Aufbruch in die Neuzeit

Um 1500 erfuhr das Wirtschaftsleben in Europa nachhaltige Veränderungen. Handel und Gewerbe erlebten einschneidende Umstrukturierungen und eine Form des Frühkapitalismus etablierte sich durch die Ausformung eines internationalen Bankenwesens.

Globalisierung, Frühkapitalismus, Industrialisierung: Diese so modern scheinenden Begriffe kennzeichnen auch die beginnende Neuzeit. Die Ära Maximilians I. war eine Periode enormer wirtschaftlicher Veränderungen. Zwar blieb die Agrarwirtschaft weiterhin das Fundament für die Arbeit und das Leben der Mehrheit der Bevölkerung um 1500, aber besonders der Handel und das Gewerbe erfuhren einschneidende Umstrukturierungen. Waren aller Art zirkulierten im Europa des beginnenden 16. Jahrhunderts. Die Güter, die gehandelt wurden, waren keinesfalls nur Luxuswaren. Massenprodukte wie Getreide, Vieh, Textilien und auch Kupfer wurden über große Entfernungen transportiert. Die Lage der österreichischen Länder im Schnittpunkt aller großen Nord-Süd-Verbindungen eröffnete einen natürlichen Zugang zu den reichen süddeutschen und rheinischen Handelsstädten. Der Historiker Hermann Wiesflecker schrieb dazu in „Österreich im Zeitalter Maximilians“: „[...] und führte den österreichischen Kaufmann donauabwärts in das benachbarte Ungarn, das von Lebensmitteln und Edelmetallen überfloss, aber Bedarfsgüter brauchte; führte ihn auch nach Italien und Venedig, das die gesamten Luxusgüter der Mittelmeerländer und des Orients anzubieten hatte [...].“ Österreich konnte dafür Holz, Eisen, Silber und Blei aus der Steiermark und Kärnten, Kupfer und Silber aus Tirol und Getreide, Vieh und Wein aus den Donauländern verkaufen. Das frühmoderne Unternehmertum der zunehmend prosperierenden europäischen Städte versuchte sich auch in das Montangeschäft, in die bereits entstandenen Monopole und in den Fernhandel einzuschalten. Hier waren um 1500 allerdings schon die Handelsimperien der Fugger, Welser, Paumgartner und auch der Hochstetter dominierend. Sie und andere, weniger bekannte, waren Bankiers, Finanziers und Spekulanten im ganz großen Stil und häuften ungeheure Vermögen an. Günter Vogler schreibt in seinem Buch „Europas Aufbruch in die Neuzeit“ über diesen Aufbruch: „ [...] eröffnete sich bei gleichzeitiger Entstehung des Weltmarktes und sprunghafter Verstärkung des Geldumlaufes die höchst komplexe, Europa langfristig radikal verändernde, moderne Lebensgeschichte des Kapitals“. 

Die Jahrzehnte um 1500 bezeichnet Hermann Wiesflecker als „Wirtschaftswunderzeit unserer Geschichte“. Eine neue Wirtschaftsgesellschaft, so der Historiker, war im Entstehen. Die Spitzen des Hofes, der Verwaltung und der Wirtschaft machten glänzende Geschäfte. Im Berg- und Hüttenbetrieb, in produzierenden Gewerben wurde gut verdient, was sich auf die gesamte Arbeitswelt stark auswirkte. Die Städte wuchsen, Kirchenbauten, Paläste und Bürgerhäuser schossen aus dem Boden. Die Veränderungen dieser Zeit brachten einen bis dahin nie gekannten Wohlstand hervor, an dem die oberen, mittleren aber auch unteren Schichten bis zu einem gewissen Grad partizipierten. So soll Luther gesagt haben: „Man findet seit Christi Geburt nicht dergleichen in der Welt. Solches Bauen und Pflanzen war nicht so allgemein in aller Welt. Solch köstliches und mancherlei Essen und Trinken war auch nicht so allgemein wie jetzt. [...]. Wer hat je solche Kaufmannschaft gesehen, welche jetzt um die Welt fährt und alle Welt verschlingt?“ Aus heutiger Sicht wirkt diese Aussage direkt prophetisch.

