Salz und Silber

Der Salzabbau in Hall und der Silberabbau in Schwaz machten Tirol im 15. und 16. ­Jahrhundert zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort in Europa. Der Handel blühte. Mit dem Versiegen des Silbers verloren die Orte aber wieder an Bedeutung.

Als die Produktion 1967 eingestellt wurde, war das Vorkommen noch lange nicht erschöpft. Im Gegenteil: Noch immer wäre so viel Salz vorhanden, dass man für mehrere Jahrzehnte ganz Europa mit dem „weißem Gold“ aus dem Halltal versorgen könnte, heißt es. Doch der Abbau war unrentabel geworden. Das lag zum Teil wohl an der geografisch schwierigen Lage des Bergwerks im lawinen- und murenreichen Halltal, hauptsächlich aber sicher daran, dass Salz längst zur industriellen Massenware geworden war, was dazu führte, dass man sich beim Abbau des Minerals auf die großen Vorkommen in Österreich konzentrierte. Acht Hauptstollen durchzogen den neun Kilometer nördlich von Hall gelegenen Berg zu diesem Zeitpunkt. Das unterirdische Streckennetz umfasste zuletzt 22 Kilometer. Inklusive der aufgelassenen Stollen dürfte es insgesamt mindestens 80 Kilometer lang sein. Zum Vergleich: Jenes in Hallstadt kommt auf geschätzte 65 Kilometer. Nicht nur das „älteste Salzbergwerk der Welt“, auch das in Tirol kann auftrumpfen: Es blickt auf eine 700-jährige Geschichte zurück, war nicht nur das höchstgelegene in den Ostalpen, sondern tatsächlich der älteste Industriebetrieb des Landes.

Hall verdankt dem „weißen Gold“ alles, genauso wie Schwaz dem Silberabbau. Im 15. und 16. Jahrhundert waren diese beiden Orte nicht nur die bedeutendsten in der Region. Sie strahlten auch weit über die Landesgrenzen hinaus, machten Tirol zu einem international wichtigen Wirtschaftsstandort. Das kostbare Haller Salz wurde in die Gebiete der heutigen Schweiz ebenso geliefert wie nach Mailand oder München. Und das Schwazer Silberbergwerk war lange das größte und ertragreichste in ganz Europa – es war „aller perckhwerck muater“. Als der Bergsegen sich neigte, verloren beide Orte nicht nur an Bedeutung, sondern auch an Identität – und die Herrschenden natürlich wichtige Einnahmen.

Es war im Jahr 1232, Graf Albert III von Tirol schenkte dem Hospital am Ritten oberhalb von Bozen jährlich zwölf Fuder Salz „de salina mea, quam habeo in Intal iuxta Tavr castrum meum“, also fast 1400 Kilogramm Salz von seiner Saline in der Nähe des Schlosses Thaur. Soweit nicht ungewöhnlich. Kirchliche Einrichtungen wurden des Öfteren mit Salz oder Salzvorkommen beschenkt, war es doch das wertvollste Gut der damaligen Zeit und wurde als Zahlungsmittel verwendet – der Begriff „Salär“ für Gehalt verweist heute noch darauf. Doch diese Passage ist zudem der älteste Beleg dafür, dass im Tal südlich des Karwendels Salz gewonnen wurde. Man geht davon aus, dass es zunächst noch in Form salzhaltiger Quellen zutage trat, und das „Pfannhaus“ (Sudhaus), in der das Salz durch Sieden gewonnen wurde, in der Nähe der Quellen stand. Bereits wenige Jahre später wurde allerdings Hall erstmals urkundlich erwähnt. Man war es offensichtlich leid, die riesigen Holzmengen, die es für das Anfeuern der Sudpfannen brauchte, in das abgelegene Tal zu transportieren, und hatte das „Pfannhaus“ an den Inn verlegt. Hier konnte das Brennmaterial leicht angedriftet werden.

