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28.08.2014

Aggressiver Angreifer: Das Ebola-Virus; Foto: phil.cd.gov

Tod aus dem Urwald

Ebola ist einer der gefährlichsten Erreger der Welt. Er tötet schnell und grausam. Die Patienten sterben an multiplen Blutungen und einem septischen Schock. Die Angst vor dem Virus aus dem Regenwald Afrikas hat auch Tirol erreicht und doch gibt es unter den Viren weitaus bedeutendere Killer.

Es fing alles ganz harmlos an. Magenkrämpfe sind schließlich nichts Ungewöhnliches bei einem zweijährigen Kind. Dann kam Fieber dazu. Grund zur Besorgnis, aber noch kein Grund in Panik auszubrechen. Doch als der Stuhl des Kleinkindes schwarz wie Teer wurde und es sich außerdem oft und heftig erbrach, war klar, es war ernst – und außerdem zu spät. Am 6. Dezember 2013 starb Patient Zero, nur vier Tage nachdem sich die ersten Symptome bemerkbar gemacht hatten. Der Tod kam für ihn lautlos, schnell und namenlos. Genau wie für seine Mutter, seine Schwester und seine Großmutter, die innerhalb von drei Wochen ebenfalls starben. Erst Monate später, im März 2014, konnte man den Verursacher identifizieren: ein gefürchteter alter Bekannter – das Ebola-Virus.

Ebola, ein Fadenvirus, das zur Familie der sogenannten Filoviren gerechnet wird, trat das erste Mal 1976 in der Republik Kongo in Erscheinung, damals noch Zaire. Seitdem kam es zu rund 30 Ausbruchswellen, in denen es plötzlich auftauchte, tötete und wieder verschwand. Alle bisherigen Epidemien blieben allerdings lokal begrenzt, die Zahl der Infizierten auf einige Hundert beschränkt, auch wenn je nach Virenstamm die Sterblichkeit der Patienten mit bis zu 90 Prozent erschreckend hoch war. Doch diesmal ist es anders.

Noch nie geriet eine Ebola-Epidemie dermaßen außer Kontrolle, noch nie fielen ihr so viele Menschen zum Opfer, noch nie war ihre Verbreitung so schwer zu stoppen. „Möglicherweise ist dieses Virus virulenter als andere Ebola-Viren, die man davor gekannt hat, da die Mortalitätsraten sehr hoch sind“, sagt dazu Günter Weiss, stellvertretender Direktor des Departments für Innere Medizin der Medizinischen Universität Inns-bruck. Laut WHO sterben bei der aktuellen Erkrankungswelle zwischen 60 und 90 Prozent der Patienten. Außerdem brach die Seuche das erste Mal in Westafrika aus, bisher waren hauptsächlich Fälle aus Zentralafrika bekannt. „Von Ebola weiß man relativ wenig. Es scheint so zu sein, dass es auch hier eine kleine Änderung gibt und möglicherweise unterschiedliche Stämme von Ebola in Umlauf sind, die eine unterschiedliche Pathogenität aufweisen. Mittlerweile kennt man fünf unterschiedliche Stämme. Der westafrikanische Stamm ist ein neuer, bei dem man nicht weiß, ob er tatsächlich neu ist oder ob bisher nur noch niemand Kontakt mit diesem Erreger hatte“, erklärt Weiss. Aber nicht nur eine möglicherweise neue Form des bekannten Fadenvirus ist für die massive Ausbreitung in Westafrika verantwortlich.

Dem Virus gelang es, relativ lange inkognito sein tödliches Werk zu verrichten. Da es in Westafrika noch nie zuvor aufgetreten war, hatten die Mediziner es nicht auf ihrem Radar. Die üblichen Schutzmaßnahmen wie Quarantäne und Barrieremaßnamen blieben deshalb lange aus. Als man den geräuschlosen Killer schließlich doch identifiziert hatte, stellte sich der Eindämmung sofort ein weiterer Feind, diesmal menschlichen Ursprungs, in den Weg – die Angst. 

