Von Fürsten und Kaisern

War das Mittelalter noch von Feudalherren und dem Lehenswesen geprägt, begann im 15. Jahrhundert eine Entwicklung hin zu einer Zentralisierung aller Regierungsfunktionen.

Die eigenständige Regierung des jungen Tiroler Landesfürsten begann in vielfacher Hinsicht unter ­schlech­­­ten Vorzeichen. In den ersten beiden Jahrzehnten ­sei­ner Regierungszeit bedrohten zahlreiche Feinde die Grenzen Tirols, und im Land selbst spitzte sich die auch für andere habsburgische Gebiete charakte­ris­tische Auseinandersetzung ­­­zwi­schen Landesfürstentum und Adel zu. Im Westen führte die Erwerbspolitik der Habsburger wieder einmal zu einer Auseinander­setzung mit der Schwei­zer Eid­genossenschaft. Nachdem ein Habsburger Aufgebot 1405 in der Schlacht am Stoß von einem aus Appenzeller Bauern gebildeten Heerhaufen vernichtend geschlagen wurde, schlossen sich die meisten habsburgischen Gebiete vor dem Arlberg dieser hauptsächlich aus der bäuerlichen Schicht bestehenden Bewegung an, bildeten den so genannten Bund ob dem See und fielen 1406 in Tirol ein. Um die missliche Lage zu entschärfen benötigte der junge Landesherr die Hilfe von König Ruprecht von der Pfalz, nebenbei auch Reichs­oberhaupt, und erst 1408 war der junge Habsburger Landesfürst Friedrich IV., der als „Friedl mit der leeren Tasche“ in die Geschichte eingehen sollte, wieder Herr über ganz Tirol. Und nicht nur das: Unter ihm begann sich die Entwicklung von einer auf Grundbesitz aufgebauten Feudalherrschaft hin zur auf Geldwirtschaft begründeten und zentralisierten Landesherrschaft deutlich abzuzeichnen.

Im Süden gelang es Friedrich nach heftigen Auseinandersetzungen mit dem Bischof von Trient die Präsenz des Landesfürstentums im Hochstift Trient zu stärken. Bei der Durchsetzung der Ansprüche Friedrichs in Trient hatte Heinrich von Rottenburg eine wesentliche Rolle gespielt. Dieser, reich, mächtig und dementsprechend selbstbewusst, hatte naturge­mäß wenig Lust, sich vom jungen Friedrich in seinen Rechten beschneiden zu lassen. Zwar hatte der Rottenburger zuerst auf Seiten des Habsburgers gekämpft, sich allerdings dann gegen Friedrich gestellt, worauf der auch nicht gerade als konfliktscheu bekannte Landesfürst hart ­zurückschlug. Nach etlichen Käm­pfen und vielen gefallenen Burgen musste Heinrich von ­Rottenburg sich schließlich unterwerfen. 

Der Sieg des Tiroler Landesherren bedeutete eine wichtige Weichenstellung für die künftige Entwicklung und setzte ein deutliches Zeichen zu Gunsten des Landesfürstentums – auch wenn es noch Jahre dauern sollte, bis das letzte der mächtigen Tiroler Adelsgeschlechter in die Knie ging. „Friedl“ begann vorerst die Verwaltung zu zentralisieren, und erstmals seit Meinhard II. ließ Friedrich um 1410 Verzeichnisse aller landesfürstlichen Einkünfte erstellen. Diese wurden laufend auf dem neues­ten Stand gehalten. Alles schien bestens. Doch die große Krise blieb nicht aus. 