Der Holzbedarf für die Gewinnung des Minerals war gigantisch. Rund 300.000 Baumstämme sollte die Saline Hall in ihren produktivsten Jahren brauchen, zum Anfeuern der Feuerstellen in den Pfannhäusern, aber auch zum Ausbau und Stützen des Stollensystems. Ein Teil kam über das Stempeljoch ins Halltal, ein Teil aus anderen Regionen Tirols und den Gebieten der heutigen Schweiz. Mit der Verlegung der Saline war der Grundstein gelegt für einen rasanten Aufstieg des Ortes zu einem überregional bedeutenden Salzproduzenten und Handelsplatz.

Salz war eine heiß begehrte und kostbare Ware. Es diente zur Konservierung von Lebensmitteln: Ob Pökelfleisch, Käse oder Gerbereiwaren – ohne Salz ging gar nichts. Zudem galt es als wichtiges Arzneimittel, unzählige Medikamente wurden auf dessen Basis hergestellt. Seit alters her hatte es eine geradezu mystische Bedeutung in Religion und Brauchtum. Und es stand für Reichtum. Das Salzfässchen durfte auf keinem Tisch fehlen, je prunkvoller die „Saliera“ und je besser gefüllt, desto vermögender war der Besitzer. Vor allem aber: Salz war lebensnotwendig. Kein Mensch, kein Tier konnte ohne überleben. Seit der Mensch sesshaft geworden und sich auf Viehzucht verlegt hatte, war sein Bedarf am „weißen Gold“ stetig gestiegen. Das führte dazu, dass Salz das erste und wichtigste (Fern-)Handelsgut überhaupt darstellte.

Alle Handelsstraßen, die Europa, aber auch Asien oder Afrika durchzogen, waren zunächst „Salzstraßen“ gewesen (siehe „Salzstraßen“ auf Seite 45), denn das Gut musste von salzreichen in jene Gegenden gebracht werden, in denen kein oder kaum Salz vorkam. Schon in der Antike hatten sich daher die Herrschenden Salzmonopole gesichert und den Handel besteuert. Da es häufig zu Überfällen kam, nutzten die Salzfuhrleute im Mittelalter ausschließlich Wege, die unter dem Schutz von Burgherren bzw. Landesfürsten standen, wofür diese eine Steuer einhoben. Große Städte wie Hamburg, Lübeck oder München, aber auch Warschau und Rom verdanken ihre Größe und ihren Wohlstand den uralten Salzstraßen.

Eine Salzquelle zu entdecken, war gleichsam ein Doppeljackpot, ein Segen für ein Land wie Tirol, das zwar an wichtigen Transitrouten lag, sonst aber nicht viel hatte, womit man handeln konnte. Das Haller Salz gehörte natürlich dem Landesfürsten und er setzte alles daran, seine neue Einnahmequelle richtig zum Sprudeln zu bringen. 1270 begann man, Stollen in den Berg zu treiben, damit die unterirdischen Adern zu erschließen und das Steinsalz professionell abzubauen. Die gewonnene Sole wurde in einem rund neun Kilometer langen Holzröhrensystem zum Pfannhaus in Hall geleitet. Für den Landesfürsten brachen fantastische Zeiten an. Binnen weniger Jahre wurde die Salzproduktion von zirka 2800 Tonnen auf 4500 Tonnen jährlich gesteigert. Damit wurde die Saline zur Haupteinnahmequelle des Landesfürsten und fettete sein Budget gehörig auf. 

Das „weiße Gold“ fand reißenden Absatz. Vor allem, wenn es von guter Qualität war, konnte man sehr hohe Preise erzielen. Das Haller Salz war offensichtlich begehrt, nicht nur bei den Einheimischen. Exportiert wurde es hauptsächlich auf zwei Routen. Eine der „Tiroler Salzstraßen“ führte schon früh von Hall durch das Außerfern ins Allgäu bis in die Nähe von Friedrichshafen am Bodensee, von wo aus die Ware in die Gebiete der heutigen Schweiz verschifft wurde. Eine weitere wichtige ging Richtung Süden, vorbei unter anderem über die Gemeinden Ampass, Ellbögen über Matrei am Brenner bis nach Trient und Rovereto, später auch Verona und Mailand. Eine ganz wesentliche Rolle für die Entwicklung des bereits 1303 mit dem Stadtrecht versehenen Ortes Hall zu einem über die Landesgrenzen hinaus bedeutenden Handelsplatz spielte zudem der Inn.

