Gnadenschuss für den "Barbon"

Am 20. Februar 1810 wird der Passeirer Wirt Andreas Hofer in Mantua hingerichtet. Zwölf Schüsse sollen die Soldaten auf ihn abgefeuert haben, dann gab ihm ihr Kommandant den „Gnadenschuss“. Der Luxemburger Michel Eiffes ist der Mann, der Andreas Hofer erschoss.

Als Michel Eiffes am Nachmittag des 21. Oktober 1845 für immer seine Augen schließt, ist er mit sich und der Welt im Reinen. Jeder im luxemburgischen Befort (französisch: Beaufort) nimmt Anteil am Tod dieses hochgeachteten Kriegsveteranen und allseits geschätzten Gemeindemitglieds. Er hatte dem Städtchen einige Jahre als Gemeindesekretär, 15 Jahre als Bürgermeister und drei Jahre als Ratsherr gedient. In allen Ehren wird der Gastwirt am Friedhof von Befort beigesetzt, aktenkundig bleibt, in welcher Reihe sich das Grab befindet, der Grabstein allerdings verschwindet irgendwann. 

Gern hat er im Wirtshaus Begebenheiten aus seinem stürmischen Soldatenleben erzählt, das ihn quer durch Europa geführt hatte. Gern hat man ihm zugehört, denn zu erzählen gab es viel. Immerhin hat Eiffes 14 Jahre unter dem französischen Banner gedient und Napoleon stets als großen Feldherrn und Strategen gepriesen, auch als dieser längst entmachtet, auf die Insel St. Helena im Südatlantik verbannt ist, wo er 1821 schließlich stirbt. Eiffes Memoiren aber, die setzt ein anderer auf.

Enkel Pierre-Isidore macht sich daran, die Lebensgeschichte seines couragierten Großvaters für die Nachwelt festzuhalten, plant eine Biografie und veröffentlicht zwei Beiträge im „Luxemburger Sonntagsblatt für Erbauung Unterhaltung und Belehrung“, in denen er die „Erlebnisse eines alten luxemburgischen Napoléondieners“ wiedererzählt. Der Leser erfährt nicht nur, auf welchen Kampfschauplätzen sich der Luxemburger geschlagen hat, er erfährt auch, was der im Zivilleben so ausgeglichene Michel Eiffes Zeit seines Lebens nicht vergessen kann und was ihn Zeit seines Lebens wirklich grämt.

Als Soldat hat er nicht nur gegen die „muthigen“ Tiroler gekämpft, er befehligt auch jene zwölf Grenadiere, die das Todesurteil gegen Andreas Hofer, den Anführer der Tiroler Aufständischen, am 20. Feber 1810 in Mantua vollstrecken. Als deren Schüsse vor lauter „Bewegtheit“ schlecht treffen, ist Korporal Michel Eiffes genötigt, Andreas Hofer, diesen „tapferen Führer“, „mit einem 13. Schuss zu tödten“. Die Tat legt sich wie ein grauer Schleier auf das sonst so erfüllte Leben des Luxemburgers. Hätte er die Möglichkeit gehabt, er hätte Hofer verschont, heißt es in der Überlieferung. 

Michel Eiffes erblickt am 19. September 1779 im beschaulichen Befort das Licht der Welt. Rund 15 Jahre später fällt Luxemburg, das seit 1713 zu den österreichischen Niederlanden gehört hat, nach dem Einzug Napoleons unter französische Herrschaft. Als der 20-Jährige im Mai 1800 in die französische Armee einberufen wird, soll er sich der Rekrutierung zunächst entzogen, sich dann aber freiwillig gestellt haben, da er Repressalien gegen seine Familie befürchtete. Napoleon macht in jenen Jahren ganz Europa zum Kriegsschauplatz. Nach der Beteiligung an Feldzügen 1803 und 1804 wird Eiffes‘ Regiment ins französische Metz verlegt, von wo es im Jahr darauf über die Lombardei nach Verona vorstößt. Dort kommt es zu einer Schlacht mit den österreichischen Streitkräften. Es gelingt, diese bis Kroatien zurückzudrängen. Doch schon gilt es, das Küstengebiet bei Livorno gegen die einfallenden Engländer zu verteidigen – ein zermürbender Kampf, dem sich Eiffes und sein Regiment bis 1809 stellen. Und den er in seinen im „Luxemburger Sonntagsblatt“ veröffentlichten Memoiren lapidar als „langweiliges Wehren gegen die Schmarotzer­armee“ bezeichnet.