Die gro­ßen innerkirchlichen Ausei­nan­dersetzungen der damaligen Zeit führten schließlich dazu, dass es gleichzeitig drei Päpste gab. Als der mit Friedrich verbündete Papst Johannes XXIII. 1415 aus Konstanz, wo unter der Ägide von Kaiser Sigismund ein Konzil stattfand, mit tatkräftiger Unterstützung von Friedrich floh, zog der Tiroler sich den Zorn des Kaisers zu und wurde von diesem geächtet und daher aller Besitztümer für verlustig erklärt. Vier Jahre dauerte dieser Konflikt, an dem sich auch der Tiroler Adel auf Seiten des Kaisers beteiligte. Nach dem Friedensschluss mit Sigismund begann Friedrich allerdings den Druck auf die Adeligen im Land zu verstärken. Dass der Landesfürst schließlich auch aus dieser Auseinandersetzung als Sieger hervorging, hing eng mit der in diesen kritischen Jahren erfolgten Ausbildung der Tiroler Landstände zusammen. Friedrichs Grundsatz – teile und herrsche – nutzte bewusst die Landschaft, wie die Gesamtheit der Stände damals meist genannt wurde, als Element zur Wahrung des Landfriedens und vor allem zur Festi­gung seiner eigenen Herrschaft im Land. Die Konsolidierung ­seiner Herrschaft in Tirol machte ab etwa 1425 große Fort­schritte. Bereits 1420 hatte er in Innsbruck eine feste Residenz eingerichtet, wo auch die systematisch aufgebaute landesfürstliche Verwaltung ihren Sitz hatte. Silberfunde in Gossensass und Schwaz taten ein Übriges um den Wohlstand und die Macht Friedrichs zu steigern, und als er am 24. Juni 1439 starb, hinterließ er seinem einzigen Sohn Sigmund ein beachtliches Vermögen. 

Da Sigmund allerdings beim Tod seines Vaters erst zwölf Jahre alt war, übernahm sein Vetter Friedrich von der Steiermark, der künftige Kaiser Friedrich III., die Vormundschaft und brachte Sigmund in die Steiermark. Bei ­dieser Gelegenheit verschwand auch der Inhalt der Tiroler Schatzkammer in Richtung Innerösterreich. Nach den habsburgischen Haus­gesetzen wäre Sigmund 1443 mit 16 Jahren volljährig geworden. Doch Friedrich III. versuchte die Vormundschaft über den jungen Sigmund zu verlängern, und es bedurfte der Drohung der Tiroler Landstände, sich der Schweizer Eidgenossenschaft anzu­schlie­ßen, um eine Einigung zu erzielen. Die ersten Regierungsjahre des jungen Sigmund verliefen durchaus günstig: Zeitgenossen rühmten die ausgezeichneten Charaktereigenschaften des jungen Herrschers und seine Aufgeschlossenheit gegenüber den Wissenschaften. Der Landesfürst zeigte sich in seinen ers­ten Jahren auch als geschickter Taktiker auf dem Feld der Politik. 

