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30.01.2014

Gerhard Fritz: In Innsbruck für die Stadtplanung zuständig; Foto: Friedle

Hinten wird die Sau rausgelassen

Stadtentwicklungs-Stadtrat Gerhard Fritz hat alle Hände voll zu tun: Weil die Einwohnerzahl bis 2025 auf 165.000 explodieren wird, die Wohnkosten exorbitant sind und die Regelungen verbohrt. Im Interview erklärt er viel, verrät aber nicht, wo der neue Innsbrucker Stadtteil entsteht. Leider.

ECHO: Im November veranstalteten „die Termiten – Plattform für kritische Sozialarbeit“, eine Podiumsdiskussion zum Thema „Armutsfalle Wohnen – Möglichkeiten und Grenzen der Sozialarbeit“. Die Diskutanten waren zwar nicht immer gleicher Meinung, der Zugang der Beamten von Land und Stadt ist vielfach und teils logischerweise ein anderer als jener der SozialarbeiterInnen, doch am Ende der Veranstaltung wurde klar, dass im Zusammenhang mit Wohnen und dem Zugang zu diesem Grundrecht alle Beteiligten einen erdrückenden Mangel verwalten müssen. Warum ist das so?

Gerhard Fritz: Der ganz tiefe Grund für diesen Mangel ist sicher, dass wir in Tirol nur zwölf bis 13 Prozent Siedlungsfläche haben, gemessen an der ganzen Landesfläche. In Innsbruck ist das noch einmal verschärft. Der Großteil unserer 120 Quadratkilometer befinden sich im Alpenpark Karwendel und das derzeit gewidmete Bauland beträgt nur knapp 20 Quadratkilometer. Darauf wohnen im Moment 148.000 und noch ein paar Menschen. Die Prognose der Statistik Austria sagt für den Zeitraum des nächsten Raumordnungskonzeptes – also bis 2025 – 165.000 EinwohnerInnen voraus. Innsbruck ist als Wohnort sehr attraktiv, weswegen es eine große Nachfrage nach Wohnraum auf einer enden wollenden Grundfläche gibt, die noch dazu zu einem Großteil in privater Hand ist. Der Markt ist eben so, dass auch hier die Nachfrage das Angebot übertrifft, was dazu führt, dass jeder Grundverkäufer ziemlich rasante Preisvorstellungen hat.

ECHO: Wie viel kostet derzeit ein durchschnittlicher Bauland-Quadratmeter in Innsbruck?

Fritz: Das ist natürlich je nach Lage unterschiedlich, aber in einer halbwegs guten Lage gehen diese Preisvorstellungen von 1000 Euro aufwärts.

ECHO: Wie geht die Stadt mit den Extrempreisen und dem Wohnraumbedarf um?

Fritz: In dieser Legislaturperiode sollen 2000 neue, geförderte Wohnungen gebaut werden und allein für die den Grund aufzutreiben, ist schwierig. In einem ersten Schritt hat die städtische Arbeitsgruppe Wohnen alle zur Bebauung geeigneten städtischen Grundstücke untersucht. Das Elend ist, dass es nicht die allerschönsten Wohnlagen sind. Wir reden beispielsweise über Wohnbauten nahe der Autobahn, unterhalb vom Paschberg westlich vom Tivoli-Stadion. Da darf sich der Gestaltungsbeirat überlegen, ob das zumutbar ist, ob das noch geht und welche Dichte möglich wäre. Anderswo, in schönsten Wohnlagen, geht Grund überhaupt nur an private Bauwerber und das zu astronomischen Preisen. Es ist derzeit so, dass sogar für Freiland, wo nicht einmal der Schimmer einer Widmung drauf ist, Baulandpreise verlangt werden. Kein Mensch verkauft in Innsbruck Freiland-Grundstücke zum Preis von 35 Euro pro Quadratmeter, die gehen von vorneherein her und sagen, dass der ortsübliche Preis der Baulandpreis ist. Da wollten Leute auf den Amraser Feldern Preise von 600 Euro pro Quadratmeter von der Stadt verlangen. Wir haben natürlich dankend abgelehnt.

ECHO: Wo kommen eigentlich die Menschen her, die im Jahr 2025 die Innsbrucker Bevölkerung auf 165.000 EinwohnerInnen wachsen lassen?

Fritz: Die kommen zum Teil aus dem Ausland – viele aus Deutschland. Ein anderer Teil kommt aus Tirol – das ist der Zuzug aus der Region. Innsbruck Stadt und Innsbruck Land zählen zu den am stärksten wachsenden Bezirken ganz Österreichs. Die Flucht der oberen Mittelschicht ins Umland hat sich eingebremst oder ist zum Stillstand gekommen und hat sich umgedreht. Die Leute ziehen wieder zurück. Die sind draufgekommen, dass das Leben am grünen Waldrand erbärmlich langweilig ist und außerdem kompliziert. Man braucht zwei Autos, hat das Problem mit Taxi Mama, Taxi Papa – kurz – sie wollen zurück in die Stadt. Da sind wir natürlich froh, aber es wird verdammt eng. 

