Mehr zum thema

26.09.2014

Optimal bündeln

Der Verein Innsbruck Contemporary will Kräfte bündeln und zeitgenössische Kunst in Innsbruck stärkenmehr ...

Kultur
24.09.2014

In der Provinz

„Wir alle sind Österreich“ – unter diesem Motto steht das heurige Freie Theaterfestival in Innsbruckmehr ...

Kultur
29.08.2014

Das Interesse lenken

Mit dem Tod von Emmy Klocker ist auch die Kunstsammlung in die Klockerstiftung eingegangen. Im Stiftmehr ...

Kultur
28.08.2014

„Das Komma steht gut da“

Ludwig „Luggi“ Ascher, Leiter des Komma in Wörgl, über die Bedeutung des Komma im Bezirk, programmatmehr ...

Kultur
27.06.2014

Ein Krimi, der keiner ist

Die Liebe zur Literatur kam früh, das Schreiben erst später. Mit „Die Deutschlehrerin“ hat Judith W.mehr ...

Kultur
01.06.2014

Viel Wirbel um …

Wegen eines verhängnisvollen Fehlers von Geschäftsführerin Christa Redik stellte ­Kulturlandesrätin mehr ...

Kultur
01.06.2014

Zentrum der Literatur

Das Forschungsinstitut Brenner-Archiv feiert heuer seinen 50. Geburtstag. Es hat sich längst als Sammehr ...

Kultur
01.06.2014

Nah am Zuschauer

Claudia Lugger, Obfrau der Schlossbergspiele Rattenberg, spricht über die Pflege des Publikums, den mehr ...

Kultur
01.06.2014

Landauf, landab

Vor 25 Jahren wurde die TKI gegründet, um speziell die Kulturinitiativen im ländlichen Raum in den Fmehr ...

Kultur
27.03.2014

Bequem eingerichtet

Das Freie Theater Innsbruck sollte der Hotspot der „freien Theaterszene“ werden. So war der Plan. Domehr ...

Kultur
Treffer 1 bis 10 von 232
<< Erste < Vorherige 1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 Nächste > Letzte >>
Kultur
27.06.2014

Erfolgsschriftstellerin Judith Taschler-Wögerbauer; Foto:Saringer

Ein Krimi, der keiner ist

Die Liebe zur Literatur kam früh, das Schreiben erst später. Mit „Die Deutschlehrerin“ hat Judith W. Taschler nun den renommierten Friedrich-Glauser-Preis gewonnen.

Als der Name fiel, riss die Frau, die in der dritten Reihe saß, die Arme in die Höhe und stieß einen lauten Jubelschrei aus. Der Friedrich-Glauser-Preis – einer der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste Preis im Genre Kriminalliteratur im deutschsprachigen Raum – war ihrer. „Ein Traum“, sagt Judith Taschler und lacht. Dabei sei „Die Deutschlehrerin“ – erschienen 2013 im Wiener Picus Verlag – nicht einmal ein Krimi, sondern ein Roman, ein „Liebesroman der anderen Art“, der ein paar kriminalistische Elemente enthalte, mehr nicht.

Judith W. Taschler, geboren 1970 in Linz, kam erst relativ spät zum Schreiben. Doch seit vor zwei Jahren ihr erster Roman „Sommer wie Winter“ erschien, hat sie, salopp gesagt, einen Lauf. Es folgten ein weiterer Roman, dann ein Erzählband, der dritte Roman ist bereits gedruckt. Gerade so, als hätte sie etwas aufzuholen. Das hat sie vielleicht – vielleicht aber auch nicht.

Beim Festival „Criminale“ in Deutschland trifft sich die Crème de la Crème der deutschsprachigen Krimischriftsteller zum Austausch untereinander und mit den Lesern. Hier wird der „Glauser“ vergeben, benannt nach dem Schweizer Friedrich Glauser (1896–1938), der als erster deutschsprachiger Krimiautor gilt. Bernhard Schlink hat den Preis schon erhalten, ebenso Ingrid Noll, Robert Hültner, Alfred Komarek und Thomas Glavinic. Nun also Judith Taschler. Der Verlag habe das Buch einfach eingereicht, ohne ihr etwas zu sagen, sagt sie, und allein schon zu den Nominierten zu gehören, habe sie wahnsinnig gefreut. „Ich dachte natürlich, keine Chance zu haben, schließlich ist ‚Die Deutschlehrerin‘ kein Krimi“, betont Taschler. Hingefahren ist sie natürlich trotzdem und das war gut so, denn die Jury war anderer Meinung. „Liebe, Verrat und Tod. Das sind die großen Themen des Lebens, die Judith Taschler sprachlich virtuos in ein kleines Kammerspiel packt. Und es sind die leisen Töne, die dieser als Zwiegespräch geführten Lebensbeichte eine dramatische Tiefe verleihen“, heißt es im Jury-Entscheid. Ein wunderbarer Erfolg für eine Schriftstellerin, die erst im Alter von 40 Jahren begonnen hat, professionell zu schreiben.