Im Süden kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen Venedig und Mailand. Als Letzteres unterlag, unterstellten sich die Grafen von Arco, die als Parteigänger Mailands die Rache der Venezianer fürchteten, dem ­Tiroler Landesfürsten und verzichteten damit auf die Reichs­unmittelbarkeit. Auch die Oberhirten des Hochstiftes Chur suchten um die Mitte des 15. Jahrhunderts einen engeren Anschluss an Tirol. Wie sehr auch das einst so mächtige Hochstift Brixen vom Tiroler Landesfürs­tentum abhängig war, zeigt sich in der Tatsache, dass Brixner ­Untertanen zur Tilgung von finanziellen Verpflichtungen Sigmunds herangezogen wurden. Vor allem in der ersten Hälfte seiner Regentschaft schuf Sigmund selbst Voraussetzungen für eine günstige Entwicklung, indem er etwa die von seinem Vater begonnene Zentralverwaltung weiter ausbaute. Weitere Gebietserwerbungen ergaben sich nach dem Tod seines Vetters Albrecht VI. 1463. Dadurch ­fielen Sigmund alle Rechte ­Al­brechts im Südwesten des ­­Rei­ches zu. Gebietsverlusten in Zusammen­hang mit seiner Ausei­nan­der­setzung mit Nikolaus ­Cusa­nus, dem Bischof von Brixen, stand die Vermehrung der habsburgischen Positionen im Gebiet von Vorarlberg entgegen, wo Sigmund eine Reihe wichtiger Erwerbungen tätigen konnte. Er strebte sogar den Titel eines Herzogs von Schwaben an, was ihm sein Vetter, Kaiser Friedrich III., aber verwehrte. Neue Akzente setzte Sigmund aber auch auf ­einem anderen Gebiet. Schon bald nach seinem Regierungsantritt begann der junge Herzog mit der Reform des Münzwesens. Die immer reichlicher fließenden Mittel aus dem Silberbergbau erlaubten eine ­Politik, die der Entwicklung in der näheren und weiteren Umgebung geradezu entgegenlief. Während die Münzverschlechterung in der Nachbarschaft ihren Höhepunkt erreichte, fanden die neuen und vor allem in Bezug auf ihren Silbergehalt guten Tiroler Kreuzer reißenden Absatz. Diese Münzpolitik wäre aber ohne die Erträge des Schwazer Silberbergbaues nicht möglich gewesen. Nach dem Reichsrecht standen dem Landesfürsten das Bergregal, das heißt das Landesfürstliche Hoheitsrecht über den Bergbau, zu. Den Stellenwert der ­Einkünfte aus dem Bergbau zeigt eine Jahresabrechnung von 1478/79. Damals verfügte Sigmund über einen Nettojahresertrag aus Tirol in der Höhe von 104.082 Gulden. Davon entfielen 79.440 Gulden auf die Einkünfte aus der Silberproduktion im Inntal. Der Rest stammte aus Zöllen und Ämtern, wobei allerdings ein Großteil ­dieser Einkünfte bereits zu dieser Zeit verpfändet war. Unzählige Bauten, unter anderem die heutige Hofburg, die Förderung der Plattnerei und die Entwicklung des Geschützgusses verschlangen enorme Summen. Auch die Hofhaltung Sigmunds trug zur Verschlechterung seiner Finanzlage bei. So stieg zwischen 1460 und 1490 die Anzahl der am Hofe lebenden Personen von 200 auf über 500. Unmengen an Silbergeschirr, der Versuch standesgemäßer Repräsentation und der Aufwand für angeblich mehr als 50 illegitime Kinder verschlangen beträchtliche Mittel. Ab zirka 1470 verschlechterte sich die finanzielle Situation des Landesfürsten zusehends. In dieser Zeit tat sich besonders der Wittelsbacher Herzog Albrecht IV. als Geldgeber des Tiroler Landesfürsten hervor. Sigmund verpfändete nach und nach alle habsburgischen Besitztümer in den Vorlanden mit Ausnahme von Vorarlberg. Im Jahr 1487 räumte er sogar den Wittelsbachern die Anwartschaft auf ganz Tirol ein, sollte er ohne Nachfolger sterben. Zu allem Überfluss hatte sich Sigmund auch auf ­einen Krieg mit Venedig eingelassen, der nicht nur Unsummen verschlang, sondern auch die intensiven Handelsbeziehungen, von denen beide Mächte profitierten, gefährdete. In dieser ­Situation ergriffen die Landstände die Initiative und drängten auf eine Beendigung des sinnlosen Krieges. Da der Landesfürst auf den guten Willen der Stände bei der Bewilligung von Steuern angewiesen war (er hatte beim Antritt seines Regierungsamtes deren Landesfreiheiten bestätigt), konnten diese ihre Forderungen verstärkt durchsetzen. Häufige Beschwerden über die Verschwendungssucht des Hofes, den wirtschaftlichen Missbrauch und die zweckentfremdete Verwendung von Steuern zwangen Sigmund 1485 dazu, mit den Ständen gemeinsam eine neue Landesordnung zu erarbeiten. Als allerdings klar wurde, dass der schon leicht senile Landesfürst nicht mehr in der Lage war die Regierungsgeschäfte zu ­­­­­füh­ren, wurden eine ständische ­Regierung eingesetzt und Sigmunds Aufwand und seine ­Entscheidungsbefugnisse eingeschränkt. Schließlich kam Kaiser Friedrich III. nach Tirol. Die Stände huldigten ihm und bestätigten seinen Sohn, den späteren Kaiser Maximilian I., als zukünftigen Landesfürsten.