Güter auf dem Wasser zu transportieren war nicht nur billiger, es ging auch schneller. Wegen des Holzrechens, den man bei der Saline errichtet hatte, um das Treibholz aufzufangen, war der Fluss stromaufwärts nur bis Hall befahrbar. Dahinter wurde nur noch Salz und zwar bis nach Telfs geliefert. Diese Sperre machte die Salinenstadt zum prosperierenden Warenumschlagplatz für Export- und Importwaren, die über das Eck Bayern-Salzburg transportiert wurden. Schon im 14. Jahrhundert bildeten die Haller Schiffer einen Berufsverband (Zunft), dem gegen Ende des 16. Jahrhunderts 13 Schiffmeister und 52 Schiffsknechte angehörten. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts hatte Hall einen richtigen Endkopfhafen mit der entsprechenden Infrastruktur wie Lagerhäuser, Schiffswerkstätten. Monatlich wurden hier zwischen 60 und 80 Schiffe abgefertigt.

 An der Salzproduktion sowie am Handel wuchs der Wohlstand der Stadt, was dazu führte, dass sie die Residenzstadt Innsbruck an Bedeutung weit hinter sich ließ. Die Landesfürsten richteten sich hier gar häuslich ein, um bei ihren zahlreichen Besuchen adäquate Räumlichkeiten vorzufinden. Und noch heute zeigt allein die Tatsache, dass die Altstadt von Hall doppelt so groß ist wie die der Landeshauptstadt, wer damals die Nase vorne hatte. Ein Umstand, auf den man in Hall nicht ohne Stolz hinweist. Natürlich kam durch den intensiven Handel auch sehr viel Fremdwährung ins Land, was den Landesfürsten veranlasste, die Goldstücke einschmelzen und in der Münze Meran mit dem eigenen Konterfei neu pressen zu lassen. Mit dem „silbernen Zeitalter“ nahm die Geschichte Halls noch einmal eine neue Wendung und wurde mit jener von Schwaz aufs Engste verknüpft, einem bis dahin unscheinbaren Dorf, das für kurze Zeit zum Zentrum der Silbergewinnung in Europa wurde.

Der Sage nach soll 1409 die Magd Gertraud Kandlerin die Erzvorkommen in Schwaz entdeckt haben. Wenige Jahre später begann man in großem Stil zu schürfen. Knappen aus großen Erzbergwerken in Böhmen und Sachsen siedelten sich hier ebenso an wie solche aus anderen Gegenden des Römischen Reiches Deutscher Nation (siehe „Knappenfrust“ auf Seite 46). In der Hochblüte des Abbaus waren rund 10.000 Bergarbeiter hier beschäftigt, der ehedem kleine Ort schwoll zu einem pulsierenden Wirtschaftszentrum an, das Leute aus Nah und Fern anlockte. Mitte des 16. Jahrhunderts lebten in der Gegend um Schwaz rund 20.000 bis 25.000 Leute, Handwerk, Gewerbe und Handel florierten. Insbesondere die Vorkommen an Kupfer und Silber am Falkenstein erwiesen sich als gigantisch. Die Metallproduktion geriet zu einem europäischen Wirtschaftsfaktor und zur Silber- und Geldquelle der Herrschenden.

Der Bergbau wurde zwar privatwirtschaftlich betrieben, doch der Landesfürst erhielt Fronabgaben in Höhe von zehn Prozent des Roherzes. Dazu kam, dass das Silber von den Gewerken zu einem fixen Preis an die landesfürstliche Münze abgeliefert werden musste. Erst wenn dort der Bedarf gedeckt war, also die Münze genügend produziert hatte, konnten sie das Silber mit einem Aufschlag zurückkaufen. Kupfer durfte frei verkauft werden. Das Auslangen fand der Regent damit aber nicht. Die Tiroler Landesfürsten hatten immer schon auf großem Fuß gelebt. Und so wie die Haller Salzproduktion sehr bald verpfändet worden war, um den aufwendigen Lebensstil zu finanzieren, wurde schon 1456 der erste Kredit mit Schwazer Silber besichert – wenige Jahrzehnte später war das ganze Tiroler Silber und Kupfer an reiche Handelshäuser verpfändet.

