Silberner Segen

Reichtum und Adelsstand – Niedergang und Bankrott, für die Bergbauunternehmer war alles drin. Über das wechselvolle Schicksal der Gewerken, die sich um den Schwazer Bergsegen bemühten. 

Die Anfänge liegen im sagenumwo­benen Dunkel, doch muss es zirka 1410 gewesen sein, als man am Falkenstein in Schwaz auf das erste silberhal­tige Erz gestoßen ist. Hier lag ein Schatz, dessen ungeheure Dimension sich erst erweisen sollte – und der erst gehoben werden muss­te. Bergfachleute und Knappen waren in ­Tirol noch rar. Es mögen Abenteurer gewesen sein, die sich zunächst an die schwere ­Arbeit machten, schließlich jedoch die Hoffnung auf mehr bestätigt fanden. In der Folge blühte das Montanwesen in dem bis dahin kleinen­ Ort rasant auf. Schwaz wurde zur Bergbaumetropole Mitteleuropas, 1520 stammten 85 Prozent der weltweiten Silberproduktion von hier. Schwazer Silber legte den Grundstein für so manche Karriere, die in die Geschichte einging. Es ließ Kaufmannsfamilien zu Handelsgesellschaften emporsteigen, dynamisierte das Geldwesen und finanzierte die Großmachtpolitik der Habsburger. Über hundert Jahre ging es mit der Entwicklung bergauf, dann langsam, doch stetig bergab. Als der ganze Spuk vor­über war, hatte man zweieinhalbtausend Tonnen Silber gewonnen und allein in den Falkenstein hunderte Kilometer an Stollen gegraben. Doch das musste erst einmal finanziert werden. 

Der Fürst auf dem Erzberg. Aufgrund des Berg­regals fielen damals alle Bodenschätze dem Landesfürsten zu. 1426 erließ Herzog Fried­rich die erste Bergordnung, um die Erzsuche in geregelte Bahnen zu bringen. Mangels Erfahrung im Bergrecht griff man auf jene von Schladming zurück. Aus diesem Jahr datieren auch die ersten Grubenverleihungen an vier Gewerken „an dem gebirg ob Schwatz“. Noch wurde von Kleinstunternehmen in einer Art Arbeitsgenossenschaft abgebaut. Als euro­päisches Handelsprodukt findet Schwazer Silber dann erstmals 1431 Erwähnung, als der Augsburger Handelsherr Jakob Herwart das neue Tiroler Exportgut ankauft. 1441 wird die so genannte „Herrengrube“ an den Innsbrucker Kaufmann Jakob Tänzl verliehen. In dieser Zeit beginnt der Kaufherrenstand mehr und mehr das gewinnversprechende Betätigungsfeld zu entdecken. Er allein ist kapitalstark genug, um sich im kostspieliger werdenden Bergbau engagieren zu können. Die neuen Geldgeber ­finanzieren den Betriebsbedarf, der eigent­liche Abbau wird von Arbeitsgemeinschaften in halbselbstständiger Lehenschaft betrieben. Dieser Entwicklung trägt auch die neue Berg­ordnung Herzog­ Sigmunds aus den ­Jahren 1447/49 Rechnung, die mit der Festsetzung der Befugnisse der Beamten, der Arbeitszeit, der Löhne und der Lebensmittelversorgung für Jahrhunderte Vorbild blieb. Die Gewerken konnten den Abbau auf eigene Gefahr und eigenes­ Risiko innerhalb festgelegter Gruben­anteile betreiben, die vom Schiener vermessen und vom Bergrichter verliehen wurden. Der Landesherr hielt sich insofern gütlich, als ihm zum einen jeder zehnte Kübel Roherz zustand, der an den beamteten Froner abgeliefert wurde, und er zum anderen Gruben­anteile besaß, die er gegen Ersatz der Unkos­ten mit abbauen ließ. Darüber hinaus musste­ sämtliches Silber, das in den von den Gewerken betriebenen Schmelzhütten gewonnen wurde, an die Saline Hall und ab 1477 an die dortige Münzstätte abgeliefert werden – und das zum festen Preis von fünf Gulden pro Mark (281 Gramm). Es bestand jedoch die Möglichkeit gegen den so genannten Wechsel, der mit drei Gulden ebenfalls festgelegt war, einen Teil des Silbers zu behalten. Der Anreiz dazu war groß, lag doch zwischen den in Summe acht Gulden pro Mark und dem Welthandelspreis für Silber, der zwischen zehn und zwölf Gulden pendelte, eine satte Gewinnspanne. Dementsprechend wurde versucht, möglichst viel Silber frei zu bekommen. Die finanzkräftigsten Unternehmer waren somit im Vorteil. Als Schlüssel für die stärkste ­Po­sition unter den Gewerken sollte sich dabei die Darlehensvergabe an den Landesfürsten herausstellen. Da die Kredite meist mit Schwazer Silber beglichen wurden, das erst abzubauen war, konnte man die gesamte zukünftige Fördermenge über einen längeren Zeitraum an sich bringen – und somit die Konkurrenz in die ­eigenen Hände arbeiten lassen. Ein mit allen Regeln der kaufmän­nischen Kunst geführter Kampf um die Vormachtstellung war die Folge.