Als Maximilian 1490 selbst nach ­Tirol kam, konnte er Sigmund zum Rücktritt bewegen. Die ­Tiroler Landstände gewann er indem er ihnen die alten Privilegien ­bestätigte. Einerseits war es die geo­politische Lage Tirols als Bindeglied zwischen den österreichischen Stammländern im Osten und der durch die Heirat mit Maria von Burgund beanspruchte Herrschaftskomplex im Westen, die Tirol für den jungen Maximilian so interessant machten. Andererseits war die hohe Finanzkraft des Landes für die Pläne Maximilians enorm wichtig. Es war auch eine der ersten Amtshandlungen des neuen Landesfürsten von Tirol, eine neue Bergordnung für Schwaz zu  erlassen. Eine Steigerung der Erlöse sollte insbesondere eine Verwaltungsreform bringen, die er schon bald in Angriff nahm. Doch maximilianische Politik war Reichspolitik, und alle seine Handlungen sind unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Das Land Tirol besaß seit der Zeit Meinhards II. eine ausgezeichnete Verwaltung mit Berufsbeamten in leitenden Stellungen, Verselbstständigung der finanziellen Verwaltung, regelmäßiger Rechnungslegung und Amtskontrolle. Allerdings hatte der wachsende Einfluss der Landstände eine Steigerung der Steuerleistung verhindert. Maximilian war überzeugt, dass eine ­Reform der landesfürstlichen Be­hörden nur unter Ausschluss der landständischen Mitwirkung möglich sei. Bevor Maximilian Tirol 1490 wieder verließ, hatte er ein Kollegium von Statthaltern eingesetzt, das ihn während seiner Abwesenheit in allen Angelegenheiten zu vertreten hatte. Diese Statthalter waren keine Ständevertreter im alten Sinne mehr, sondern überwiegend Leute seines Vertrauens. Dem Kollegium wurde neben laufenden Angelegenheiten auch schon die Reform sämtlicher lokaler Ämter, Überwachung und Kontrolle, das Geldaufbringen, die Pfandschaften und Schuldendienste aufgetragen. Bereits in den Jahren 1490 bis 1493 stiegen daraufhin die Einnahmen der Tiroler Kammer von 87.052 Gulden auf 212.229 Gulden an. Aufgrund dieses Erfolges wurde diese Verwaltungsreform auch auf die restlichen Herrschafts­gebiete der Habsburger übertragen. In der Folgezeit versuchte der stets ungestüme Maximilian das Finanzwesen auf gänzlich neue Füße zu stellen. Doch die kostspielige Politik sowie seine Kriegspolitik, hier vor allem die Auseinandersetzung mit Venedig, beanspruchten die an und für sich reichen Finanzen des Landes Tirol über Gebühr. Es sei ein Glück, dass die Schätze seiner österreichischen Länder so tief in den Bergen lägen, sonst würde er sie alle aufgebraucht haben, gestand Maximilian einmal selbst. Die finanzielle Hauptlast seiner Politik hatte Tirol zu tragen, das er im Laufe der Zeit nicht nur zu seiner Residenz, sondern zu einer Schaltstelle seiner weitgespannten Pläne machte. 

Tirol lieferte in dieser Zeit mit seinen Bergwerken und Handelswegen von allen Erbländern die höchsten Einnahmen. Die Jahresproduktion von Silber belief sich beispielsweise 1516 auf einen Wert von 1,4 Millionen Gulden, der größte Teil der Produktion war aber ständig verpfändet. Zeitweise soll Maximilian sogar bei seinen Dienern Schulden gehabt haben. In den 25 Regierungsjahren des Kaisers hatten die österreichischen Länder 25 Millionen Gulden aufgebracht, sechs Millionen Gulden Schulden blieben zurück, an denen man bis zum Ende des Jahrhunderts zurückzahlte oder sie einfach schuldig blieb – was viele Gläubiger ruinierte. Auf den von Maximilian ständig einberufenen Landtagen, die die immer größer werdenden Kriegssteuern und Zölle genehmigen sollten, häuften sich die Beschwerden. Im zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts war für die Landstände das Maß voll. Angesichts des völligen Zusammenbruchs seiner italienischen Kriegspolitik musste sich Maximilian schließlich auf die Forderungen seiner Länder nach mehr Mitbestimmung einlassen. Auf dem so genannten Generallandtag in Innsbruck von Jänner bis Mai 1518 wurde in drei so genannten Libellen den österreichischen Landständen eine bedeutende Stellung eingeräumt. 