Wer vermutete, sich angesteckt zu haben, traute sich nicht in ein Krankenhaus zu gehen, aus Furcht, sich dort erst recht zu infizieren. „Erkrankte sind über weite Strecken geflohen, vielleicht sogar bis nach Nigeria, und haben die Infektion dann auch dorthin getragen“, sagt Weiss. So wurde aus einem lokalen Ausbruch, der mit Patient Zero seinen Ausgang in einem kleinen Dorf namens Meliandou im Distrikt Guéckédou in Guinea nahm, eine außer Kontrolle geratene Epidemie. Sie griff nicht nur auf die benachbarten Staaten Liberia und Sierra Leone über, sondern breitete sich sogar bis in das über tausend Kilometer entfernte Nigeria aus. In den betroffenen Ländern herrschen zum Teil kriegsähnliche Zustände, eine schnelle Eindämmung scheint in naher Zukunft unwahrscheinlich. Bisher starben mehr als 1100 Menschen, über 2100 sind infiziert. Tatsächlich dürften die unregistrierten Fälle noch weit über den offiziellen Zahlen liegen. Aber was macht Ebola so gefährlich für den Menschen? Wieso gibt es auch knapp 40 Jahre nach seinem ersten Auftreten weder einen Impfstoff noch eine wirksame Therapie? 

„Ebola gehört sicher zu den Viren, die die katastrophalsten Auswirkungen haben, weil das Virus die Eigenschaft hat, der Abwehr des Immunsystems zu entgehen“, erklärt Weiss. Das menschliche Immunsystem hilft uns normalerweise, eine Infektion zu überleben, indem es Viren abtötet. Dabei spielen Interferone eine entscheidende Rolle. Doch dieser kampferprobte, natürliche Schutzschild ist im Fall einer Ebola-Infektion völlig nutzlos. Ebola-Viren sind gegen Interferone immun. Versuche bei früheren Ebola-Ausbrüchen, bei denen Patienten gezielt Interferone gespritzt wurden, hatten nicht nur gezeigt, dass sie keinerlei Effekt bei der Bekämpfung der Erkrankung hatten. Die Patienten starben sogar eher als jene, denen keine Interferone verabreicht wurden, führt der Immunologe aus. „Das Virus ist so gut, dass es der Kontrolle des Immunsystems relativ leicht entgeht und das macht es natürlich auch so gefährlich. Es gibt keine effektive Therapie. Das Virus breitet sich im Körper aus und führt zum Versagen von vielen Organen und multiplen Blutungen und letztendlich zum septischen Schock, der durch das Virus hervorgerufen wird oder durch sekundäre Infektionen, die dann aufgrund dieser schweren Virusinfektion auftreten. 

Trotz aller Hiobsbotschaften rund um Ebola, das Risiko, dass es sich weltweit verbreitet, schätzen Experten einhellig als vernachlässigbar ein. Zum einen wird Ebola nach bisherigem Wissensstand nicht durch die Luft übertragen, sondern nur über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Schweiß, Urin oder Speichel. Das Virus wird außerdem erst dann ansteckend, wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist. Auch dass der Flugverkehr zum großen Einfallstor nach Europa wird, scheint aus derzeitiger Sicht unwahrscheinlich. Umfassende Kontrollen sollen verhindern, dass bereits Erkrankte ein Flugzeug betreten und selbst wenn diese Vorsichtsmaßnahme versagt, ist das Ansteckungsrisiko für die Mitfliegenden minimal. „Falls es tatsächlich eine bereits erkrankte Person in den Flieger schafft, ist das Risiko für jene Person am größten, die direkt neben ihm sitzt. Für andere Passagiere ist das Risiko relativ gering“, beruhigt Weiss. Ein „theoretisches Restrisiko“ sieht er in der Benützung der Flugzeugtoilette. Das Virus könnte über den Urin ausgeschieden werden und so auf verschiedenen Oberflächen kleben bleiben. „Wie lange sie an diesen Oberflächen bleiben, weiß man nicht so genau, was man allerdings weiß, ist, dass diese Viren empfindlich sind gegen konventionelle Desinfektionsmittel.“