Im Montanwesen wurde der Fortschritt vom ursprünglich genossenschaftlichen Prinzip zum frühkapitalistischen Großunternehmen besonders deutlich sichtbar. Gerade diese Großunternehmen trugen wesentlich zur Veränderung der Wirtschaft, Gesellschaft und der gesamten Arbeitswelt des 16. Jahrhunderts bei. An sich war Maximilian der größte Montanunternehmer, da ihm als oberstem Regalherrn alle Erträge aus dem Bergbau gehörten und damit die wichtigsten Grundstoffe der Wirtschaft. Allerdings hatte Maximilian ein Problem. Für den Betrieb in Eigenregie reichte das landesfürstliche Kapital bei Weitem nicht aus und für seine politischen Ambitionen und auch für seinen aufwendigen Lebensstil brauchte Maximilian ständig Geld – enorm viel Geld. Also verpfändete er die Bergwerke an Investoren. Im Tiroler Erz- und Anleihegeschäft hielten sich die Fugger als die führende Gesellschaft am längsten. Zunächst noch mit mehreren anderen süddeutschen Gesellschaften und einigen einheimischen Gewerken. Das wirkte, so schreibt Wiesflecker, zunächst wie eine Gründerwelle. Doch die enormen Gewinne führten schließlich auch zu einer völlig überhitzten Wirtschaftsentwicklung. Dies und die zunehmend höher werdenden Investitionskosten bewirkten, dass auch die großen einheimischen Investoren, wie die Tänzels aus Innsbruck oder auch die Stöckls aus Schwaz, am Ende bankrott gingen. Es waren schlussendlich die großen Handelshäuser aus Augsburg, Nürnberg oder Regensburg, die in Tirol, aber auch im Rest der österreichischen Länder die Oberhand gewannen.

Mit diesen Gesellschaften auf das Engste verbunden, verzeichnete der Handel generell einen sprunghaften Anstieg. Nach dem Abzug der Ungarn aus Österreich 1493 und nach der Beruhigung an der „Türkenfront“ kam der Handel an der Donau und auch in Innerösterreich wieder in Schwung. Der oberdeutsche Großhandel hatte allerdings schon vorher die österreichischen Märkte erobert, die durch jahrelange Inflation, während der sogenannten Schinderlingszeit, völlig entkräftet waren. Die Kaufleute aus Augsburg, Nürnberg, Frankfurt und aus anderen deutschen Städten unterhielten schon seit Langem enge Beziehungen zu den beiden Hauptströmen des europäischen Handels. Ausgehend von den norddeutschen Hansestädten im Norden und Venedig im Süden waren sie die Nutznießer mächtiger wirtschaftlicher Impulse, die sie an den österreichischen Wirtschaftsraum weitergaben. Auf den Märkten der habsburgischen Länder trafen sich um 1500 wieder Kaufleute aus ganz Europa. Die Ausweitung des Handels auf die Weltmeere verstärkte diese wirtschaftlichen Anstöße, welche vor allem den – zu dieser Zeit österreichischen – Niederlanden einen enormen Aufschwung brachten. So wurde zum Beispiel Antwerpen mit seinem Markt und seiner Börse bald zum Zentrum habsburgischen Geld- und Warenhandels. Von diesem Handel und dem Aufschwung, den er mit sich brachte, „naschten“ aber nicht nur die Großen. 