Taschler ist allerdings keine Spätberufene im klassischen Sinne, sie hat in ihrem Leben nur lange andere Prioritäten gesetzt. Nach der Matura ging sie für einige Zeit in die USA. Dann probierte sie verschiedene Berufe aus, war Sekretärin, Horterzieherin, Autoverkäuferin. Mit 24 schließlich beschloss sie, Germanistik zu studieren, zog nach Innsbruck, lernte ihren heutigen Mann kennen, bekam das erste Kind noch während des Studiums. Das Schreiben, das sie in der Jugend zu ihren wichtigsten Beschäftigungen gezählt hatte, die Geschichten, die schon damals erzählt werden wollten, die verdrängte sie. Irgendwann vielleicht, dachte sie, und die Jahre vergingen, bis sich schließlich eine Idee festsetzte in ihrem Kopf und zu einer Geschichte wuchs. Das war vor vier Jahren. Taschler setzte sich an den Computer und in drei Monaten war „Sommer wie Winter“ fertig. Manche Dinge brauchen eben Zeit zum Reifen, meint sie rückblickend, die Lebenserfahrung, die sie gesammelt habe, helfe ihr nun bei den Geschichten. Sie schickte das Manuskript an den Innsbrucker Haymon-Verlag, doch der lehnte ab. Also versuchte sie es bei anderen. Der Droschl-Verlag habe sie dann an den Verlag Picus verwiesen. „Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich den nicht kannte“, schmunzelt Taschler. Doch genau der war es, der ihr Buch sofort ins Programm aufnahm. 

Es war nicht zuletzt die spezielle Konstruktion des Romans, welche den Verlag und dann die Kritik überzeugte. Die Lebensgeschichte des Adoptivkinds Alexander Sommer, seiner Pflegefamilie und seiner leiblichen Mutter wird anhand von Therapiegesprächen erzählt. „Noch Tage später hat mich die Geschichte nicht losgelassen. Gibt es eine bessere Empfehlung für ein Buch“, fragte Christine Westermann vom Westdeutschen Rundfunk (WDR). Die Leser befanden: Nein. Das Debüt wurde ein großer Erfolg auch in Deutschland. „Sommer wie Winter“ ist mittlerweile in der vierten Auflage, die fünfte erschien im Rahmen von „Innsbruck liest“. 10.000 Stück des Romans wurden an Interessierte verschenkt. Letztes Jahr kam „Sommer wie Winter“ als Taschenbuch im Goldmann-Verlag heraus. Da war ihr zweiter Roman längst fertig. „Die Deutschlehrerin“ sei „ein raffiniert komponierter Roman über zwei Menschen und die extremen Konsequenzen einer gescheiterten Beziehung. Die Geschichte beginnt harmlos, aber sie ist es nicht. Überhaupt nicht“, schrieb Jutta Sommerbauer in der Tageszeitung Die Presse. Dass er wie der erste Roman gekonnt mit Krimielementen arbeitete, trug mit Sicherheit zum Erfolg der „Deutschlehrerin“ bei – was der „Glauser“ dann eindrücklich bestätigte.

Tatsächlich schafft es Taschler stilistisch gewandt, mit cleveren Konstruktionen und Wendungen die Erwartungshaltung der Leser immer wieder zu durchbrechen und die Geschichte in eine überraschend neue Richtung zu treiben. Da strickt eine nicht nach bekannten Mustern, sie sucht und findet raffinierte.

An Material mangelt es ihr nicht. „Mich fallen die Geschichten einfach an“, sagt Taschler. Und sie sammelt. Manchmal ist es ein Satz, der ihr plötzlich einfällt, manchmal eine Figur, die sich vor ihrem geistigen Auge entwickelt und mit ihr eine Geschichte. Taschler legt die wesentlichen Handlungsstränge fest, spinnt sie durch – im Schreiben werden diese dann immer wieder überprüft, auch geändert, wenn es stimmiger erscheint. „Bei der Deutschlehrerin war angedacht, dass sie das Kind ihres ehemaligen Lebensgefährten entführt. Während des Schreibens kam mir eine Idee, die besser passte“, so die Autorin. Taschler ist eine disziplinierte Schreiberin, wie die meisten Autoren. Diszipliniert ist sie allerdings nicht nur aus beruflichen Gründen, ihre Familie soll nicht zu kurz kommen. Taschler taktet ihr literarisches Schaffen nach dem Schulkalender; ihre Buchprojekte laufen in Semestern. 

Den Vormittag, wenn ihre Kinder in der Schule sind, nutzt sie zum Schreiben, konsequent. „Ich bin ein Workaholic und würde auch am Wochenende schreiben“, schmunzelt sie. Ihre Familie halte sie davon ab, ständig vor dem Computer zu sitzen und über die nächste Geschichte zu sinnieren. Bisher konnte sie ihre Lesungen großteils auf den Schulkalender abstimmen, doch mit dem Glauser dürfte das nun schwieriger werden. „Der Verlag hat schon angekündigt, dass die Lesereise diesmal ausgiebiger ausfallen sollte“, sagt Taschler. 

Schließlich will ihr nächstes Buch beworben werden. „Roman ohne U“ kommt im August heraus. Die frischgebackene Glauser-Preisträgerin wird jede Menge Aufmerksamkeit haben.
Susanne Gurschler

 

ZUR PERSON

Judith Taschler-Wögerbauer, geboren 1970 in Linz, wuchs in Putzleinsdorf im Weinviertel auf. Sie studierte in Innsbruck Germanistik und arbeitete einige Jahre als Lehrerin. 2011 erschien ihr erster Roman „Sommer wie Winter“ im Picus Verlag, der sich hervorragend verkaufte. Es folgten der Roman „Die Deutschlehrerin“, für den sie den Friedrich-Glauser-Preis erhielt, und der Erzählband „Apanies Perlen“. Im August kommt ihr neuestes Werk „Roman ohne U“ in den Handel. Taschler lebt mit ihrer Familie in Innsbruck.

 

 

Keine Einträge im Gästebuch gefunden.