Nichtsdestotrotz gibt es heftige Gefechte, und Eiffes holt sich seine erste ehrenhafte Erwähnung, weil er zur Speerspitze derjenigen gehört, die die Festungsanlage von Laibach stürmen. Zwischenzeitlich sind die Österreicher aber wieder nach Italien vorgedrungen und die französischen Truppen setzen alles daran, diese über die Alpen nach Graz zurückzustoßen. Und während sich Eiffes nun todesmutig im Osten ins Schlachtgetümmel gegen die Österreicher wirft, zettelt Andreas Hofer den Massenaufstand der Tiroler gegen die bayerischen Besatzer und ihre französischen Verbündeten an. Drei Mal schlagen der Sandwirt und seine Mannen die Feinde am Bergisel in die Flucht. Doch die Siege bringen am Ende keine Befreiung von der bayerischen Herrschaft.

Nach den verlustreichen Niederlagen bei Znaim und Wagram – Eiffes war bei beiden Schlachten dabei – schließt Franz I. von Österreich am 14. Oktober 1809 Frieden mit Napoleon (Friede von Schönbrunn) und verzichtet endgültig auf die Tiroler Gebiete. Die siegreichen Tiroler aber wollen dies nicht akzeptieren, kämpfen weiter und Napoleon beschließt, das aufmüpfige Völkchen endgültig in die Knie zu zwingen. Am 23. Oktober, so heißt es in Eiffes‘ Erinnerungen, „marschierten wir von Gratz (Graz) ab, um den Krieg gegen die aufständischen Tiroler zu beginnen“. Fraglich ist, ob Eiffes bei der 4. Schlacht am Bergisel (1. November), bei der die Einheimischen eine schwere Niederlage hinnehmen müssen, dabei ist. In seinen Erinnerungen steht davon jedenfalls nichts. 

In die Niederschlagung des letzten, verzweifelten Aufbäumens – das sich zum Schluss in die Umgebung von Meran und nach St. Leonhard in Passeier verlagert – involviert ist er aber schon, nicht zuletzt, weil sein Standquartier zu diesem Zeitpunkt bereits Mantua ist. Er findet offensichtlich Gefallen an den „Freunden der Berge“ und ihrem charismatischen Anführer. „Diese Tiroler, ein Volk durchdrungen von der Liebe zur Freiheit und ihrer Heimath, muthig und voller Todesverachtung, besonders wenn es heißt, jene zu vertheidigen“, steht in den Erinnerungen. Geradezu elektrisiert fällt das Urteil über den Sandwirt aus: „Andreas Hofer, wie erhebend klingt dieser Name für einen jeden, der die Eigenschaften dieses Mannes zu würdigen weiß. Thränen kommen mir in die Augen, wenn ich von diesem tapferen Gebirgssohne singen oder sprechen höre.“

Der tapfere Gebirgssohn flüchtet, nachdem die feindliche Übermacht immer offensichtlicher wird, auf die abgeschiedene Pfandleralm im Passeiertal, zusammen mit seiner Familie und seinem engsten Vertrauten Cajetan Sweth. „Doch Verrath folgte ihm auf den Fersen“, wie der Luxemburger pathetisch festhält. Franz Raffl, Landwirt in der am Eingang zum Passeiertal gelegenen Ortschaft ­Schenna, verrät den Franzosen im Jänner 1810 den Aufenthaltsort von Hofer und steckt dafür 1500 Gulden ein. Am 28. Jänner, „um drei Uhr morgens wurde die Hütte eingekreist. Hofer und seinem Sekretär wurden die Hände im Rücken gefesselt, ein Seil um den Hals gelegt, ein anders um die Hüften“, steht im Beitrag „Michel Eiffes – soldat du Premier Empire“ von Daniel Geisen im zweiten Band des Buchs „Beaufort im Wandel der Zeiten“. Auch Anna Hofer und der 14-jährige Sohn Hans werden abgeführt, wobei die Soldaten mit den Gefangenen keineswegs zimperlich umgehen. „Es hagelte Schläge, die Soldaten rissen dem Sandwirt Haar- und Bartsträhnen aus. Diese Trophäen zeigten sie später in ihrer Kaserne“, heißt es. 

Dass Eiffes durch das beherzte Einschreiten eines befreundeten Offiziers davor bewahrt wird, bei der Gefangennahme seines verehrten „Helden“ dabei zu sein, indem jener an seiner statt den Befehl entgegennimmt – wie es der Dramatiker Pierre Schinhofer in seinem historischen Bühnenstück „Andreas Hofer – der Held vom Passeier“ (1905) schildert – entspricht wohl nicht den Tatsachen und ist vielmehr der künstlerischen Fantasie zuzuschreiben. Er erfindet übrigens auch ein besonders haarsträubendes Ende für den „Judas“ Raffl. In seinem Stück trifft diesen eine verirrte Kugel mitten „ins Hirn“, die – welch Ironie des Schicksals – bei der Erschießung Hofers in Mantua abgefeuert wird.

