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01.06.2014

Mittels Vorsorge drohenden Infarkt festgstellen; Foto: Fotolia.com

Leises Leiden

Nicht immer kündigt sich ein Herzinfarkt mit den bekannten Symptomen an: Ein Viertel aller Infarkte verläuft stumm – oft werden diese nur zufällig oder aber gar nicht erkannt. Die Folgen wären durch Vorsorgeuntersuchungen vermeidbar.

Ein brennender Schmerz im Brustbereich, der in Schultern, Arme, Unterkiefer und Oberbauch ausstrahlen kann. Dazu Beklemmung, Schweißausbrüche, Atemnot, Übelkeit. Auf etwa 75 Prozent aller Herzinfarkte – im Fachjargon als Myokardinfarkt bezeichnet – treffen diese Symptome zu. Die restlichen 25 Prozent aber sind ganz anders. Aufgrund der Symptome Rücken-, Nacken- oder Kieferschmerzen, einer allgemeinen Abgeschlagenheit oder Unwohlsein in der Magengegend würde wohl kein Mensch einen Infarkt in Betracht ziehen. Gerade deshalb bleiben viele „stumme Infarkte“ auch unentdeckt – was sie nicht minder gefährlich macht. Denn ohne entsprechende Behandlung kann ein stummer Infarkt, der zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen kann, tödlich enden. 

Der Begriff Herzinfarkt beschreibt den Zelltod von Herzmuskelzellen aufgrund einer Durchblutungsstörung, verursacht durch ein Blutgerinnsel in einem durch Arteriosklerose verengten Herzkranzgefäß. „Es gibt zum einen den sogenannten ST-Hebungsinfarkt, zum anderen den Nicht-ST-Hebungsinfarkt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang-Michael Franz, Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie, in Innsbruck. Der ST-Hebungsinfarkt äußerst sich diagnostisch dadurch, dass ein bestimmter Abschnitt der EKG-Kurve, die sogenannte ST-Strecke, bogenförmig angehoben ist. Dann liegt ein „transmuraler Infarkt“ vor, der den Herzmuskel von der äußeren bis zur inneren Schicht erfasst. Das Gefäß verschließt sich plötzlich, ein akuter und andauernder Schmerz setzt ein. Schwieriger ist die Diagnose, wenn diese ST-Strecke im EKG trotz typischer Schmerzen nicht angehoben ist. Bei einem derartigen Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) müssen spezielle „Herzenzyme“ bei der Blutuntersuchung positiv sein, erst dann kann ein Infarkt diagnostiziert werden. Das dauert allerdings deutlich länger als die Diagnose mittels EKG.

Aber nicht immer ist der Gefäßverschluss plötzlich: „Das Gefäß kann sich auch sehr langsam verengen. Hier hat der Körper die Möglichkeit, Umgehungskreisläufe in Form der sogenannten Kollateralen zu bilden, also Gefäße, die diese Engstelle umgehen.“ Die Kollateralen sind eine Art natürliches Bypass-System des Körpers: „Hierbei bilden sich Gefäßbrücken zwischen den großen Kranzarterien und führen zu dem besagten Umgehungskreislauf, der den verschlossenen Gefäßabschnitt so überbrückt, dass das betroffene Herzgebiet weiterhin mit Blut und Nährstoffen versorgt wird.“

Welches Krankheitsbild sich aus einem Infarkt entwickelt, hängt von Ort, Schwere und Dauer der Durchblutungsstörung des Herzmuskels ab. Bei ST-Hebungsinfarkten ist die Ursache in über 90 Prozent der Fälle ein durch ein Blutgerinnsel verschlossenes Herzkranzgefäß – bei NSTEMI sind hingegen lediglich bei der Hälfte aller Fälle Thromben nachweisbar. Der größte Teil der ST-Hebungsinfarkte entsteht durch die Ruptur eines Plaques – einer Arteriosklerose an der Gefäßwand: „Dabei springt ein Plaque auf. In der Folge lagern sich an dieser Stelle Blutplättchen an und innerhalb weniger Minuten kann sich das Gefäß durch das aufgesprungene Plaque komplett verschließen“, so Franz. 

Ist der Verschluss des Gefäßes nicht plötzlich oder ist lediglich ein kleiner Nebenast der Herzkranzgefäße betroffen, kann der Infarkt unbemerkt bleiben. Dann handelt es sich um einen „stummen Infarkt“. „Dieser ist dadurch gekennzeichnet, dass er symptomarm oder symptomlos verläuft“, erklärt Franz. Dabei gibt es sehr wohl Symptome – allerdings werden diese nicht als solche interpretiert. Beschwerden wie Rücken- oder Nackenschmerzen, Kiefer- und Zahnschmerzen, Abgeschlagenheit, Schwächegfühl oder Hitzewallungen gehören – für manch einen – zu alltäglichen Problemen, die von den Betroffenen nicht als ernsthaft gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Es aber unter Umständen sein können.