Schon früh begannen sich die in der aufblühenden Handelsmetropole zu Reichtum gekommenen Augsburger Kaufmannsfamilien für den Schwazer Bergbau zu interessieren. Nicht zuletzt der Finanzbedarf Sigmund „des Münzreichen“, der einen aufwändigen Lebens- und Regierungsstil pflegte, schlug hier Verbindungen. Schon 1456 wird für einen Kredit bei der Augsburger Handelsgesellschaft Meuting über 35.000 Gulden die Rückzahlung in Schwazer Silber vereinbart. Dennoch bestimmen bis zur Jahrhundertwende zu­nächst Tiroler Gewerken das Geschehen am Falkenstein in Schwaz, wie sich an den erhaltenen Betriebslisten ab 1470 nachvollziehen lässt. 38 Gewerken wurden zu dieser Zeit verzeichnet, zwanzig Jahre später sind es 18 und um 1500 nur mehr elf. Da sich nicht nur die Produktion, sondern auch der Betriebs­aufwand aufgrund der immer tiefer in den Berg getriebenen Stollen beträchtlich steigerte, blieb auf der Strecke, wer nicht die entsprechende finanzielle Vorschubleistung hatte. Übrig blieben die Großen, wie die Fördermengen in den drei Dekaden belegen. Neben Virgil Hofer von Salzburg standen zunächst die Inns­brucker Familie Tänzl, Hans Fieger von Hall und Jörg Perl von Schwaz an der Spitze. 

Der bereits erwähnte Jakob Tänzl galt schon 1463 mit einer Jahresförderung von 151 kg Silber als gewichtiger Gewerke. Doch erst unter seinem Sohn Christian und dessen Erben stieg die Familie zum bedeutenden Bergwerksadel auf. 1470 verkaufte Christian Tänzl die Weiherburg in Innsbruck an Erzherzog Sigmund und erhielt dafür Silbergruben in Schwaz. In den Jahren 1470-1491 erwirtschaftete er 22.800 kg Silber im Wert von über zwei Millionen Gulden. Er wurde zum Großgrundbesitzer und erwarb Schloss Berneck im Oberinntal. Der Sitz der Firma wurde nach Schwaz verlegt, wo das Tänzlhaus (das heutige Palais Enzenberg) vom Reichtum des Bergwerksunternehmers kündete. Einen Namen machte er sich auch als großzügiger Gönner und Leiter des Baus der Schwazer Pfarrkirche, in der er 1491 begraben wurde. Dass die Gesellschaft der Neureichen ständisches Bewusstsein an den Tag legte und Partnerschaften auch über Familienbande geknüpft wurden, zeigt sich an der Heirat seiner Schwester Eleonore mit Hans Jöchl, der nicht nur in Schwaz, sondern vor allem auch in Sterzing als Gewerke einen steilen Aufstieg hinter sich hatte. Mit Chris­tian Tänzls Söhnen Simon und Veith Jakob sollten zwei sehr unterschiedliche Charaktere die Firma übernehmen. Während Simon wenig Geschäftssinn zeigte und sich als stiller Nutznießer im Hintergrund hielt, erging sich Veit Jakob in der Zurschaustellung des Geldsegens. 1492 erwarb er Schloss Tratzberg und baute es über Jahrzehnte zu einem mächtigen Herrschaftssitz aus, mit Blick auf den Falkenstein. Als kaiserlicher Rat stand er bei Maximilian hoch im Ansehen, als Pfleger vom Imst und Rottenburg hatte er ein gewichtiges Wort mitzusprechen. Auch der Firmensitz in Schwaz wurde erweitert. Mit einem Verbindungsbogen zur Pfarrkirche verschaffte sich Tänzl einen direkten Zutritt in die heiligen Gemäuer. 1507 nahm er zudem die Grundsteinlegung des Franziska­nerklosters vor. Die Firma florierte bis in die zwanziger Jahre aufgrund der tüchtigen Faktoren überaus gut. Mit 195.000 Mark Brandsilber in den Jahren 1500-1529 stand er an der Spitze der einheimischen Gewerken in einer Zeit, wo die Konkurrenz aus Augsburg immer stärker wurde. 

