der Schider Helicopters, echauffiert über das Eindringen des Salzburgers in den Zillertaler Rettungs-Luftraum, der bislang von Schider und dem ÖAMTC bedient wurde. Laut Schider sei nichts leichter, als sich mit seinem Hubschrauber zwischen zwei Stützpunkte zu stellen, das sei ein lukratives Geschäft. „Knaus will ein bestehendes, funktionierendes System kaputtmachen“, so Schider weiter. Die Frage ist, ob das System wirklich so gut funktioniert, macht doch nicht zuletzt die Drohung Schiders und des ÖAMTC, den Vertrag vom Juli 2012 aufzulösen, deutlich, auf welch schwachen Beinen die Tiroler Lösung steht. Lassen sie Taten folgen, steht Landesrat Tilg wieder am Anfang, muss beobachten, wie sich noch mehr Helikopter einen Krieg um Patienten liefern und darf sich bezüglich der Kosten für die Grundversorgungsflüge wieder etwas Neues einfallen lassen. Bernhard Ernst hatte die Vereinbarung damals als „Flickwerk“ bezeichnet und eine „verbindliche Regelung“ gefordert. Ist das Land jetzt so weit, oder ist es dafür schon zu spät?

Auch das Land Salzburg war vom Rechnungshof getadelt worden, auch dort hatten heftige Gefechte stattgefunden, doch fliegt und rettet es sich dort heute schon weit einfacher als in Tirol. „In Salzburg wurde es ordentlich geregelt, es gibt ein System, der Bedarf ist klar“, weiß Rudolf Schider und das in Salzburg für die Flugrettung zuständige Regierungsmitglied, Landeshauptmannstellvertreter Christian Stöckl, erklärt: „Seit 1. Jänner 2012 stellt das Rote Kreuz als anerkannte Rettungsorganisation die ganzjährige bedarfs- und flächendeckende Versorgung sicher. Zwei ‚Ganzjahres-Hubschrauber‘ in der Stadt Salzburg und Zell am See decken die Grundversorgung im Land ab, ein weiterer Hubschrauber steht zehn Monate im Jahr in St. Johann zur Verfügung. Zwei saisonale Stützpunkte in der Region Ennspongau und Saalbach-Hinterglemm runden das Hilfsangebot vor allem für verletzte Wintersportler ab. Koordiniert und zentral abgerechnet wird alles über das Rote Kreuz.“ Partner der Salzburger Lösung sind mit dem ÖAMTC, Wucher Helikopter, Schider Helicopter und Roy Knaus jene, die sich in Tirol gerade in die Haare geraten sind. Schon erstaunlich. Auch Vorarlberg hat seine Flugretter besser im Griff. Nur in Tirol herrscht das blanke Chaos. Und es will nicht enden.

Dass die skandalgeplagte Leitstelle des Landes die Hauptrolle in einem weiteren Chaosstrang spielt, verwundert kaum. Eine Anregung des Rechnungshofs war dem Land und seinen machtbewussten Disponenten in der Leitstelle sehr willkommen. Die Flugrettungsbetreiber sollten, empfahlen die Prüfer, ausschließlich durch die Leitstelle disponiert werden. Damit kam aber das bis zu dem Zeitpunkt zumindest punktuell gut funktionierende System total durcheinander. Rettungshubschrauber, die etwa zuvor in -St. Anton stationiert waren und sich ausschließlich um diese Region kümmerten, müssen nun den Befehlen der Leitstelle folgen. Die Leitstelle ist ihrerseits verpflichtet, den nächstgelegenen Hubschrauber zum Unfallort zu schicken und so kann es leicht sein, dass ein Helikopter, der in der Früh in St. Anton stationiert war, über Sölden, Fiss, Innsbruck und so weiter am Nachmittag im Zillertal oder in Kitzbühel landet. Vor dem Hintergrund kann es vorkommen, dass in der Einsatz-Rush-Hour in St. Anton gar kein Rettungshubschrauber zur Verfügung steht. „Die Helis werden quer durchs Land geschickt. Das ist nicht sinnvoll“, meint ein Insider. Und für den Slogan „sicheres Skigebiet“ auch nicht. 

