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01.06.2014

Kniegelenk: Verletzungen und Verschleiß modern behandeln; Foto: Fotolia.com

Perfekte Präzision

Das größte Gelenk unseres Körpers arbeitet hochpräzise: Das ist möglich durch ein komplexes Zusammenspiel der einzelnen Teile. Einige davon sind aber auch anfällig für Verletzungen oder Verschleißerscheinungen. Was die häufigsten sind und wie sie behandelt werden.

Operationen des Kniegelenks sind Präzisionsarbeit – weil auch das größte Gelenk des menschlichen Körpers hochpräzise arbeitet: Jeder einzelne Teil trägt dazu bei, dass wir alltägliche, für uns selbstverständliche Bewegungen verrichten können. Und das in der Regel beschwerdefrei. 

Das Knie – ein sogenanntes Dreh-Scharniergelenk, das sich sowohl drehen als auch beugen lässt – ist die gelenkige Verbindung zwischen drei Knochen: Kniescheibe, Schienbein und Oberschenkelknochen laufen hier zusammen. Zu eng darf der Kontakt zwischen diesen aber nicht werden, ansonsten kommt es buchstäblich zu „Reibereien“. Um dem vorzubeugen, sind zum einen die Gelenkflächen von Ober- und Unterschenkelknochen mit einer Knorpelschicht ausgestattet, zum anderen gibt es quasi als Extra-Dämpfung noch zwei Menisken, welche die Kontaktstellen zusätzlich vergrößern. Das allein macht ein Knie aber noch nicht stabil: Diese Aufgabe übernehmen zahlreiche am Knie liegende Bänder. Die bekanntesten Vertreter sind die zwei Seitenbänder oder die beiden Kreuzbänder, die ihren Namen der Tatsache verdanken, dass sie sich in ihrem Verlauf überkreuzen. Nur wenn alle diese und noch einige weitere Komponenten einwandfrei zusammenspielen, ist eine reibungslose und schmerzfreie Bewegung möglich. Wie schnell es damit vorbei sein kann, zeigt sich alltäglich auf Skipisten, Fußballfeldern oder auch einfach nur als Ergebnis ungeschickter Bewegungen. Plötzlich schmerzt es ziemlich heftig, und das Knie tut nicht mehr das, was man von ihm gewohnt ist. Oft ist dann eine Operation unausweichlich.

„Meniskusverletzungen sind sicher die häufigsten Verletzungen am Knie“, erklärt medalp-Geschäftsführer und Chirurg Alois Schranz. Meniskusoperationen werden bereits seit Anfang der 1980er Jahre arthroskopisch vorgenommen – natürlich hat sich in den vergangenen Jahren einiges in Hinblick auf die Entwicklung der Geräte, der Techniken oder auch der Bildgebung getan. Aber das Prinzip ist immer noch das gleiche: Durch minimale Öffnungen werden die arthroskopischen Geräte, darunter auch eine Kamera, in das Gelenk eingeführt und der Schaden so binnen kurzer Zeit behoben. 

Bevor es im Fall einer Meniskusverletzung aber zur Operation kommt, wird eine Diagnose gestellt: „Klinische Untersuchungen und Tests zeigen, ob der Meniskus betroffen ist. In einer anschließenden MRT-Untersuchung können wir dann bestimmen, welche Art von Riss es genau ist“, erläutert medalp-Geschäftsführer und Chirurg Manfred Lener den klassischen Ablauf. Interessantes Detail: Es ist dabei nicht der Riss an sich, der Schmerzen verursacht, denn der Meniskus hat keine Nerven. Folglich können Schmerzimpulse auch nicht weitergeleitet werden. „Die Schmerzen entstehen vielmehr dadurch, dass der Riss, der zwischen Oberschenkel und Schienbeinkopf liegt, eingezwickt wird und unter Zug steht“, erklärt Lener. An dieser Kapsel befinden sich sehr wohl Nerven und die leiten den Reiz, den wir dann als Schmerz wahrnehmen, weiter. 

Meniskusrisse sind sehr häufig – oft werden sie aber nicht bemerkt, da sie völlig schmerzlos verlaufen können. „Ist der Schmerz nur vorübergehend, empfehlen wir meistens abzuwarten. Manchmal verschwinden die Beschwerden schnell wieder. Wird es nicht besser, ist eine Arthroskopie notwendig.“ 

Die Art der Operation richtet sich schließlich nach der Verletzung: „Ist es ein frischer Riss, kann man diesen mit einer speziellen Nahttechnik fixieren. Ist es hingegen eine Verschleißerscheinung oder befindet sich der Riss in einer Zone, in der die Durchblutung nicht mehr gut ist, ist das nicht mehr möglich“, so Alois Schranz. Denn jede Heilung ist auf Blut angewiesen, nur dann kommt es zur für die Heilung notwendigen Narbenbildung. 