ECHO: Ist der Umstand, dass sich viele Gemeinden nicht um den Bau von Sozial-Wohnungen kümmern, mit ein Grund für den Zuzug aus dem „Tiroler Land“?

Fritz: Ich glaube schon. Man kann aber nicht alle Umlandgemeinden in einen Topf werfen. Das sieht man im Planungsverband Inns-bruck und Umgebung mit seinen über 40 Gemeinden, die gut ein Viertel der Tiroler Bevölkerung beheimaten. Es gibt Gemeinden, die bilden sich immer noch ein, Tourismusgemeinden zu sein – vielleicht sogar noch für den Wintersport, was ja lachhaft ist. Mutters, Natters als Wintersportregion? Da lachen die Hühner. Andere haben sich mit ihrer Funktion als Peripherie der Zentralstadt oder Schlafdorf abgefunden. Es gibt solche, die noch dörfliche Idylle spielen und um Himmels willen keine Stadtler wollen. Und weil sie keinen Sozialbau für „Proleten“ haben wollen, haben sie im Bebauungsplan keine Minimaldichten, sondern Dichtehöchstgrenzen. Es ist also sehr unterschiedlich und als Folge von Geldmangel sowie politischem Willen freuen sie sich halt, wenn alle zentralörtlichen Einrichtungen in Innsbruck sind und sie nichts brauchen. 

ECHO: Stehlen sich die Gemeinden da aus ihrer Verantwortung?

Fritz: Ein bisschen schon. Doch es fängt langsam an, sich zu drehen. Gerade im Planungsverband kommen viele drauf, dass das Motto „Viele für sich und Gott gegen alle“ nicht funktioniert. Bei kleineren und ärmeren Gemeinden hat das Umdenken angefangen. Dann gibt es eben Reiche wie Rum, das die gesamte Kommunalsteuer vom Osten der Stadt Innsbruck einstreift. Mit vollen Hosen ist leicht stinken, denen ist echt alles wurscht. 

ECHO: Würde es nicht Sinn machen, den Zentralraum um Innsbruck bzw. in den Grenzen des Planungsverbandes gemeinsam zu planen und die Gemeindegrenzen im Sinne einer klugen Entwicklung aufzuweichen?

Fritz: Ich würde sagen, wir stehen gerade an der Kippe, wo sich diese Haltung durchsetzt. Das Diktat der leeren Kassen ist so gesehen ein Segen. Ich glaube auch, dass die Landesraumordnung langsam anfängt, regional zu denken. Früher hatte man den Eindruck, dass das Landhaus nur dazu da ist, die armen Landgemeinden vor der bösen Stadt zu schützen. Mittlerweile wird auch dort in Regionen gedacht. Die Tendenz wird stärker.

ECHO: Trifft das auch die Wirtschaft?

Fritz: Selbstverständlich. Ob ein Unternehmen in Kematen oder in Völs angesiedelt ist, ist dann egal, wenn eine zumutbare Anbindung zur Infrastruktur gegebenen ist. Mit schnellem Zugang zur S-Bahn, zur Universität, zu Forschungseinrichtungen ist die Entfernung im Zentralraum kein Problem. Ohne die Attraktivität von Innsbruck kann Kematen sein Gewerbegebiet vergessen. Ein eingeschossiger Supermarkt mit riesigem Flächenfraß bringt kaum Wertschöpfung. Gemeinsam mit uns kann es aber gelingen, ein gutes Unternehmen dort anzusiedeln und es ist nicht verboten, die Einnahmen aufzuteilen. Das wird in manchen österreichischen Regionen schon gemacht, bei uns noch nicht.

ECHO: Betrifft das auch andere Flächen?

Fritz: Ja. Es muss ja nicht jeder Fußballplatz in Innsbruck sein. Bei uns nimmt das große Flächen für Wohnraum weg. Beim MCI quetscht man Quadratmeter rein, was nur geht, nur damit der Sportplatz für die Union dort bleibt, wo er jetzt ist. Die großflächigen Überlegungen gibt es, sie stehen am Anfang, aber sie funktionieren noch nicht wirklich. Der Leidensdruck muss wohl noch wachsen. 

ECHO: Leidensdruck ist in den Gemeinden auch oft im Zusammenhang mit der Mietzinsbeihilfe gegeben, die in Innsbruck einen satten Batzen ausmacht. 70 Prozent zahlt das Land, 30 Prozent müssen die Gemeinden oder Städte übernehmen. Was, wenn die Gemeinden das nicht tun?

Fritz: Dann zahlt das Land auch nichts und die Leute bekommen nichts. Da bräuchte es eine Vereinheitlichung der Zugangsbestimmungen. Da müsste das Land vorausgehen. Das ist eine Schraube, an der man drehen könnte, damit Innsbruck nicht alles auffangen muss. In der letzten Legislaturperiode war eine Reform der Mietzinsbeihilfe und der Wohnbauförderung angedacht, das war auch mit Innsbruck sehr weit abgesprochen. Doch die Unterlagen sind verschollen. 

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von ECHO oder abonnieren Sie ECHO unter ABO

 

 

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