Auch die Bauern profitierten von diesem enormen Wirtschaftswachstum, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. In den österreichischen Ländern lebten um 1500 vermutlich mehr als eine Million Bauern. Das waren in etwa 80 Prozent der gesamten Bevölkerung. Davon waren wiederum, so Hermann Wiesflecker, etwa sechzig Prozent sogenannte Kleinhäusler und Dienstboten. Der österreichische Bauer war allerdings zu Beginn der Neuzeit nicht unmittelbarer Eigentümer seines Bauerngutes. Grund und Boden waren im Besitz des jeweiligen Landesfürsten oder weltlicher und geistlicher Grundherren. Diese bewirtschafteten den Boden nicht im Eigenbetrieb, sondern verliehen das Recht, diesen zu bewirtschaften, gegen bestimmte Leistungen und je nach Region zu sehr verschiedenen Besitzrechten. Das ideale Gebiet für eine solche Grundherrschaft waren die ertragreichen Ebenen in Niederösterreich, während das Bergland Tirols den Grundherren außer Käse, Schmalz, Eiern, Butter und einigen kleineren Abgaben nicht viel einbrachte. Die Tiroler Grundherren wurden von ihren niederösterreichischen Standesgenossen auch geringschätzig die „Käserbretter“ genannt, weil diese hauptsächlich vom Käsezins lebten. Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass der „Bergsegen“ viele Möglichkeiten mit sich brachte. So verdienten die Bauern am Fuhrwesen und als Erzeuger auch von den bereits zu dieser Zeit ständig steigenden Preisen für Lebensmittel. Ein Gesamtüberblick ergibt für Tirol das Bild eines zwar nicht reichen, aber doch recht wohlhabenden und selbstbewussten Bauernstandes. Die Lage der Bauern war allerdings je nach Region durchaus unterschiedlich. In Tirol und in den sogenannten Vorlanden war durch den langen Krieg mit Venedig gut zu verdienen. Ein guter Bauernhof war in Tirol zwischen 1000 und 1500 Gulden wert. Das waren nach heutigem Wert, auch wenn nur schwer genau zu bewerten und daher vorsichtig umgerechnet, rund 350.000 bis 500.000 Euro. In der Steiermark war ein vergleichbarer Hof nur 30 bis 60 Gulden wert. Ziemlich gut lebten auch die Bauern in Niederösterreich. Ihr Getreide, das Vieh und auch Wein waren in den Bergwerksgebieten und auch an den häufigen Kriegsschauplätzen heiß begehrt. Auch ob der Enns, so Wiesflecker, gab es Bauern, die mit 1000 Gulden Bargeldbesitz aufwarten konnten. Sieht man von Problemen durch eine Missernte oder durch den Einfluss einer unmittelbaren Kriegshandlung ab, scheinen die Quellen keine Hinweise auf allfällige Ernährungskrisen zu geben. Allerdings war der Bauer der Letzte im Gefüge der ständischen Ordnung und vielfach das Ziel des überheblichen Spottes der anderen Stände. Doch es finden sich durchaus Hinweise auf ein gewisses Selbstbewusstsein bei den Bauern. So lautete ein bäuerlicher Hausspruch: „Ich bin der Bauer auf meinem Hof und scher den Rock von meinem Schof (Schaft). Bettler, Bürger und die Herrn tun den Rock vom Bauern scheren.“ 

Wobei allerdings zu beachten ist, dass es durchaus Landstriche gab, die sich, abseits von den Hauptströmen der Wirtschaft gelegen, nicht recht entwickeln konnten und arm blieben. Doch von einer allgemeinen Verarmung konnte keine Rede sein. Die immer noch grassierende Münzverschlechterung und die stärker werdende Inflation waren nur beim Kleingeld und beim Einkauf für das tägliche Leben zu spüren. In weiten Bereichen bewirkte das Montangeschäft, das permanent frisches Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpte, der ständig wachsende Fernhandel und die kirchliche und weltliche Bauwut einen offensichtlichen Wohlstand, der breite Schichten erfasste. Zwar wurden die Reichen immer reicher, aber auch die Ärmeren, so Wiesflecker, hatten Arbeit und Brot. Bemerkenswert sind die Parallelen zu heute. Generell kann man sagen: Die Schere zwischen Arm und Reich ging immer weiter auseinander. 