An und für sich ist der Meniskus ein schlecht durchblutetes Gewebe – ein Zustand, der sich mit zunehmendem Alter noch weiter verstärkt. Befindet sich die Verletzung in der sogenannten roten, der durchbluteten Zone, besteht eine gute Chance, dass sich das Ganze wieder stabilisiert. Allerdings treten die meis-ten Verschleiß-Risse in der weiß-weißen Zone auf, die keine Durchlutung aufweist – hier heilen Verletzungen nicht mehr von allein. Das bedeutet, dass operiert werden muss: Wurden früher Meniskusoperationen am offenen Knie durchgeführt, was bedeutete, dass der Patient anschließend sechs Wochen lang einen Gips tragen musste, ist das Ganze heute dank minimalinvasiver Chirurgie ein schonender Eingriff ohne anschließend notwendige Fixation. Und der Patient steht dementsprechend sehr schnell wieder auf zwei gesunden Beinen. 

Während ein Meniskusriss im Wesentlichen nicht die Stabilität des Knies beeinflusst, ist das eine typische Begleiterscheinung von Bänderrissen: In diesem Fall spricht man von einem instabilen Knie. Dabei ist die Art des Risses entscheidend und, welche Bänder betroffen sind. Am häufigsten sind es Risse der Seitenbänder oder auch Kreuzbandrisse, oft auch in Kombination. Während Außen- und Innenbänder etwa durch funktionelle Schienung des Knies wieder heilen können, ist das bei gerissenen Kreuzbändern in der Regel nicht möglich. Mit einer Ausnahme: „Sind nur die Fasern des Bandes gerissen, aber die Hülle intakt, ist die Chance gut, dass es sich wieder stabilisiert“, sagt Lener. Operativ wird die Heilung in diesem Fall dadurch unterstützt, dass am Ansatzpunkt des Bandes – am Oberschenkel – minimale Perforationen in den Knochen gesetzt werden: So gelangen Stammzellen aus dem Knochen in die Hülle und unterstützen die Narbenbildung. Etwa 20 Prozent der Kreuzbandverletzungen können mit dieser Methode behandelt werden. Nach dem minimalinvasiven Eingriff trägt der Patient sechs Wochen lang eine Schiene, die mit der Zeit immer weitere Beugung zulässt. Anschließend beginnt die Physiotherapie. 

Ist das Kreuzband hingegen komplett gerissen, hängt das weitere Vorgehen von der Ausriss-Stelle ab: Befindet sich der Riss am Schienbein, was eher selten ist, wird immer auch ein Stück des Knochens mit herausgerissen. In diesem Fall kann das Band mit dem Knochen wieder befestigt werden. Das Kreuzband muss nicht ersetzt werden. Reißt es hingegen am Oberschenkel oder im Verlauf des Bandes, benötigt man eine Kreuz-bandersatzplastik. Und dabei ist die Zeit ein entscheidender Faktor. Oft warten Patienten nach dem klinischen Befund ein bis vier Wochen auf einen MRT-Termin. „Dann kann aber nicht mehr gleich operiert werden, denn eine Kreuzbandersatzplastik sollte nur in den ersten 48 Stunden nach der Verletzung durchgeführt werden – oder erst wieder nach sechs bis zwölf Wochen“, erklären die Chirurgen. Bei einer Kreuzbandverletzung wird das Knie mit Blut gefüllt, der Körper versucht, die Verletzung zu heilen. Das zusätzliche Blut muss aufgenommen werden, die Durchblutung wird also massiv gesteigert – nach fünf bis zehn Tagen ist dieser Prozess am Höhepunkt. „Würde man in dieser Zeit operieren, wäre das für den Körper eine erneute Verletzung“, so Lener. In dieser hochentzündlichen Phase könnte eine Operation also eine überschießende Reaktion auslösen, was zur Folge hätte, dass die Kniekapsel komplett vernarbt und Beweglichkeitsprobleme entstehen, eine sogenannte Arthrofibrose. 

Bei der Kreuzbandersatzplastik wird das beschädigte Band durch eine Sehne ersetzt, die man aus den Hamstrings, den drei Muskeln an der Rückseite des Oberschenkels, entnimmt. Diese Ersatzplastik ist eine Annäherung an das originale Kreuzband – eins zu eins ersetzen kann man es nicht. „Bei der Operation geht es in erster Linie um die Platzierung, um die Punkte am Oberschenkel und am Schienbein, an denen man die Ersatzplastik ansetzt. Hiervon ist auch die Funktion abhängig“, erklärt Schranz die Tatsache, warum Präzision bei diesem Eingriff so entscheidend ist. Nur durch präzise Behandlung kann dieses Gelenk, dem wir einen großen Teil unserer Beweglichkeit verdanken, wieder in vollen Funktionszustand versetzt werden. Und damit auch wir. 
Sonja Niederbrunner

 

 

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