In dem Augenblick, in dem ein Thrombus die Nährstoffversorgung des Muskels unterbricht, spürt der Betroffene oft nichts. Später kann er sich unwohl fühlen, leichter ermüden als sonst oder er verspürt nach geringen Belastungen bereits Luftnot. Diese Beschwerden werden häufig falsch gedeutet. Wie kann also ein stummer Infarkt diagnostiziert werden? „Zuerst muss der Patient überhaupt zur Untersuchung kommen“, und das, bestätigt der Mediziner, tun die meisten erst in dem Moment, wenn sie Beschwerden haben. Die beste Möglichkeit bietet sich im Rahmen der jährlichen Gesundenuntersuchung: „Über EKG oder ein Echokardiogramm kann man Wandbewegungsstörungen oder Erregungsrückbildungsstörungen sehen – die lassen auf einen abgelaufenen Infarkt schließen. Aber nicht immer ist ein stummer Infarkt hier sichtbar.“ Eine weitere Vorsorgemaßnahme ist deshalb die Sonografie der Halsschlagader: „Hier sieht man, inwieweit Arteriosklerose vorhanden ist. Im Rahmen der Gesundenuntersuchung können auch die Herzkranzgefäße mittels Computertomografie, die nur wenige Minuten in Anspruch nimmt, auf Kalkablagerungen hin überprüft werden: Gibt es bei Patienten über 60 Jahren keinen Kalk, besteht zu 99 Prozent kein Risiko für einen Infarkt. Junge Patienten können jedoch nicht auf den Kalkscore vertrauen – sie müssen zu ihrer Sicherheit eine CT-Angiografie der Koronargefäße durchführen lassen, da sich in diesem Lebensalter oft weiche Plaques mit thrombotischen Auflagerungen ohne Kalkablagerung bilden können.“

Ein gewisses Maß an Sicherheit gibt auch ein gesunder und verantwortungsbewusster Lebensstil. Obwohl die genetische Veranlagung nach wie vor an erster Stelle steht, was das Risiko für einen Infarkt anbelangt, sind es doch auch die äußeren Umstände, die in erheblichem Maß dazu beitragen, ob es zu einem Infarkt kommt oder nicht. Arteriosklerose, eine Fettstoffwechselstörung (erhöhter Cholesterin- und Triglyceridspiegel), Rauchen und hoher Blutdruck sind klassische Risikofaktoren. Insbesondere Diabetes spielt auch eine entscheidende Rolle: Das Risiko von Diabetikern, einen Herzinfarkt zu erleiden, ist bis zu sechsmal höher, da die hohen Blutzucker- und Insulinspiegel die Blutgefäße schädigen. Auch höheres Alter ist ein Risikofaktor. Und geht es um den stummen Infarkt, sind Frauen stärker betroffen als Männer: Die genannten Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Nackenschmerzen oder Verspannungen betreffen Frauen deutlich öfter als Männer, werden also dementsprechend oft einfach anderen, „harmloseren“ Erkrankungen zugeordnet. Mit fatalen Folgen. „Früher verstarb jeder dritte Infarktpatient“, sagt Franz. „Entweder bevor er ein Krankenhaus erreichte oder in den folgenden zwölf Monaten an einem weiteren Infarkt bzw. der fortschreitenden Schwäche des Herzens. Heute versterben aufgrund der effizienten Rettungskette fünf bis sieben Prozent jener Patienten, die es in die Klinik schaffen.“ 

Die Behandlungsmöglichkeiten sind gut. „Die rasche Katheterbehandlung, bei der das Gefäß durch einen Ballon geweitet und mit einem Drahtgeflecht stabilisiert wird, steht im Vordergrund und wird durch medikamentöse Therapie unterstützt, die weitere Thrombenbildung verhindern soll“, erklärt Franz. „Manchmal gelingt es auch, alt verschlossene Gefässe wieder zu eröffnen. Dieses Verfahren wird CTO (Chronic Total Occlusion) genannt und führt idealerweise zur Verbesserung der Pumpfunktion bzw. zu einer Beseitigung der Symptome Brustenge bzw. Atemnot bei Belastung.“ Weisen hingegen mehrere Gefäße eine hochgradige Verengung, im Fachjargon Stenose, auf, wird ein Bypass gelegt, was so viel wie Umleitung bedeutet und auch genau das ist: Mittels Bypass werden verengte oder verstopfte Herzkranzgefäße durch eine Umleitung überbrückt, dadurch wird das Herz wieder ausreichend mit Blut und Nährstoffen versorgt.

Bevor es zum Ernstfall kommt, gilt Vorsorge: Grundlegend für jeden muss dabei sein, das eigene Risikoprofil zu kennen. Dementsprechend kann und sollte in regelmäßigen Abständen ein Belastungs-EKG, ein Echokardiogramm, eine Sonografie oder ein CT durchgeführt werden – die diagnostischen Möglichkeiten sind gegeben. Nützen muss man sie halt. Nur auf diese Weise wird ein drohender Infarkt rechtzeitig erkannt. Und „rechtzeitig“ bedeutet in diesem Fall lebensrettend.
Sonja Niederbrunner

 

Infarkt: Die Symptome

Leitsymptom eines Herzinfarkts ist der Brustschmerz. Typisch sind plötzliche, oft in Ruhe auftretende, länger als 15 bis 20 Minuten anhaltende und u. U. rasch zunehmende Schmerzen sowie ein Engegefühl und starker Druck im Brustkorb. Die Schmerzen strahlen häufig in die Arme (meist links), die Schultergegend, in den Unterkiefer oder in den Oberbauch aus. Patienten klagen über Atemnot und Todesangst, zudem treten Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Bei Frauen können die typischen Warnzeichen völlig anders sein, hier werden Schmerzen im Oberbauch, verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, angegeben. Stumme Infarkte verursachen auch keine, geringe oder untypische Symptome und werden erst nachträglich diagnostiziert.

 

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