Als zweites starkes einheimisches Unternehmen, das sich über die Jahrhundertwende hinweg behaupten konnte, erwies sich jenes des uralten Geschlechts der Fieger aus Hall. 1472 kam Hans Fieger nach Schwaz und etablierte sich im Bergbau. Die Brandsilberproduktion der Firma belief sich zwischen 1470 und 1499 auf 99.000 Mark. Fieger heiratete die zweite Schwester Chris­tian Tänzls, Chris­tina, die 12.000 Gulden Mitgift in die Ehe brachte. Die sieben Töchter wurden mit jeweils 10.000, die vier Söhne mit jeweils 30.000 Gulden ausgestattet. Für den Bergbau interessierte sich nach dem Tode des Vaters im Jahre 1503 allerdings nur Sigmund Fieger. Er führte das Unternehmen erfolgreich weiter und machte sich insbesondere als Schmelzfachmann einen Namen. In seinem Laboratorium durfte er Paracelsus in seine Kunst einweihen. 1508 besaßen die Fieger 32 Gruben am Falkenstein. Sigmund erwarb die Schlösser Kronburg und Matzen, die Familie wurde 1511 geadelt. 

Gewieft zeigte sich ein Abenteurer venezianischer Abstammung – Antoni vom Ross. Er begann seinen steilen Aufstieg in ­Tirol mit ­einer kleinen Anleihe von 2096 Gulden an Erzherzog Sigmund im Jahr 1472. Fünf Jahre später erlangte er vom Landesfürsten, dem er eine 50 %-ige Gewinnbeteiligung zugestand, das Privileg, für drei Jahre die gesamte Kupferproduktion Tirols aufzukaufen. Kupfer, das anders als das Silber frei gehandelt werden konnte, bekam unter anderem durch den Kanonenguss immer größere Bedeutung und hatte eine gehörige Wertsteigerung erfahren. Nachdem er eine neue Schmelzmethode entwickelt hatte, für die ihm Lizenzgebühren bezahlt werden muss­ten, brachte er 1486 auch seine gesamte Silberproduktion frei. Wenig geschmeckt haben dürfte ihm dabei, dass die Handelsgesellschaft Baumgartner aus Kufstein zu dieser Zeit den Preis für Silber am Markt in Venedig bestimmen konnte. Hans Baumgartner, ­hatte dem auf Grund des Krieges gegen die Venezianer in Finanznöten steckenden Sigmund eine Anleihe über 100.000 Gulden gegeben. Nun hatte der Kufsteiner Handelsmann, der seit 1472 schon ein bayrisches Silbermonopol besaß, seine Hand auch auf nahezu der gesamten Tiroler Silberproduktion. Antoni vom Ross wusste sich zu helfen, indem er ein großes Darlehen des Landesfürs­ten bei den Fuggern einfädelte. Somit war das Monopol der Baumgartner gebrochen. Von nun an sollte das Augsburger Handelsgeschlecht der Fugger, das sich in einem rasanten Aufschwung befand, beim ­Tiroler Silberhandel mächtig mitmischen. Antoni vom Ross ­jedoch ging aufgrund fehlgeschlagener Spekulationen als erster Gewerke in Schwaz Bankrott und verlor sein Unternehmen ausgerechnet an Baumgartner, der sein Gläubiger war. Dieser wiederum konzentrierte sich, nachdem die Fugger ihm den Silberhandel streitig machten, auf Kupfer und erreichte dort ein Monopol. Nach dem Tode Hans Baumgartners 1492 ging es mit der Firma jedoch langsam bergab. Zwar wurden bis 1512 noch 111.600 Mark Brandsilber erzeugt, doch kam es 1522 zum völligen Zusammenbruch. 