Doch zunächst einmal werden Hofer und seine Familie nach Bozen gebracht, wo Anna und Hans freigelassen werden. Für den Anführer der Insurgenten und Sweth geht es über Neumarkt, Trient, Rovereto und Peschiera weiter nach Mantua. Dort trifft der „traurige Zug“ mit „General Barbone“ (auch „Barbon“), wie ihn die Italiener nennen, am 5. Februar 1810 ein und wird von zahlreichen Schaulustigen empfangen. Der „bärtige General“ wird in der Zitadella di Porto interniert. Napoleon, der Hofer ursprünglich nach Vincennes in Frankreich überstellen lassen wollte, teilt seinem Stiefsohn Eugène de Beauharnais, Vizekönig von Italien, am 11. Februar mit, es sei sofort eine Militärkommission einzuberufen, um ihn in Mantua zu verurteilen und hinzurichten: „Die ganze Angelegenheit hat in 24 Stunden geregelt zu sein.“ Napoleon drängt nicht ohne Grund: Die Vorbereitungen für die Hochzeit zwischen ihm und der österreichischen Erzherzogin Marie Louise laufen auf Hochtouren – und Hofer soll ausgeschaltet sein, bevor Wien die Möglichkeit hat, zu reagieren.

Am 19. Feber 1810 findet der junge Mantuaner Rechtsanwalt Joachim Basevi einen Brief auf seinem Kanzlei-Tisch. Darin wird er von der „Spezial-Militärkommission“ aufgefordert, die Pflichtverteidigung des „bekannten Andreas Hofer“ zu übernehmen. Dieser habe auf sein Recht verzichtet, selbst einen Anwalt zu wählen. Laut den Erinnerungen Basevis, die der Anwalt Rudolf Granich­staedten-Czerva in einem schmalen Heftchen zusammen mit den Prozessunterlagen 1949 in Innsbruck veröffentlicht, gerät die Berufung als Verteidiger zur Farce. Er erhält„drei oder vier“ Berichte von Militärkommandanten zur Einsicht. Aus denen geht hervor, Hofer habe die Aufständischen noch zu einem Zeitpunkt angeführt, als er längst Kenntnis vom Friedensschluss und dem Erlass des Vizekönigs hatte, demzufolge jeder mit dem Tode bestraft wird, der sich jetzt noch gegen den Herrscher stellt. Zudem sei der Landeskommandant auf der Pfandleralm „mit dem Gewehr in der Hand“ gefangen genommen und seien ein paar Pistolen und ein Degen sichergestellt worden. Basevi moniert: „Es fand weder ein Verhör statt noch irgend etwas, was einem Prozess ähnlich gesehen hätte.“ Doch noch am selben Tag, um 15.00 Uhr, beginnt die Verhandlung im Palazzo Arco.

Im Gerichtssaal informiert der Pflichtverteidiger Hofer über die Anklagepunkte und dieser betont, er selbst habe nicht mehr gekämpft, sondern bloß einige Befehle gegeben. Zu denen sei er gezwungen gewesen, da ihn seine Getreuen ansonsten „in Stücke gerissen“ hätten. Das Gewehr habe er auf der Almhütte zum Schutz gegen Wölfe bei sich gehabt. Während das Kriegsgericht „andere Formalitäten vornimmt“, macht sich Basevi Notizen für das Plädoyer. 

Und dieses beginnt mit der kritischen Feststellung, der Angeklagte spreche „nach kurzer, kaum vierzehntägiger Untersuchungshaft“ und er selbst sei erst heute zum Amtsvertreter bestellt worden. Dennoch sei er aus tiefstem Herzen von der Unschuld dieses „einfachen, redlichen und fleißigen Mannes“ überzeugt, der aus Liebe zur Heimat das Amt eines „provisorischen Landverwesers“ angenommen habe und dem „jede Lüge fremd“ sei. Als Soldat habe der Sandwirt nur seine Pflicht getan und dafür könne er nicht bestraft werden. Und nochmals beanstandet Basevi die Hast, mit der die Untersuchungen geführt, dass keine Entlastungszeugen vernommen wurden, und er selbst nur sechs Stunden Zeit hatte, sich auf den Prozess vorzubereiten. Er schließt mit den Worten: „Ich kann ruhigen Gewissens behaupten, dass das vorliegende Beweismaterial zu einem Schuldspruch nicht ausreicht.“ Die Ankläger sehen das naturgemäß anders und argumentieren dementsprechend. 