Das Hämorraghische Fieber, wie Ebola auch genannt wird, klingt mit seinen hohen Todesraten und seinem blutigen Verlauf wie die Schöpfung eines Horrorfilmautors und dennoch gibt es unter den Viren weit effektivere Killer. Die Spanische Grippe tötete zwischen 1918 und 1920 je nach Schätzung zwischen 20 und 50 Millionen Menschen, entvölkerte ganze Landstriche und stürzte Generationen ins Elend. Verantwortlich war ein Virus. Der gefürchtete Influenza-Stamm A H1N1, der erstmals 2005 rekonstruiert werden konnte. Influenza-Viren sind in der Lage ihre Oberflächenstruktur ständig zu ändern oder sich mit anderen Viren aus dem Tierreich zu rekombinieren. So entstehen immer neue Erreger, die dem Immunsystem völlig unbekannt sind. Im Fall der Spanischen Grippe fand die Übertragung durch die gefürchtete Tröpfcheninfektion schnell von Mensch zu Mensch statt. Genau vor dieser Kombination – einem tödlichen Virus mit effektiver Verbreitungsstrategie – fürchtet sich die Menschheit bis heute. Nicht umsonst versetzten Grippe-Viren, wie die Schweinegrippe oder Vogelgrippe, die Weltöffentlichkeit schnell in Panik. Bisher glücklicherweise zu unrecht. Eine Pandemie wie die Spanische Grippe hat sich bis heute nicht mehr wiederholt. Die Angst davor ist allerdings geblieben. „Bei der Spanischen Grippe sind die meisten an Lungenblutungen oder an sekundären bakteriellen Infektionen gestorben, das war zu einer Zeit, in der es noch keine Antibiotika gegeben hat. Die Haupttodesursache war die bakterielle Superinfektion“, sagt Weiss. Mit Hilfe von Antibiotika könnte man heute viele Todesfälle verhindern, wenn auch bei Weitem nicht alle. Sollte also tatsächlich eine neue Pandemie auf uns zurollen, könnte eine Verheerung wie Anfang des 20. Jahrhunderts vermutlich verhindert werden. Katastrophal wären die Auswirkungen dennoch. Neben den vielen verschiedenen Influenza-Viren, gibt es aber noch eine Vielzahl anderer Erreger, die jährlich Millionen Menschen das Leben kosten, die aber im Gegensatz zu Ebola nicht bei jedem Ausbruch vom grellen Licht der Weltöffentlichkeit beschienen werden. 

Schätzungen der WHO zu Folge sind Durchfallerkrankungen für eine bedeutende Anzahl von Todesfällen verantwortlich. Jährlich sterben drei bis vier Millionen Menschen an der Infektion mit sogenannten Rotaviren. Betroffen sind vor allem Kinder, die sich durch verunreinigte Lebensmittel oder Wasser anstecken. Ein Problem, mit dem in erster Linie Entwicklungsländer zu kämpfen haben. Auch AIDS ist in den vergangenen Jahren zunehmend aus den Schlagzeilen verschwunden, dennoch tötet es weiter. Seit dem Erkennen des HI-Virus in den 1980er Jahren starben 30 Millionen Menschen an den Folgen einer Infektion, 1,8 Millionen Menschen stecken sich pro Jahr neu an, rund zwei Millionen sterben an den Folgen. Ein Heilmittel ist nach wie vor nicht in Sicht. Infektionskrankheiten sind also weltweit die unbestrittenen „Killer Nummer eins“. 25 Prozent aller Menschen erliegen direkt einer Infektionskrankheit, rechnet man noch jene dazu, die nach einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder einer Tumorerkrankung an Infektionen sterben, liegt diese Zahl bereits bei 35 Prozent. Und das wird vermutlich auch so bleiben. Eine völlig neue Herausforderung sind durch die hohe weltweite Mobilität und die veränderten klimatischen Bedingungen, importierte Infektionskrankheiten. Ebola ist nur eine davon und nicht die Gefährlichste.
Sonja Kainz


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