Mit dem Auftreten der Fugger setzt sich das Großkapital im Silberhandel immer mehr durch. 1488 bringen die Augsburger durch einen Kredit an ­Sigmund über 150.000 Gulden die Tiroler Silberproduktion in ihre Hände. Nach dem Antritt Maximilians als Landesregent setzt sich die Schuldenpolitik verstärkt fort. Jakob Fugger gelingt es, sich als Financier des neuen Herrschers unabkömmlich zu machen. Das Schwazer Silber wird zum Garant für die Großmachtpolitik der Habsburger. Die Produktion ist weiterhin steigend und erreicht 1523 den absoluten Höhepunkt. Am Falkenstein stehen über 200 Stollen in Betrieb, an die 10.000 Menschen arbeiten am Berg. 346 Tonnen Brandsilber und 22.400 Tonnen Kupfer werden zwischen 1500 und 1530 gefördert. Doch auch die Kos­ten steigen. Die einheimischen Gewerken können mit der Entwicklung immer weniger Schritt halten. Kleinere Unternehmen versuchen mit Zusammenschlüssen ihr Glück, doch nur die großen Familien überdauern die harte Konkurrenz einige Zeit. Einzig mit den Stöckl arbeitet sich noch einmal eine einheimische Gewerken­familie an die Spitze. Die Brüder Hans und Jörg Stöckl übernehmen 1494 die Firma ihres Vaters, der eine Tochter des erfolgreichen Gewerken Jörg Perl geheiratet hatte. 1501 bis 1507 werden die Unternehmen Perls und Stöckls zusammengeschlossen, wobei sich auch der Tiroler Kanzler Cyprian von Sarnthein an der Gesellschaft beteiligt. Ab 1510 machen sich die Brüder Stöckl selbstständig und als 1522 der Kufsteiner Martin Baumgartner aufgeben muss, übernehmen sie dessen Gruben in einer gemeinsamen Gesellschaft mit den Fuggern. Sie werden zu Burgherren und errichten ein prächtiges Handelshaus in Schwaz, das heute der Stadt als Rathaus dient. Die Gesellschaft mit den Fuggern hält allerdings nur drei Jahre. Jakob Fugger droht 1523 eine Monopolklage der Reichsbehörden. Die Augsburger Handelsdynastie besaß durch ihre Bergwerke in Ungarn und einen Anleihe­ver­trag in Tirol seit 1515 bereits ein euro­päisches Kupfermonopol. Nach dem enormen Kredit von 543.000 Gulden für die Kaiser­wahl Karls V. 1519 war auch das ­Tiroler Silber auf Jahre hinaus an sie verpfändet. ­Unter den Schwazer Gewerken regte sich immer mehr Unmut. Jakob Fugger reagierte geschickt, ­indem er ihnen in einem Sondervertrag 25 Prozent der Produktion zum freien Verkauf überließ. Nachdem Kaiser Karl V. im Edikt von Toledo die Großfirmen unter Reichsschutz gestellt hatte, stieg er nun selber in den Bergbau ein. 

Längst mischten auch andere Augsburger Handelsgeschlechter in dem Geschäft mit dem Tiroler Silber mit, so auch die ursprünglich aus Nürnberg stammenden Paumgartner. 1496 gibt Hans Paumgartner zusammen mit den Fuggern und anderen Augsburgern Maximilian einen Kredit von 60.000 Gulden gegen Schwazer Silber und wird in der Folge als Geldgeber für den Regenten immer wichtiger. 1498 beteiligt er sich mit den Fuggern am ersten Kupfer­syndikat. Schließlich gerät er in ­eine Schlüsselposition, als er 1502 kaiserlicher Rat wird und die Finanzkammer Innsbruck übernimmt. Direkt an der Quelle sitzend, erkennt er den Wert des Schwazer Silbers und steigt selber in den Bergbau ein. Nachdem er sich zunächst mit den Schwazer Gewerken Katzbeck und Auslasser zusammentut, übernimmt er 1517 deren Anteile und führt in der Folge das lukrativste Unternehmen. Dass allerdings selbst für die reichen Augsburger Handelshäuser das Abenteuer Schwaz zu einem immer größeren Wagnis wurde, zeigte sich am raschen Ende der Hochstetter. Nachdem sie zunächst mit den Fuggern zusammengearbeitet hatten und in den zwanziger Jahren zu deren schärfsten Konkurrenten wurden, gingen sie 1529 Bankrott und mussten ihre Gruben den Fuggern überlassen. 

