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27.06.2014

Studienautorin Christina Sagioglou; Foto:Lechner

Stimmungstöter

Das mediale Echo auf ihre Studie hat Christina Sagioglou überrascht. Kein Wunder, stellte die Innsbrucker Psychologin mit ihrem Co-Autor doch fest, dass Facebook-Nutzer ihre in dem sozialen Netzwerk verbrachte Zeit als sinnlos empfinden und nachher schlechter drauf sind.

ECHO: Mit Facebook assoziiert man nicht gerade schlechte Stimmung und dass es die Nutzer unglücklich macht. Was war Ihre Motivation, sich in einer Studie mit der Stimmungslage von Facebook-Usern zu beschäftigen? 

Christina Sagioglou: Zum einen ist Facebook als Netzwerk sehr beliebt – und es ist ein soziales Netzwerk. Damit eignet es sich potenziell als Forschungsgegenstand. Zum anderen ist es in der Sozialpsychologie oft so, dass eine persönliche Komponente eine Rolle spielt, dass man sich selbst schon gefragt hat, wie sinnvoll Facebook eigentlich ist, was es mit den Menschen macht, während sie es nutzen. Ich selbst war vor einigen Jahren bei Facebook, ich hatte immer das Gefühl, meine Zeit verschwendet zu haben. In diesem Zusammenhang ist dann mit meinem Dissertationsbetreuer und Co-Autor Tobias Greitemeyer die Idee entstanden zu untersuchen, was emotional mit den Facebook-Nutzern passiert.

ECHO: Wie sind Sie bei der Untersuchung vorgegangen?

Sagioglou: In dem vor Kurzem publizierten Aufsatz geht es um drei Studien. Für die erste haben wir über den Facebook-Account unserer Forschungspraktikantin einen Link gepostet. Wir wollten von den Nutzern, die darauf reagiert haben, zuerst wissen, wie es ihnen gerade geht – eine Art Stimmungsmaß. Danach sollten sie sagen, wie lange sie, bevor sie auf den Fragebogenlink geklickt haben, auf Facebook waren. In der Folge haben wir uns bei den 123 Studienteilnehmern den Zusammenhang zwischen Stimmung und Dauer der Facebook-Nutzung angeschaut und festgestellt, dass die Stimmung, je länger sie auf Facebook waren, umso schlechter war. Den kausalen Zusammenhang, ob die Leute auf Facebook gehen, weil sie schlecht gelaunt sind, oder ob Facebook schlechte Laune macht, konnten wir aber noch nicht feststellen. 

ECHO: Diesen kausalen Zusammenhang, dass Facebook zu schlechter Laune führt, konnten sie in einer zweiten Studie nachweisen.

Sagioglou: Ja, es war wieder eine reine Online-Studie, diesmal mit drei Gruppen, denen die jeweils rund 80 Probanden per Zufallsgenerator zugewiesen wurden. Diese mussten dann entweder 20 Minuten auf Facebook, 20 Minuten generell im Internet oder gar nicht surfen – als Kontrollgruppe, um die grundsätzliche Stimmung zu erheben. Nach den 20 Minuten wurden die Probanden gefragt, wie sinnvoll diese Zeit für sie war und – mithilfe eines Stimmungsfragebogens – wie es ihnen geht. Zwei unterschiedliche Fagenkomplexe deshalb, weil wir wissen wollten, warum Facebook die Stimmung verschlechtert. Das Ergebnis zeigt, dass Facebook im Vergleich zu den zwei anderen Gruppen schlechtere Stimmung macht und als Zeitverschwendung angesehen wird.

ECHO: Die Befragten sagen selbst, dass die Zeit auf Facebook sinnlos war?

Sagioglou: Das hat uns auch überrascht. Es kann auch eine Art Rechtfertigung sein, da wir sie ja aufgefordert haben, auf Facebook zu surfen. Aber unabhängig davon muss man sagen, dass Facebook im Vergleich zu den zwei anderen Gruppen als sinnloser betrachtet wurde. In diesem Zusammenhang haben wir uns dann gefragt, warum die Leute auf Facebook gehen, wenn sie selbst erkennen, dass es sinnlos ist.