Im Laufe des Verfahrens, das in französischer Sprache abgehalten wird, entspinnt sich noch ein heftiger Disput zwischen dem Advokaten und dem Dolmetscher. Dieser übersetzt nach Ansicht Basevis die Worte Hofers nur unzureichend ins Französische. Das Verhalten Hofers aber „zeichnete sich durch Ruhe, Offenheit und Würde aus“, notiert der Verteidiger. Nach zweieinhalb Stunden ist der Prozess abgeschlossen, und Hofer wird in seine Zelle geführt. Das Kriegsgericht zieht sich zur Beratung zurück und fällt einstimmig das Urteil –Tod durch Erschießen. Schon am folgenden Tag soll es vollstreckt werden.

Vollstrecker. Die militärischen Hinrichtungen finden nach einem genau festgelegten Ritual statt: Die Truppen bilden ein dreiseitiges Karree, die vierte Seite bleibt offen. Der Verurteilte wird in Begleitung eines Priesters und unter Trommelwirbel auf den Platz geführt, hat er das Zentrum erreicht, wird das Urteil verlesen. Nach einem weiteren Trommelwirbel werden dem Häftling die Augen verbunden und er muss niederknien. Zwölf Gefreite unter dem Kommando eines Offiziers eröffnen das Feuer auf das zehn Schritte entfernte Opfer. „Wenn der Verurteilte nicht mit der ersten Salve getötet wurde, stand ein Reservepeloton von vier Mann bereit, um ihm aus nächster Nähe den Gnadenschuss zu geben“, erläutert Daniel Geisen in seinem Aufsatz über das Leben von Michel Eiffes. Interessant ist das Prozedere schon allein deswegen, weil bei der Hinrichtung Andreas Hofers einige Dinge anders laufen.

Während in der Hofer-Literatur der Gang des Sandwirts zur Hinrichtungsstelle stets als erhaben und gefasst geschildert wird, erinnert sich ein Zeitzeuge eines anderen Szenarios. Der Mantuaner Graf Gio­vanni Arrivabene entsinnt sich in seinen Memoiren, den „Barbone“ am Tag vor der Exekution noch in einem Rollstuhl sitzend und gefesselt gesehen zu haben, umgeben von einer großen Schar Soldaten. Am 20. Februar 1810 in den Morgenstunden wird Hofer das Todesurteil verkündet und um 10.45 Uhr „schreitet“ er – wie der Innsbrucker Rechtsanwalt Granichstaedten-Czerva in seinen Prozesserläuterungen schreibt – zum Platz unter dem Festungswall. Hier erwarten ihn General Peter Franz Bisson, „das 2. Bataillon des 13. Regiments der Linieninfanterie, die Offiziere, die Mitglied der Jury waren, und der Anwalt Basevi“ (Geisen). Zwölf Grenadiere bilden das Hinrichtungskommando, sie stehen unter dem Befehl von Michel Eiffes. Es folgen – wenn man den Überlieferungen Glauben schenkt – die schmerzhaftesten Momente seines bisherigen Soldatenlebens. 

„Oh Gott, noch nie erschien mir meine Pflicht so grausam“, lässt ihn der Dramatiker Schinhofen verzweifelt ausrufen. „Mit schwerem Herzen ging ich ans Werk und nicht minder die von mir kommandirten Leute, die alle Achtung vor dem Tyroler­führer bekommen hatten“, steht in den „Erlebnissen eines alten luxemburgischen Napoléondieners“. Hofer verweigert die Augenbinde ebenso wie sich hinzuknien. Ein letzter Gruß Richtung Heimat, dann gibt der Sandwirt selbst den Befehl zu schießen. Wie dramatisch dieser Augenblick für alle Beteiligten ist, insbesondere aber für Eiffes und seine Grenadiere, hält Geisen in seiner an Spannung kaum zu überbietenden Schilderung fest. „Erste Salve: Hofer fällt in die Knie von sechs Kugeln getroffen. Zweite Salve: Hofer ist über den Augenbrauen, zwischen den Lippen und dem Kinn getroffen und bricht zusammen.“ Tot ist der stämmige „5 Schuh und 8 Zoll (185 cm)“ große Mann aber noch nicht. Nun ist es an Eiffes, den am Boden kauernden, schwerverletzten Kämpfer zu erlösen. Er tritt herbei, drückt ihm „die Waffe gegen die linke Schläfe und gibt den Gnadenschuss“ ab. Der Todesschütze selbst ist tief betroffen.