Ab 1530 geht die Ausbeute am Falkenstein trotz intensiver Arbeit kontinuierlich zurück. Die tiefen Stollenanlagen sind nur mehr für Großfirmen rentabel, es naht das endgültige Aus für die heimischen Gewerken. Kaspar ­Joachim Tänzl, der das Unternehmen seines kinderlosen Onkels Veit Jakob bereits mit Schulden übernommen hatte, verschafft der Firma durch die Heirat mit Elisabeth Paumgartner aus der mächtigen Augsburger Gewer­kenfamilie eine Gnadenfrist. In den vierziger Jahren steht die Firma in den Produktionslisten an letzter Stelle. 1552 wird über das Traditionsunternehmen der Tänzls­ der Konkurs eröffnet. Der Hausrat und die Erzvorräte müssen versteigert werden, um die ausstehenden Löhne der Knappen bezahlen zu können. Im selben Jahr bricht auch der Betrieb der Stöckl zusammen. Beide werden von den Gläubigern, dem aus Böhmen stammenden Hans Dreyling und der Augsburger Firma Manlich übernommen. Matthias Manlich kommt somit auch in den Besitz von Schloss Tratzberg, das er zwei Jahre später an seinen Vetter Georg ­Ilsung weiterverkauft. Über dessen Familie sollte der Prachtbau wiederum 1620 in den Besitz der Fugger gelangen. Inzwischen hatten sich die Fugger, die in Schwaz auf ihre tüchtigen Faktoren vertrauen konnten, bei der Produktion an die Spitze gesetzt. Dennoch wurde 1548 der Tiroler Bergwerkshandel als Tochtergesellschaft von der Fugger-Firma abgelöst, der Rückgang des Bergsegens gebot Vorsicht. Außerdem war Anton Fugger bestrebt, die Darlehen an die Habsburger langsam abzubauen. 

Ab 1560 kommt es zu ­einem letzten großen Konkurrenzkampf zwischen den Augsburger Gesellschaften. Die Verbindungen werden dabei immer undurchsichtiger. So sind von der Augsburger Familie Manlich gleich drei Sippen über verschiedene Unternehmen am Bergbau beteiligt. Zudem entsteht 1558 mit dem Österreichischen Berg- und Schmelzwerkhandel quasi ein staatlicher Konkurrent. Der Augsburger Paul Hörwart, der 1552 die Paumgartner-Firma übernommen hatte, verkauft seine Anteile an den Landesfürsten. Dieser hat die steigende Not und die damit verbundene Unzufriedenheit der Knappen vor Augen. 1554 sind noch 7400 Mann am Schwazer Falkenstein im Bergbau beschäftigt und 144 Stollen mit einer Länge von 222 km in Betrieb. Doch wird durch die zurückgehende Produktivität und die Konkurse die Lage immer ernster. Der soziale Sprengstoff lässt den Regenten selber in den Bergbau einsteigen. Anton Fugger initiiert daraufhin den Zusammenschluss der verbleibenden Augsburger Gewerken zur Jenbacher Gesellschaft. Die fünf Gesellschafter bringen 315.000 Gulden in das neue Unternehmen ein. Doch die Phalanx der Privatunternehmer hält nicht lange. 1571 veräußert Hans Dreyling seine Anteile. Manlich und die Gesellschaft Haug/Langenauer werden 1574 von der Konkurswelle erfasst, die über die Augsburger Handelsgesellschaften hinwegrollt und in Schwaz die letzte ­Phase einleitet. Im selben Jahr muss am Falkenstein der „geringe Wechsel“ eingeführt werden, was bedeutet, dass die Betriebe ohne Gewinn arbeiten und der Landesfürst ­seine Einnahmen aus dem Silberbergbau verliert. Schließlich verkauft auch Michael Katzbeck 1577 seine Anteile an die Fugger. Katzbeck, dessen Bruder in die Familie Manlich eingeheiratet und deren gesamten Besitz samt dem tänzlschen Handelshaus übernommen hatte, war der letzte große Schwazer Gewerke der Spätzeit. Jetzt waren nur mehr der „Österreichische Handel“ und die Fugger am Schwazer Falkenstein übrig geblieben. Ging es bei ersterem darum, die Knappen, von denen es 1589 noch 4490 und 1606 nur mehr 1500 gab, vor der Arbeits­losigkeit zu bewahren, war es den Fuggern schlicht und einfach nicht möglich, ihr Unternehmen abzustoßen. Mit dem Verfall der Preise durch die Silberfunde in der Neuen Welt, wo viel günstiger abgebaut werden konnte, wird der Schwazer Bergbau zu einem kostspieligen, unrentablen Unterfangen. Als Leopold Fugger schließlich 1657 die Geschichte seiner Familie beim Schwazer Silberbergbau besiegelt, wird das silberne Zeitalter in Schwaz endgültig zur Geschichte.  Olaf Sailer

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