Fraglich bleibt, warum das Land nicht auf Nummer sicher geht und einen simplen Weg einschlägt. So würde sich etwa anbieten, um die Grundversorgung sicherzustellen, vier Stützpunkte einzurichten – einen in Osttirol, einen in Kitzbühel, einen in Innsbruck und einen in Zams. Über einen weiteren in -Reutte kann gestritten werden, doch reichen in Salzburg schon zwei ganzjährig besetzte Stützpunkte, um die Grundsicherheit zu gewährleisten, weil ein Hubschrauber eben schnell ist und in Windeseile an jedem Ort im Land. Die saisonal fliegenden Rettungshubschrauber könnten in Notfällen ebenso von der Leitstelle disponiert werden, ansonsten aber würden sie wieder sich selber überlassen oder den Bergbahnen, deren Kunden sie Sicherheit bieten. Sind die simplen Möglichkeiten zu simpel? Oder fürchtet sich das Land, die dafür notwendigen Schritte zu setzen? „Platter, Tilg und Co waren und sind unfähig, endlich für ganz Tirol den Bedarf an Rettungs-Hubschraubern erheben zu lassen und darauf aufbauend die weiteren Schritte zu setzen. Um diese Bedarfs-erhebung werden sie in keinem Fall herumkommen. Aber diese Bedarfserhebung verlangt Mut, denn am Ende des Tages wird es weniger Rettungs-Hubschrauber in Tirol geben und damit weniger Gewinne für die einen oder anderen Betreiber“, ist Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz) überzeugt. 

Weniger Rettungs-Hubschrauber bedeuten nicht unbedingt weniger Notfälle aber vielleicht weniger unnötige Einsätze des teuersten Rettungsmittels. Während sich das Land weiter ziert, klingeln bei den Tiroler Flugunternehmen weiter die Kassen. Neben Mayr-hofen hat Roy Knaus beispielsweise schon um Landeplätze in Westendorf und Lermoos angesucht. „Weiters werden noch Plätze im Bezirk Landeck und Innsbruck Land folgen“, sagt er. Warum auch nicht? Bald könnten also schon 20 Rettungshubschrauber das längst überversorgte Land beglücken. 

Wie viele Millionen es sind, welche die in Tirol tätigen Flugrettungsunternehmen jährlich durch den Flugrettungsdienst einnehmen, kann oder will keiner genau sagen. Roy Knaus gewährt insofern einen kleinen Einblick, als er feststellt, dass seine Unternehmen (Heli Tirol, Ländle Heli und Martin Flugrettung) 40 Prozent des Umsatzes mit Rettungsflügen erwirtschaften. 13 Millionen hat das Unternehmen im Jahr 2013 umgesetzt, sodass ihm die Rettungsflüge 5,2 Millionen Euro einbrachten. Dass die Tendenz steigend ist, ergibt sich nicht nur aus dem aggressiven Auftreten Knaus’ am Tiroler Flugrettungsmarkt, sondern auch aus einfachen wirtschaftlichen Überlegungen. „Die Minutentarife bei Rettungsflügen sind seit 1. November 2013 85,50 Euro. Im Transport liegen die je nach Hubschraubertype zwischen 26 und 50 Euro“, verrät Knaus. Über 85 Euro pro Flugminute sind ein nachvollziehbares Argument, auf die Trägheit des Landes keine Rücksicht zu nehmen und das unkontrollierte System auszunützen.

Durchschnittlich kostet ein Rettungseinsatz auf der Piste 3000 Euro, das kann locker auf 4000 Euro ansteigen und je nach Flugzeit weiter in die Höhe klettern. Ohne entsprechende Versicherung wird das Erwachen im Krankenhaus jedenfalls bitter. Es gab auch Fälle, in denen Patienten, die unfreiwillig mit dem Hubschrauber transportiert wurden, mit Rechnungen über 8000 Euro konfrontiert worden sind. Zwar wurde mit der Vereinbarung 2012 verhindert, dass Patienten durch ihre Rettung in ihrer Existenz gefährdet werden, doch irgendjemand zahlt das alles. Für die Unternehmen hängt der Tiroler Rettungshimmel voller Geigen. Dass nicht alle Anbieter bei der Abrechnung ihrer Einsätze korrekt sind und es durchaus schon vorgekommen ist, dass statt der Flugminuten die Zeit des ganzen Einsatzes zum Flugminutentarif abgerechnet wurde, ist eine andere, nicht minder wilde Geschichte. Doch sie passt ebenso ins Bild wie der Umstand, dass den Flugrettern langsam die professionellen Notärzte ausgehen und die Qualität der Flugrettung bedroht ist. Passiert nichts Essenzielles, geht es weiter so. Bis einer heult. 
Alexandra Keller

 

 

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