Um 1470 herum durfte sich der „Erz“-Herzog allerdings noch als Nutznießer der wertvollen Bergschätze betrachten. Zu jener Zeit wurden Schwazer Silber und Kupfer schon in allen wichtigen Wirtschaftszentren im süddeutschen Raum gehandelt und die Geldtruhen nicht nur der Gewerken quollen über. Bis Mitte des 15. Jahrhunderts hatten sich heimische Kaufleute auf den lokalen und regionalen Handel konzentriert. Intensivere Wirtschaftsbeziehungen pflegten sie über die Innschifffahrt und die Route Außerfern insbesondere in den südbayerischen Raum und nach Norditalien über den Brenner und das Pustertal. Aufgrund des Wirtschaftsbooms nahm der Handel allerdings rapide zu. Davon profitierten insbesondere die Orte an den alten Salzstraßen. Neben Wirten und Handwerkern, wie Fasser, Schmied und Sattler, Seiler oder Wagner, waren es vor allem Fuhrleute, die es dadurch zu einigem Wohlstand brachten. Dazu kam natürlich die Möglichkeit, die im Land produzierten Waren feilzubieten.

Den größten Profit aus dem regen Warenverkehr schlug aber selbstverständlich der Landesfürst, der Zölle auf das Handelsgut einhob. So wurde etwa 1420 in einer Verordnung detailliert aufgelistet, bei welchen Waren, die den Brenner passierten, er die Hand aufhielt: Bei Baumwolle, seidenen Tüchern, Pfeffer, Ingwer, Zucker, Safran, Muskat, Zimt und anderen Gewürzen aus Venedig kostete der Zoll demzufolge 26 Groschen. Die Hälfte war zum Beispiel für Allaun, Salpeter, Schwefel, Kümmel, Mandeln, Feigen oder Anis zu entrichten. Für die aus Deutschland kommenden Stoffe wie Wolle oder Leinen sowie unverarbeitetes Fell aber auch Bernstein galt es sieben Groschen abzugeben. Für Kupfer, Blei und Zinn nach „gewogenem Maß“ waren ein Pfund Berner und acht Groschen fällig.

Anhand der Höhe der Zolleinnahmen lässt sich die Menge der transportierten Waren recht genau schätzen. So stieg zum Beispiel das jährliche Frachtaufkommen über den Brenner von rund vier Tonnen im Jahr 1300 auf rund 10.000 Tonnen im Jahr 1600. Das in Schwaz gewonnene Silber und Kupfer war zum größten Teil für den Export bestimmt, Augsburg und Nürnberg die wichtigsten Abnehmer. Produziert wurde in rauen Mengen. Allein am Falkenstein bauten die Knappen zwischen 1470 und 1530 fast 630 Tonnen Silber ab, zwischen 1531 und 1600 waren es 429. Als Rekordjahr ging das Jahr 1523 in die Geschichte ein. Da erzeugten die acht Gewerken fast 16 Tonnen Silber und über 1000 Tonnen Kupfer. Bis 1524 entfiel mehr als die Hälfte der in den fünf führenden Revieren in Europa erzielten Produktion auf den Tiroler Bergbau. Und der Bedarf an Edelmetallen stieg ständig.

Der Welthandel, der vorwiegend auf der Achse Antwerpen-Nürnberg-Augsburg-Venedig abgewickelt wurde, hatte einen enormen Bedarf an Silber als Zahlungsmittel. Hauptabsatzgebiete für die Erze waren zwar Norditalien und Süddeutschland, doch über Großunternehmer wie die Familie Fugger, die Niederlassungen in allen wichtigen Städten Europas hatte und der „Global Player“ im 16. Jahrhundert war, kam Schwazer Silber um die ganze Welt. So gelangte Messing über Antwerpen nach Lissabon und wurde dort in Form von Reifen (sogenannte „Manillas“) nach Afrika verschifft. Da auch die deutschen Wareneinkäufe in der Handelsmetropole Venedig mit Schwazer Silber bezahlt wurden, drang es von dort aus bis in den Orient vor. 