„So endete das Leben eines tapferen Führers; das war das traurige Schicksal eines Helden, der wahrlich ein schöneres, seinen Thaten angemessenes Loos verdient hätte. Doch der Krieg verschont keinen, sogar die Besten nicht, und niemand weiß heute, wie es morgen mit ihm stehen wird“, heißt es in den „Erlebnissen“. Noch am selben Tag wird der Leichnam zur Kirche von St. Michele gebracht und beigesetzt, was der dortige Priester im Totenbuch vermerkt. Auch im Sterbebuch von St. Leonhard in Passeier, der Heimatgemeinde des Schützenkommandanten, wird dessen Tod protokolliert. Auffällig hier das – später korrigierte – falsche Todesdatum und ein paar unlesbare Stellen: „Andras Hofer gewester (…) Wirth. an St. Grab auf dem Sandt. Verheurathet. Zu Mantua (…) erschossen, den 9. Merz 1810. 44 Jahr.“ Rund 13 Jahre später werden Hofers sterbliche Überreste in einer Nacht- und Nebelaktion ausgegraben, nach Innsbruck gebracht und in der Hofkirche beigesetzt.

Wenige Wochen nach Hofers Tod schreibt Eiffes von Vicenza aus einen langen Brief an seinen Vater. Darin berichtet er von den acht Schlachten, in denen er unter anderem in Italien, in Ungarn und Österreich gegen Österreich gekämpft hat. Er erzählt von der schweren Verwundung, die er überlebt hat, von seiner Gefangennahme und Freilassung. In diesem Brief finden sich keine Heroisierungen der aufständischen Tiroler. Vielmehr ist in jeder Zeile die Müdigkeit und Niedergeschlagenheit eines Soldaten spürbar, der seit fast elf Jahren ununterbrochen im Kriegsgebiet unterwegs ist und in dieser Zeit nie zu Hause war. „Ich habe so sehr auf diesem Feldzug gelitten, wie ihr es euch gar nicht vorstellen könnt. Nachdem der Krieg mit den Österreichern vorüber und der Friede geschlossen war, haben die Tiroler wieder mit uns begonnen. Sie haben uns in ihren Bergen viel Leid zugefügt, weil wir nicht so an die Berge gewohnt waren wie sie.“ Und er schildert, wie die unwirtliche Umgebung die tapferen französischen Soldaten, wie sie ihn mürbe gemacht hat. 

Nur Bären und andere Tiere gebe es im Gebirge. Der Schnee „ist sechs Fuß hoch, und an manchen Stellen sogar 40 Fuß. Wir sind 8 Tage im Schnee geblieben, ohne das Lager verlassen zu können. Die Hälfte stand in Waffen, die anderen machten Feuer, ohne Essen, ohne Brot, nur das Fleisch, das wir selbst erlegt hatten.“ Und er schließt seinen Brief mit einem Satz der Erleichterung: „Jetzt ist der Friede geschlossen und alles im Land ist ruhig.“ Doch für Michel Eiffes ist es noch nicht vorbei. Am 5. Jänner 1813 wird der Luxemburger zum Leutnant befördert und seine Pflicht führt ihn in der Folge von Italien nach Deutschland, wo seine Einheit der „Grande Armee“ unterstellt wird, und damit dem direkten Befehl Napoleons. Der Beforter kämpft unter anderem in den Schlachten von Lützen, Bautzen und Jüterbog und im September desselben Jahres wird er für die Ehrenlegion vorgeschlagen. Napoleons Stern befindet sich da allerdings schon im Sinkflug. Immer größer werden die Verluste, immer schmerzhafter die Niederlagen, die französische Armee ist auf dem Rückzug. Am 6. Oktober 1814, knapp 14 Tage nach seinem 35. Geburtstag, wird Michel Eiffes in allen Ehren aus der Armee entlassen. Er kehrt nach Befort zurück, heiratet und führt ein beschauliches, unaufgeregtes Leben als Gastwirt. Immer wieder erzählt er am Stammtisch von seinen Kriegserlebnissen. „Aber jedesmal, wenn er auf die traurige Episode von Mantua zu sprechen kam, traten ihm vor innerer Bewegung die Tränen in die Augen“, heißt es in einem Beitrag zum 220. Geburtstag jenes Mannes, der Andreas Hofer erschoss.  Susanne Gurschler

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