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24.09.2014

Erwin Thoma; Foto: Jakob Hirsch

Häuser mit Heilkraft

Erwin Thoma war Förster. Das intensive Leben mit der Natur hat ihn zu einem Botschafter der Bäume gemacht. Heute baut der Unternehmer energieautarke Häuser aus reinem Holz und seine Bücher über die Heilkraft des Waldes werden regelmäßig zu Bestsellern. Er ist sich sicher, in Zeiten steigender Energiepreise ist seine Holzbauweise zukunftsweisend.

Ein Baum ist für Erwin Thoma nicht einfach ein Baum. Ein Baum wächst, lebt, wird krank und stirbt. Ein Baum reagiert auf seine Umwelt, kooperiert sogar mit ihr. „Ein Baum ist ein Organismus wie der Mensch auch, er ist ein ganz normales Lebewesen“, sagt er. Der ehemalige Förster hat viele Jahre lang im und mit dem Wald gelebt, jetzt baut er Häuser aus reinem Holz. So soll die Natürlichkeit und Lebendigkeit dieses Naturmaterials erhalten bleiben. Seine Holzbauweise, die er 1998 patentieren ließ, kommt ohne Nägel, ohne Leim und ohne zusätzliches Dämmmaterial aus. Trotzdem erzielen seine Konstruktionen erstaunliche Werte bei der Wärmeregulierung. Ein Wärmeleitkoeffizient von Lambda 0,079W/mK sei Weltrekord unter allen tragenden Baustoffen, so der Firmeneigentümer. Die Wände bestehen aus rund dreißig Zentimeter -dickem, unbehandeltem Holz, das durch eine eigens entwickelte Methode zu einem dichten Block zusammengefügt wird. Dabei werden die einzelnen Brettleger mit trockenen Holzdübeln verbunden. Durch die Restfeuchte im Holz quellen und wachsen sie ineinander wie Äste an einem noch in der Erde verwurzelten Stamm. 

Der 52-Jährige bezeichnet sich selbst als „Ökofundamentalisten“, allerdings aus technischen Gründen. Die Ergebnisse unterschiedlichster Prüfungen, die Baustoffe durchlaufen müssen, scheinen ihm jedenfalls Recht zu geben. Die Brandschutzprüfung bescheinigte den zweithöchsten Wert, REI 120 Minuten. Bei dieser Prüfung wird das Holz einer Temperatur von 1000 Grad Celsius ausgesetzt und man beobachtet, wie lange es unter diesen Bedingungen stabil bleibt. Die Angabe REI 120 Minuten entspricht der zweithöchsten Feuerbeständigkeitsklasse, höchstfeuerbeständig, und bedeutet, dass das Material dem Feuer zwei Stunden lang standhält. Holz verkohlt, anstatt tatsächlich in Flammen aufzugehen. Damit schlägt Holz gängige Baustoffe wie Ziegel und Beton. Der lebende Baustoff Holz beeindruckt auch bei Tests bezüglich Erdbebensicherheit, denn es bricht nicht, sondern gibt nach, biegt sich und passt sich an. Auch beim Schallschutz oder der Abschirmung von Strahlung kann Thoma mit offiziellen Messergebnissen die Vorteile seiner Bauweise belegen. Doch diese technischen Daten sind dem Ingenieur nicht genug, denn, was manche nur ahnen oder einem vagen Gefühl zuschreiben, ist für ihn Gewissheit – Bäume und ihr Holz haben auf uns Menschen eine heilsame Wirkung. „Wenn Sie in Holz in seiner reinen Form leben, haben sie eine nachweisbar längere Lebenszeit“, so Thoma. 

Sein aktuelles Buch „Die sanfte Medizin der Bäume“ widmet sich deshalb dem Thema, wie sich Holz auf unseren Organismus auswirkt. Gemeinsam mit seinem Co-Autor Maximilian Moser, Professor an der Medizinischen Universität Graz, hat er wissenschaftlich untersucht, wie der menschliche Körper reagiert, wenn er vom natürlichen Rohstoff Holz umgeben ist. „Der Pulsschlag reduziert sich, der Schlaf wird tiefer und das Immunsystem verbessert sich.“ Untersucht wurden vor allem Fichte und Zirbe. Man könne aber davon ausgehen, dass diese positiven Ergebnisse auch auf andere Hölzer übertragen werden können. Verantwortlich für diese Reaktionen sind die ätherischen Öle des Holzes. Sie wirken nicht nur beruhigend, sondern auch antimikrobiell. Im Baum wehren sie beispielsweise schädliche Einflüsse wie Pilze, Bakterien und Viren ab. Für Thoma ist klar: „Es gibt keinen vernünftigen Grund, nicht mit Holz zu bauen.“ Dennoch kann sich der Unternehmer zwar über einen beständigen Erfolg seiner Firma mit rund 140 Angestellten freuen, davon zu sprechen, dass ihm seine Holzhäuser regelrecht aus den Händen gerissen werden, wäre allerdings eine Übertreibung: „Die Bauwirtschaft ist eine Wirtschaft mit sehr starken beharrenden Kräften.“ Das System wandle sich sehr langsam. Bei öffentlichen Ausschreibungen zum Zug zu kommen, bleibt schwierig. Der Großteil seiner Kunden sind deshalb private Bauherren, die sich aus Überzeugung für ein reines Holzhaus entscheiden. Die zunächst höheren Kosten sind dabei sicher kein unwesentlicher Faktor. Die Holzbauweise schlägt mit Mehrkosten in Höhe von zehn Prozent gegenüber der konventionellen Bauweise zu Buche. „Allerdings haben sich diese Mehrkosten innerhalb von fünf Jahren amortisiert.“ Niedrige Energiekosten sind dafür ein wesentlicher Faktor. Wenn man beispielsweise Erdwärme und Sonnenenergie nutzt, können die Holzhäuser völlig energieautark werden. 

Für viele ist das in Zeiten ständig steigender Energiepreise eine beruhigende Vorstellung. Auch Thoma glaubt, dass es sich in Zukunft niemand mehr wird leisten können, nicht mit Holz zu bauen. Doch würde unser Wald das überhaupt verkraften, wenn wir ihn noch intensiver nutzen? „Unserem Wald geht es besser, als man allgemein meint“, beruhigt der Botschafter der Bäume. Allerdings steht er durch den Klimawandel unter Veränderungsstress. „Ich mache mir im Zweifel aber mehr Sorgen um die Menschen als um die Bäume. Bäume sind sehr anpassungsfähig.“ Der Wald kann also ohne uns leben. Wir aber höchstwahrscheinlich nicht ohne den Wald.
Sonja Kainz

ZUR PERSON

Erwin Thoma, geb. 1962 in Bruck am Großglockner, Salzburg, lebt mit seiner Frau und drei Kindern in St. Johann im Pongau. Nach einer Ausbildung zum Förster – den Beruf übte er u.a. mehrere Jahre im Karwendel aus – und inspiriert vom alten Zimmermann Gottlieb Brugger, dem Großvater seiner Frau, entdeckte er das uralte Wissen um Holz, Mond, naturgerechten Umgang mit dem Wald und menschengerechtes Bauen Schritt für Schritt neu. Heute bietet das Thoma-Forschungszentrum Holz für Hausbau, Fußböden, Möbel und Wintergärten an. Seine Patente und Innovationen sind international anerkannt und prämiert.

 

 

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