Aufgrund der massiven Silbervorkommen verlegte der Landesfürst die Münze bereits 1477 von Meran nach Hall, was der Salinenstadt langfristig eine gewichtige Stellung im Habsburgerreich sicherte, den Reichtum der Bürger mehrte. Trotzdem der wirtschaftliche Aufschwung ernorm war und der Handel florierte, darf man nicht vergessen, wie mühevoll und schwierig, kostspielig und gefährlich der Warentransport zur damaligen Zeit war. Mit Venedig als Handelsmetropole hatte die Route von der Lagunenstadt über Treviso, das Pustertal und den Brenner nach Hall an Bedeutung gewonnen. In der Salinenstadt wurden die Waren dann auf Schiffen weiter etwa nach München transportiert. Flussabwärts ging es leicht, umgekehrt war es schon schwieriger. Allein ein Schiff von Kufstein nach Hall zu manövrieren, erforderte fünf bis sechs Tage, von Wien bis in die Salinenstadt waren Güter sogar auf dem Wasser bis zu 14 Wochen unterwegs. Der Transport auf dem Landweg war häufig gefährlicher. Gerade in den Alpen führten weite Strecken über extrem abschüssiges Gelände, zudem machten Wegelagerer und Räuber viele Gebiete unsicher. 

Der Schwazer Bergsegen, der eine ganze Region quasi über Nacht europaweite Bedeutung, ja Weltgeltung gebracht hatte, war allerdings nicht von langer Dauer. Schon rund 100 Jahre nachdem mit dem professionellen Abbau begonnen worden war, fingen die Erträge an, empfindlich zu sinken. Viele Gewerken mussten das Handtuch werfen, zudem gerieten große Handelshäuser, die den Herrschenden bombastische Kredite gewährt hatten, zusehends selbst in Zahlungsschwierigkeiten. Eine zusätzliche Rolle spielte die Tatsache, dass in Übersee Silbervorkommen entdeckt wurden, die noch weit größer waren als jene in Schwaz. In Potosí im heutigen Bolivien zum Beispiel wurden allein im Jahr 1550 86 Tonnen Silber produziert, kurze Zeit später hatte sich der Ertrag mehr als verdoppelt. 

In Schwaz ging der Ertrag kontinuierlich bergab, viele der Knappen verließen den Ort wieder, versuchten anderswo ihr Glück. 1657 gaben die Fugger den Bergbau in Tirol auf, der staatliche Bergwerkshandel übernahm die Gruben. Bald wurde nur noch im ertragreichsten Revier, dem Falkenstein, abgebaut, 1832 auch dieses endgültig stillgelegt. „Aller perckhwerck muater“ war Geschichte. Die Salinenstadt, die sich mit Salz, Handel und der Münze im 15. und 16. Jahrhundert zu einem wichtigen Umschlagplatz in den habsburgischen Ländern entwickelt hatte, machte in der Folge stürmische Zeiten durch. Gerade die Münzstätte, die Hall im Spätmittelalter noch einmal zu höheren Weihen verhalf, indem sie von Meran hierher verlegt worden war, in die Nähe der Silberstadt, diese Münze symbolisierte auch den Niedergang der einstigen „Nebenresidenz“ der Tiroler Landesfürsten. Als Tirol von 1809 bis 1814 unter bayerische Herrschaft geriet, wurde die Münzprägung eingestellt, danach auch von Österreich nur mehr für spezielle Anlässe aktiviert. Dazu kam, dass mit dem Bau der Eisenbahnlinie München-Innsbruck und über den Brenner Mitte des 19. Jahrhunderts die Innschifffahrt unrentabel wurde. Nur die Saline hielt sich wacker in stürmischen Zeiten. Noch 1951 wurde sie als erste Österreichs mit einer modernen Thermo-Kompressionsanlage ausgestattet, schon 18 Jahre später aber kam das Aus für das Salzbergwerk Hall.

Die Salinenstadt Hall und die Silberstadt Schwaz waren einmal die größten Wirtschaftszentren des Landes und haben im 15. und 16. Jahrhundert große europäische Geschichte geatmet. Diese Geschichte ist nach wie vor lebendig. Susanne Gurschler

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