Als Maximilian am 12. Jänner 1519 starb, brachen in ganz Österreich ständische Unruhen aus. Die Landschaft, auch in Tirol, wollte ihr altes Gewohnheitsrecht, während eines Interregiums die Regierungsgeschäfte zu führen, zurückgewinnen, wogegen Maximilian testamentarisch die Regimente, also die Regierungen der Länder, dafür eingesetzt hatte. Diese regierten aber nach einem der Bevölkerung fremden Amtsrecht. Dazu kam, dass Maximilian Tirol besonders ausge­presst hatte. Entscheidend für Tirol war zu diesem Zeitpunkt, dass es nach der Wahl von Karl V. zum römischen Kaiser einer Einigung zwischen Karl und seinem jüngeren Bruder Ferdinand I. bedurfte. Im Vertrag von Worms vom April 1521 wurden die niederösterreichischen und innerösterreichischen Länder Ferdinand zugesprochen und in einer zweiten Übereinkunft, 1522, auch Tirol und die Vorlande. Damit war Ferdinand Herr über Tirol und damit der Schulden, die auf seinen Ländern lastete. Um dem finanziellen Chaos Herr zu werden bestellte er den Spanier ­Gabriel Salamanca zum Finanzchef. Da dieser die Interessen seines Herren und auch die eigenen rigoros durchsetzte, kam es bald zu Aufständen von Bauern und auch Knappen. Naturkatastrophen, Seuchen und nicht zuletzt die Zustände in den verpfändeten Gerichten, wo die jeweiligen Grundherren versuchten so viel Geld wie möglich herauszupressen, verschärften die Situation noch zusätzlich. 1525 brach schließlich der große Bauernaufstand, unter der Führung von Michael Gaismair, aus. Ferdinand zeigte sich vorerst nachgiebig, was schließlich zu der für die Bauern güns­tigen Landesordnung von 1526 führte. Doch schon 1532 wurden in einer neuen Landesordnung viele Konzessionen wieder zurückgenommen. In weiterer Folge sorgte Ferdinand I. mit seiner Hofstaatsordnung, die eine gemeinsame und zentrale Behörde für alle österreichischen, ungarischen und böhmischen Länder vorsah, für einen engeren Anschluss Tirols an die anderen österreichischen Länder. Die in Innsbruck bestehenden Landesbehörden, also Regiment und Kammer, bekamen dadurch übergeordnete Organe. Als Ferdinand I. 1564 starb, fielen entsprechend seinem dritten Testament von 1554 Tirol und die Vorlande an seinen zweitältesten Sohn Erzherzog Ferdinand. Dessen Regierungszeit war geprägt von ständigen Auseinandersetzungen mit den Landständen. Doch gelang es diesen nicht eine Rechtssprechung durchzusetzen, die ausschließlich den Bestimmungen der Landesordnung entsprach. So kam das römische Recht direkt über die landesfürstliche Regierung und deren Rechtssprechung in Form eines Appellationsgerichtes nach Tirol. Das römische Recht aber bildete das Fundament des Absolutismus, der in Tirol unter Erzherzog Ferdinand eine frühe Ausprägung erfuhr. Ein weitere, vielleicht ebenso wichtige Voraussetzung dafür war die Politik seines Urgroßvaters Maximilian I.

Es scheint eine Ironie der Geschichte zu sein, dass gerade Maximilian, dem die drei erfolgreichsten Heiraten in der Geschichte der dynastischen Entwicklung des Hauses Habsburg gelangen, gleichzeitig auch einer ihrer kriegerischsten Vertreter war. Rückgrat seiner Großmachtpolitik waren die Landsknechte. Ihre spektakulären Erfolge und Niederlagen errangen sie weitab von den österreichischen Stammländern der Habsburger. Doch die militärische Macht im Dienste des Landesherren hatte eine vielleicht viel nachhaltigere Auswirkung. Die bewaffnete Selbsthilfe großer und kleiner Herren, die ständigen Fehden der mittelalterlichen Gesellschaft wurden endgültig zurückgedrängt. Das Gewicht des Fürsten stieg, bis hin zum Absolutismus der Barockzeit.  Hugo Huber

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