Doch der Druck dieses „Montan-Kapitalismus“ hatte durchaus noch andere Auswirkungen. Begünstigt durch den Status als „Leitindustrie“ bildete sich in den großen Bergbaugebieten des Reiches unter den Bergarbeitern Frühformen einer organisierten „Arbeiterbewegung“, die allerdings kaum über die Bergwerksreviere hinaus wirkte. In einem Umfeld, in dem rücksichtslose Ausbeutung und Konkurrenz herrschten, waren sie die einzigen, die den skrupel- und hemmungslos agierenden Bergherren Schranken zu setzen im Stande waren. Schließlich konnten sie ihren Forderungen durch Streikandrohungen stets Nachdruck verleihen. Nicht zuletzt deshalb gehörten sie zu den Bestverdienern im Land. Ein Hutmann verdiente durchschnittlich 80 Gulden im Jahr und kam damit fast an einen Landrichter heran. Ein rangmäßig niederer, wie zum Beispiel ein Hauer, konnte mit etwa 60 Gulden rechnen. So viel verdiente ein mittlerer Hofbeamter. Auffällig sind dabei allerdings die Lohn- und Preisunterschiede zwischen Tirol, Steiermark und Gesamt-Österreich, die ein deutliches Gefälle zwischen den östlichen und westlichen Ländern erkennen lassen. Eine Aufstellung in Wiesfleckers Buch zeigt: Der Tageslohn eines Zimmer- oder Maurermeisters belief sich in Tirol auf rund zehn Kreuzer (ca. 58 Euro). In der Steiermark erhielt er zwölf Wiener Pfennige (rund 18 Euro), also weniger als ein Drittel. In Wien erhielt er 26 Pfennige (rund 40 Euro). Ein Tagelöhner in der Steiermark verdiente nur rund ein Viertel von dem, was sein „Kollege“ im Westen bekam. Allerdings war Tirol auch ein Hochpreisland. So kostete ein Paar Schuhe in der „Industriehochburg Tirol“ sieben Kreuzer (rund 40 Euro), in der Steiermark 20 Wiener Pfennige (rund 30 Euro) und in Wien gar nur 16 Pfennige (rund 24 Euro). Das Jahreseinkommen eines höheren Beamten lag bei 50 bis 70 Gulden (rund 17.500 Euro), das eines kleineren bei rund 30 Gulden. Das reichte mit Hilfe eines Hausgartens und einiger Hühner und Ziegen, um eine Familie zu ernähren. Zwar war die Kluft zwischen Arm und Reich immens, aber die Ansprüche stiegen während der Zeit der maximilianischen Regentschaft auch bei den sogenannten Kleinen Leuten. So schreibt Wiesflecker: „Die anhaltende Vollbeschäftigung und die guten Löhne steigerten auch den Konsum des kleinen Mannes. Gutes Essen und Trinken, Kleidung und kleiner Luxus brachten viel Geld unter die Leute.“ Man lernte allmählich das Geldausgeben. „Arm ist immer, wer mehr Ansprüche hat als Geld“, schreibt Wiesflecker. Wenn man sich mit der Oberschicht verglich, so der Historiker, dann konnte durchaus Neid aufkommen, denn es wurde immer offensichtlicher, dass die Oberschicht immer noch reicher wurde. 

Die landesfürstlichen Privilegien machten aus den Regalien große Monopole und förderten eine Art Frühkapitalismus, der die Wirtschaft, Gesellschaft, Lebenshaltung, Löhne und Preise in ganz Europa innerhalb relativ kurzer Zeit völlig veränderte. Die aufkommenden Großunternehmer belebten zwar die Wirtschaft, was zu einer Gründerwelle führte. Die wurde während der Regierungszeit Maximilians allerdings immer mehr durch Zunftzwänge, mangelnde Unterstützung durch die „Herrschaft“ und die Konkurrenz der Monopole der Großunternehmer behindert. Die stark wachsende Bevölkerung steigerte zudem die Nachfrage, was wiederum zu stark ansteigenden Preisen führte. Das Wachstum zeigte schon früh im 16. Jahrhundert sehr starke Anzeichen einer Überhitzung. Zudem bediente sich der „Staat“ an den Steuern und dem Kapital der großen Monopole, um möglichst viel Geld für die große Politik zu lukrieren. So wurden 1516 fast 70 Prozent der Staatseinnahmen für den Krieg verwendet. Nutznießer dieser Politik waren die großen Handelsunternehmen, wie die Fugger, die Welser oder auch die Hochstetter, denn sie waren die einzigen, die in Wirklichkeit die enormen Summen aufbringen konnten, die Maximilian und andere Potentaten, hier vor allem kirchliche, benötigten. Doch der Geldbedarf der Fürsten, Könige, des Klerus und der Päpste war schon aufgrund des Charakters der Gegenleistung keine Transaktion, die innerhalb eines exklusiv abgesteckten Finanzrahmens funktionierte, sondern enthielt zwangsläufig auch immer politische Konsequenzen. Hellmut Diwald schreibt: „Ohne diese Geldvirtuosen und Spieler des Kalküls wären die ungeheuren Staatsanleihen Frankreichs oder Spaniens nicht möglich gewesen.“ Keine Königs- oder Kaiserwahl, so Diwald weiter, die nicht durch gewaltige Summen in Gang gebracht oder entschieden worden wäre, kein Papst, der nicht gewusst hätte, dass die besten Leitern zum Stuhl Petris aus Gold waren und kein Krieg, der nicht mit gigantischen Summen hätte vorbereitet werden müssen. 