ECHO: Und das Ergebnis?

Sagioglou: In der Sozialpsychologie spricht man vom affektiven Vorhersagefehler. Das heißt, dass wir den emotionalen Einfluss, den ein zukünftiges Ereignis auf uns haben wird, falsch einschätzen – sowohl im Positiven als auch im Negativen. So schätzt man zum Beispiel im Vornherein sein Glück als grenzenlos ein, wenn man gefragt wird, wie man sich bei einem morgigen Lottogewinn fühlen wird. Das tatsächliche Glücksgefühl ist dann aber nicht grenzenlos. Ähnliches haben wir bei Facebook vermutet, dass die Leute den Einfluss von Facebook besser einschätzen, als er tatsächlich ist. Daher haben wir die 100 Teilnehmer der dritten Studie gefragt, wie sie sich nach 20 Minuten auf Facebook zu fühlen glauben. Die Antwort war auch dementsprechend: „Besser als vorher.“ Das deutet darauf hin, dass sich Facebook-Nutzer in Bezug auf den emotionalen Einfluss, den Facebook hat, verschätzen – durch die zweite Studie wissen wir ja, dass es ihnen schlechter geht. Ob es aber die Ursache ist, dass Menschen online gehen, nämlich dass sie erwarten, dass es ihnen danach besser gehen wird, das haben wir direkt nicht überprüft. Dies ist aber naheliegend, da wir meistens Dinge machen, von denen wir denken, dass sie gut für uns sind.

ECHO: Facebook wird unterschiedlich genutzt – vom passiven Surfen bis hin zu angeregter Kommunikation. Haben Sie diesen Unterschied auch untersucht?

Sagioglou: Wir haben noch nicht unterschieden, was die Personen auf Facebook machen, wir haben lediglich Facebook mit Internet verglichen. Wir untersuchen es aber im Moment. Unsere Vermutung ist, dass wir einen Unterschied finden werden. Vieles deutet in die Richtung, dass passives Surfen, der passive Konsum von Information als sinnlos erachtet wird und sich negativ auswirkt, die Kommunikation auf Facebook aber nicht so stark. Das heißt, zum ungerichteten Zeitvertreib, zum Heben der Stimmung scheinen soziale Netzwerke nicht geeignet zu sein.

ECHO: Ihre Studie ist nicht die einzige sozialpsychologische, die sich in letzter Zeit mit Facebook und sozialen Medien beschäftigt hat. Warum boomt das Thema?

Sagioglou: Das Interesse daran ist enorm angestiegen, da es auch ein sehr junges Forschungsfeld ist. Es ist aber nicht so, dass Face-book in der Sozialpsychologie mehr erforscht wird als andere, bekanntere Dinge.

ECHO: Gibt es Nachfolgeprojekte?

Sagioglou: Wie gesagt untersuchen wir, welche Aktivitäten auf Facebook sinnvoller sind als andere. Zwei Studien dazu haben wir schon abgeschlossen, die Daten haben wir aber noch nicht vollkommen analysiert. Auf Basis dessen wollen wir dann überlegen, ob wir weitermachen werden und wie. Prinzipiell ist es sicher sinnvoll. Wir konnten ja noch nicht untersuchen, was auf Facebook die Stimmung senkt. Natürlich muss man anerkennen, dass Facebook für viele Sachen – wie etwa die Organisation des Studiums – ein sinnvolles Werkzeug ist, dass andere Dinge aber nicht so sinnvoll sind. Ich glaube, dass dies auch eine wichtige Botschaft ist: nicht zu vermitteln „weg aus Facebook“, sondern zu vermitteln, dass die Nutzer mehr reflektieren, was sie da eigentlich tun. Interessant wäre auch noch zu untersuchen, warum die Leute eigentlich auf Facebook gehen. Da stößt man aber schnell an die Grenzen, -dies zu erfassen – wir Menschen sind uns oft einfach nicht bewusst, warum wir etwas tun.
Interview: Andreas Hauser

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