Doch dabei ist zu beachten, dass die Finanzierung von Fürsten und Königen seit jeher anderen Regeln folgte. Denn die Größenordnungen dieser Transaktionen standen naturgemäß entsprechende Gegenleistungen gegenüber: Sie erhielten dafür langfristig die Abgaben ganzer Städte, der Einkünfte aus der Münze, Pfandverschreibungen und Nutzungsrechte an Montan­unternehmen, dem damals wichtigsten Produktionsbereich. Die gewaltigen Einkünfte daraus investierten sie wiederum in ihre Projekte, darunter auch so gewagte wie Entdeckungsfahrten und den Überseehandel. Das wohl bekannteste Beispiel sind die Fugger. Unter der Ägide von Jakob (II) Fugger stieg die Firma zu einem Konzern auf, der von Skandinavien bis Süditalien, von Ungarn bis Spanien mit allem handelte, was Profit versprach: Metalle, Textilien, Geld, Gewürze, Pelze und Juwelen. Selbst Stiche von Albrecht Dürer vertrieben die Fugger mit Gewinn. Das Vermögen der Fugger soll während der „Regentschaft“ von Anton Fugger, dem Nachfolger von Jakob, auf bis zu sieben Millionen Gulden angestiegen sein. Eine Summe, die heute in etwa einem Vermögen von 2,5 Milliarden Euro entsprechen würde. Damit dürfte er vermutlich der reichste Mann der damals bekannten Welt gewesen sein. Das politische Kreditgeschäft in Europa erreichte unter Maximilian I. und seinem Nachfolger Karl V. seinen Höhepunkt. Je häufiger und größer das „Finanzieren“ wurde, umso reicher wurden einzelne dieser Bankiers und umso öfter brachen auch die Häuser kleinerer Geldgeber zusammen. Und umso regelmäßiger wurden die finanziell Erfolgreichsten zu politischen Schwergewichten. Ein Beispiel dafür ist ein Erlass des Kaisers Karl V. Nachdem es im Reich zunehmend Widerstand gegen die immer größer werdenden Monopole gab, gestattete er 1525 im Edikt von Madrid ausdrücklich die Monopolbildung bei Erzen und Metallen. Und die beherrschten die Fugger. Der Kaiser pries die mächtigen Handelshäuser mit den Worten, sie seien „größte Gabe und Nutzbarkeit“ und sicherten mit ihren Aktivitäten Hunderttausenden den Lebensunterhalt. Eine Formulierung, die man auch heute in ähnlicher Form in so mancher Regierungserklärung finden kann. Noch war diese Aussage nicht so falsch. Auch einfache Leute besaßen ein Bankguthaben. Der Hunger nach Geld, so Wiesflecker, schien eine Massenerscheinung. Auf jeder Messe schlugen die Gesellschaften, aber auch landesfürstliche Beamte ihre Wechselstuben auf. Ließ sich doch mit dem Umtausch der verschiedenen Währungen und durch kurzfristige Darlehen, wie sie auch häufig von durchreisenden Geschäftsleuten gebraucht wurden, sehr viel Geld verdienen. 

Doch in Wirklichkeit war die Zeit der wirtschaftlichen Hochblüte um 1520 schon vorbei. Als 1527 die Hochstetters, eine reiche Handelsfamilie sowie Bankiers  und  enge Geschäftspartner von Karl V., bankrott gingen, rissen sie dabei auch ihre Kleinanleger, die mit fünf bis zehn Gulden dabei waren, mit in den Abgrund. Noch schlimmer wurde es, als Karl seinen Generalschatzmeister Gabriel Salamanca beauftragte, sein Reich nach dem Maximilianischen Staatsbankrott zu entschulden und dabei vor allem kleinere Leute um ihr Geld brachte. Auch im reichen Venedig kam es zu großen Bankzusammenbrüchen, die den Lagunen-Staat bis auf die Grundfesten erschütterten. 

Zudem machte sich mit der Zeit der enorme Zufluss des aus den Kolonien in Südamerika importierten Goldes und Silber bemerkbar. Diese Importe führten nicht nur zu einer immer stärker werdenden Inflation in ganz Europa, sondern brachte unbemerkt vor allem Spanien in immer größere Bedrängnis, das schließlich 1557 den Staatsbankrott erklären musste. Auch Frankreich war zu diesem Zeitpunkt zahlungsunfähig. Diese gewaltigen Zusammenbrüche rissen dann auch die meisten der mächtigen und reichen Handelsfamilien mit, nur die Fugger überlebten, wenn auch gerupft, den Crash. Der Abschwung, der mit Fortdauer des 16. Jahrhunderts immer heftiger wurde, läutete eine lange Phase der wirtschaftlichen und politischen Depression ein, die in den Religionskriegen und der Hyperinflation des 17. Jahrhunderts enden sollte. Hugo Huber

zurück
nach oben